Von unbefriedigend bis sehr gut: Kinobilanz fällt gemischt aus

Das vergangene Jahr war schwer für Betreiber von Filmtheatern deutschlandweit. Trotzdem entwickelten sich zwei Kinos in Chemnitz gegen den Trend. In den anderen gibt es 2019 Veränderungen.

Bei der Berlinale werden aktuell über 400 Filme präsentiert, die auch bald in Chemnitz zu sehen sein könnten. Das Festival ist gleichsam eines der wichtigsten Ereignisse für die gesamte Branche. Es erscheint folgerichtig, dass die Filmförderanstalt jetzt die Kino-Besucherzahlen 2018 veröffentlicht hat. Aus ihnen geht hervor, dass 2018 deutschlandweit 14 Prozent weniger Tickets verkauft wurden als im Jahr davor.

Um so überraschender, dass Maret Wolff, seit Ende 2016 Inhaberin des Kinos Metropol, sagen kann, sie habe in ihrem zweiten Jahr mehr Besucher gehabt als 2017. Zwar sei das Jahr schwer gewesen, aber mit der Mischung aus Kultur und Konsens, die sie anbietet, fahre sie gut. Die genauen Besucherzahlen sind Betriebsgeheimnis. Der lange Sommer sei schwierig gewesen. Doch gegen Ende seien immer mehr Leute darauf gekommen, dass sich die Temperaturen im Kino aushalten lassen, so Wolff. Ein weiterer Negativpunkt 2018 sei die "verkorkste Fußballweltmeisterschaft" gewesen. Denn die Verleihe seien davon ausgegangen, dass die Deutschen lieber Fußball gucken, statt ins Kino zu gehen, und hätten deshalb große Filme zurückgehalten. Allerdings seien dann im Herbst und Winter noch einmal erfolgreiche Streifen gekommen, wie "Phantastische Tierwesen" und "Der Grinch". Letzterer sei vermutlich der Film mit den meisten Zuschauern in ihrem Haus gewesen, schätzt Wolff. Weniger gut seien dagegen "Lady Bird", "In den Gängen" und "Die Außenseiterin" gewesen. Sie habe bemerkt, dass die Chemnitzer sehr an Filmen über ihre Geschichte und solchen über DDR-Geschichte interessiert seien, so Wolff. Weiter ausbauen wolle sie Kooperationen mit anderen Kultureinrichtungen sowie die Wahrnehmung des Metropols als Begegnungsort.

Noch besser lief 2018 für das Clubkino Siegmar. Es sei ein sehr gutes Jahr gewesen, man habe ungefähr so viele Besucher gehabt wie 2017, rund 53.000, sagt Leiter Thilo Götz. Ja, sagt er, der Sommer sei lang und heiß gewesen. Aber nach drei Wochen mit Grillen und Badengehen wollten die Leute auch mal wieder etwas anderes machen. "Aber es gab kaum Filme, die Zuschauer angelockt hätten", so Götz. Auch nach der WM seien keine zugkräftigen Filme gekommen. Der Herbst und der Winter hätten das Sommerloch wieder ausgeglichen. Gut liefen 2018 "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri", "Shape of Water" und "Weit". "Einen überragend großen Kracher gab es aber nicht", so Götz. Dafür habe es auch keinen schlimmen Flopp gegeben. Bei Filmen wie "Roma", der 2018 in Venedig mit dem Goldenen Löwe ausgezeichnet wurde, erwarte er sich auch nicht viele Zuschauer. Für zu anspruchsvolle oder zu skurrile Filme gebe es in Chemnitz kein breites Publikum. Der Großteil seiner Gäste sei etwas älter und wolle "anspruchsvoll unterhalten werden", schätzt er. 2019 begann für das Kino mit einem Rekord. Der Film "Der Junge muss an die frische Luft" habe so viele Besucher wie noch nie in einem Januar nach Siegmar geführt.

"Das Kinojahr 2018 war klar unbefriedigend", sagt dagegen Bernd Karnatz, Leiter des Cinestar in der Galerie Roter Turm. Konkrete Zahlen veröffentlicht die Firmengruppe nicht. Auch Karnatz nennt Sommer und WM als Gründe. "In WM-Jahren stellt man sich bereits verstärkt auf solche Ergebnisse ein", sagt er. Die erfolgreichste Filme 2018 in seinem Haus waren "Fifty Shades of Grey 3", gefolgt von "Jurassic World" und "Deadpool 2". Welche Filme nicht gut liefen, veröffentlicht die Firmengruppe nicht. Für 250.000 Euro wurden gerade der größte Kinosaal mit 400 Sitzen renoviert und ein neues Tonsystem eingebaut.

