Wann kommt die Vogel-Auffangstation?

Ein Verein hatte auf die schnellere Umsetzung eines Projektes für Tiere im Erzgebirge gehofft. Doch noch wird über Finanzierung und Genehmigungen geredet. Wie ist der aktuelle Stand des Vorhabens?

Stollberg.

Das Projekt Wildvogelauffangstation kommt nicht so schnell voran, wie erhofft. Nach der Vereinsgründung durch Eva-Maria Müller und ihre Mitstreiter hat sich das Vorhaben zur Hängepartie entwickelt. "Wir haben nicht den Eindruck, dass uns Steine in den Weg gelegt werden", sagt die Vorsitzende des Vereins Wildvogelauffangstation Stollberg & Westerzgebirge". Nur würden die Mühlen langsam mahlen, wenn es um Natur- und Tierschutz geht.

Hintergrund: Am Katzenstein zwischen Stollberg und Affalter soll eine Wildvogelauffangstation entstehen. Es ist geplant, auf einem rund 8000 Quadratmeter großen ehemaligen LPG-Areal am Eisenweg hilfebedürftige Wildvögel und später auch heimische Kleintiere zu betreuen. Ein Schulungsraum, eine Holzwerkstatt und perspektivisch ein Begegnungszentrum für naturinteressierte Menschen sind ebenso vorgesehen. Ursprünglich sollten im Frühjahr 2020 die ersten Volieren aufgestellt werden. Danach sieht es allerdings zurzeit nicht aus.

An Unterstützung mangelt es nicht. So hat der Verein Natura Miriquidica Hilfe zugesagt, ebenso einige Ornithologen. Auch Spenden würden mittlerweile eingehen. "Daher haben wir den Eindruck, dass die Station herbeigesehnt wird", schätzt Müller. Doch woran hakt es dann? Vor allem geht es um die Finanzierung und die notwendigen Genehmigungen. Dazu befinden sich Vereinsvertreter in guten Gesprächen mit dem Landratsamt und der Stadt. "Die Stadt Stollberg muss sich zunächst einmal bekennen, auf welcher Basis sie uns ihr Areal überlassen möchte", sagt Müller. Grundsätzliche Bereitschaft besteht nach Aussagen beider Seiten. "Das Thema ist bei uns zurzeit in Vorbereitung", sagt Oberbürgermeister Marcel Schmidt. Die Grundlage für eine Überlassung der Liegenschaft, die sowohl städtische Interessen als auch die des Vereins ausreichend berücksichtigt, werde zurzeit diskutiert. Allerdings seien die Gesprächspartner in beiden Richtungen noch nicht am Ziel. "Zur Klärung der Nutzungsüberlassung werden wir demnächst die Diskussion in den Gremien führen", stellt Schmidt in Aussicht. Darüber hinaus unterstütze die Stadt den Verein bei der Akquise von Fördermitteln. "Wir bemühen uns um einen Termin in Dresden", sagt Schmidt.

Eine innovative Finanzierungsmöglichkeit bringt Müller ins Spiel. Sie regt an, dass ein Teil der Kompensationsleistungen für Umweltschäden zugunsten der Wildvogelauffangstation verwendet werden könnten. "Jetzt ist es so, dass f´ür einen gefällten Baum an anderer Stelle ein neuer gepflanzt werden muss", sagt Müller. In vielen Ausschreibungen sei zudem eine einjährige Pflege ausdrücklich gefordert. Ihre Erfahrung aus dem Landschafts- und Gartenbau sei aber auch, dass nicht selten die Ersatzpflanzungen nach dieser Frist eingehen. "Daher halte ich die Unterstützung einer Wildvogelstation für sinnvoller", betont Müller. Allerdings müsse dazu das Landratsamt mitspielen.

Müller sieht für den Aufbau der Station am Katzenstein durchaus Handlungsdruck und spricht von einem dramatischen Vogelsterben. Jüngster Pflegefall sei eine Kornweihe, ein äußerst seltener Greifvogel, der offensichtlich Opfer von Silvesterfeuerwerk geworden war. "Durch den schnellen Umbau einer privaten Voliere können wir das Tier versorgen und hoffen, ihn wieder gesund zu bekommen", erzählt Müller. "Aber in der kommenden Saison befürchten wir, oft nein sagen zu müssen, wenn es um die Aufnahme von Pfleglingen geht", so Müller. Noch hat sie die Hoffnung nicht ganz begraben, vielleicht doch die ersten Volieren im Frühjahr am Katzenstein aufstellen zu können. Betrieben werden soll die Wildvogelauffangstation vom Verein "Wildvogelauffangstation Stollberg & Westerzgebirge". Vereinschefin Müller ist eine ehemalige Tierheimleiterin, die sich in Kooperation mit dem Umweltzentrum Dresden um die hiesigen Wildvögel kümmert.

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