Als "sehr durchwachsen" bezeichnet Ingo Scheller vom Kino im Weltecho an der Annaberger Straße das vergangene Jahr - trotz Renovierung und modernster Technik. Erfolgreichster Film 2018 sei "Weit" gewesen. Nicht so gut lief dagegen "Swimming With Men". Bei der Auswahl der Filme orientiere er sich am aktuellen Arthouse-Kino, spiele aber auch ältere Filme und vor allem die, "von denen ich denke, dass sie eben gezeigt werden sollten", so Scheller. Für seine Gäste hat er positive Nachrichten: Das Weltecho hat Parkplätze am Uferstrand angemietet, die Kinogänger nutzen können. Und im März wird ein Fahrstuhl eingebaut, sodass das Kino auch barrierefrei zugänglich sein wird.

Bewertung des Artikels: Ø 3.6 Sterne bei 7 Bewertungen
10Kommentare
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  • 6
    2
    Blackadder
    11.02.2019

    @arndtbremem: Auch wenn es hier weiß Gott nicht zum Thema passt, würde mich das auch interessieren.

  • 9
    1
    SimpleMan
    10.02.2019

    @ArndtBremen Ich weiß zwar nicht, wie Sie von diesem Thema auf Hetze kommen. Aber mich würde wirklich interessieren, welche Beiträge von mir, Sie als Hetze einordnen würden.

  • 1
    14
    ArndtBremen
    10.02.2019

    Genau die Leute, die mir hier Schubladendenken vorwerfen sind doch genau diejenigen, die sehr gerne Schubladen öffnen, um andere Menschen zu denunzieren. Darf ich Ihre Beiträge zu bestimmten Themen zitieren, Frau Black, Simple und so weiter? Alles vergessen? Ihre sinnlose Hetzerei?

  • 2
    18
    ArndtBremen
    09.02.2019

    @Blackadder: Sie haben Ihre Schubladen und ich eben meine.

  • 14
    2
    SimpleMan
    09.02.2019

    @ArndtBremen Im Weltecho gibt es ein Programmkino. Da es von den gespielten Filmen durchaus Überschneidungen mit den Filmen im Clubkino Siegmar gibt, das Publikum teilweise das gleiche ist, scheint es sich um ein weiteres Vorurteil von Ihnen zu handeln. Wie kann man seine Welt nur in so viele kleine Schubladen zwängen...?

  • 12
    4
    Blackadder
    09.02.2019

    @arndtbremem: Wenn ich ehrlich bin, kenne ich das Kino im Weltecho gar nicht, aber schön, wenn man so seine Schubladen für Menschen hat.

  • 3
    18
    ArndtBremen
    09.02.2019

    @Blackadder: Ich besuche sehr oft Veranstaltungen im Metropol und im Clubkino Siegmar. Sie wohl eher Weltecho. Nicht mein Niveau, falls es in diesem Laden sowas überhaupt gibt.

  • 13
    6
    Blackadder
    09.02.2019

    @arndtbremem: Ich gehe gern ins Kino. Sie nicht? Und es kann auch sehr den Horizont erweitern und bilden, wenn man nicht nur auf Blockbuster setzt. Versuchen Sie es doch mal!

  • 5
    24
    ArndtBremen
    09.02.2019

    Frau Blackadder nun auch noch Kinoexpertin. Sie sind unersetzlich in allen Kompetenzfragen.

  • 15
    7
    Blackadder
    09.02.2019

    Woran wird es wohl liegen, dass die Kinos mit moderaten Ticketpteisen und ohne Schnickschnack gut laufen und das Kino, wo ein 3D Film bis zu 12 Euro pro Karte kostet und man für Getränke und Popcorn locker nochmal soviel drauflegt, weniger Besucher anzog? Kann ich mir nicht erklären.
    Aber Ironie beiseite, der einzige Grund in den Cinestar zu gehen sind Filme in Originalversion.



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