Warum die Bahnhöfe in Lichtenau in der Kritik stehen

Marode Gebäude und beschwerliche Wege zu den Zügen verärgern Einwohner von Ottendorf und Oberlichtenau. Die Gemeinde will handeln, stößt aber auf Probleme.

Lichtenau.

Einwohner und Gemeinderäte von Lichtenau kritisieren seit mehreren Jahren den Zustand der Bahnhöfe in Oberlichtenau und Ottendorf. Ganz oben auf der Mängelliste steht das marode ehemalige Bahnhofsgebäude in Oberlichtenau.

In der jüngsten Sitzung des Rates wollten Einwohner wissen, wann es dazu Entscheidungen gibt. Wie die Debatte zeigte, empfindet so mancher Lichtenauer das verfallende Gebäude und die Umgebung als Schandfleck. Ältere und behinderte Menschen vermissen zudem einen barrierefreien Zugang zu den City- und Regio-Bahnen, die nach Chemnitz und Mittweida, Döbeln, Riesa und Elsterwerda fahren oder von da ankommen. Die Gemeinde hat das Areal gesichert und abgesperrt.

In Ottendorf stellen Pendler ihre Autos am Straßenrand ab, weil bisher ausreichend Parkplätze nahe des Bahnhaltepunktes fehlen, war von Einwohnern zu erfahren. Mancher würde gern für den Weg zwischen Wohnung und Bahnhof das Fahrrad nutzen, traut sich das jedoch nicht, weil die Zweiräder nicht sicher genug verwahrt werden können. Die Gemeinde hat laut Bürgermeister in den vergangenen Jahren mehrere Anläufe genommen, um etwas an den kritisierten Zuständen zu ändern, konnte die Vorhaben aber bislang nicht umsetzen.

"Jeder Schritt braucht Zeit", sagt Bürgermeister Andreas Graf (CDU) auf Nachfrage. Projekte wie der Abriss des alten Bahnhofsgebäudes und eines Nebengebäudes sowie der barrierefreie Umbau des Bahnhofes in Oberlichtenau, der Parkplatzbau in Ottendorf und die Schaffung abschließbarer Fahrradboxen seien nicht vom Tisch. Was im kommenden Jahr in Angriff genommen werden kann, hänge dabei von den Haushaltsentscheidungen des Gemeinderates ab.

Der Abriss der ehemaligen Bahnhofsgebäude in Oberlichtenau zählt für den Ortschef zu den dringenden Vorhaben. Da der Bahnhof ein Eingangspunkt in den Ort ist, ärgere auch ihn der Anblick. 2016 hatte der Gemeinderat den Kauf der ungenutzten Gebäude beschlossen, um den Weg für einen Abriss der Brache durch die Kommune zu ebnen. "Bei diesem Vorhaben sind wir ausgebremst worden", so Graf. Da es sich um eine Eisenbahnanlage handelt, müsse erst die Entwidmung abgewartet werden. Zuständig dafür sei das Eisenbahnbundesamt, bestätigte Falk Ester, Pressesprecher des Verkehrsverbunds Mittelsachsen (VMS). Der Verkehrsverbund organisiert im Territorium unter anderem den Schienennahverkehr und die Schülerbeförderung. Das Verfahren zur Entwidmung sei aufwändig, erklären Graf und Ester.

Für den barrierefreien Umbau des Bahnhofs hat der VMS laut Ester Vorplanungen in Auftrag gegeben: "Derzeit laufen Abstimmungen mit der Deutschen Bahn und dem Freistaat Sachsen." Dabei gehe es um die technische Gestaltung und Möglichkeiten der Finanzierung, so der VMS-Sprecher. Mit Ergebnissen rechne er nicht vor dem zweiten Quartal 2020.

Die Gemeinde will bei ihren Vorhaben auf dem Gelände laut Graf ebenfalls Barrieren abbauen, die bisher den Zugang für Personen mit Behinderungen oder Rollator erschweren. Bei der Umsetzung, ebenso beim Parkplatzbau in Ottendorf, kommt es nach Angaben des Ortschefs darauf an, wie viel Geld für die Maßnahmen aus dem Gemeindehaushalt und aus Fördertöpfen eingesetzt werden kann. "Aktuell hat das Thema Mobilität im ländlichen Raum Gewicht in den Förderprogrammen, es würde passen", sagte er.

Beim Parkplatzbau könnten Zuschüsse beispielsweise auch für eine Ladestation für Elektroautos und für Boxen zum sicheren Abstellen von Fahrrädern beantragt werden. Doch erst muss die Gemeinde ein Grundstück besitzen, auf dem sie bauen kann. Zu diesem Zweck solle im Gemeinderat noch in diesem Jahr über den Kauf von 2000 Quadratmetern Fläche entschieden werden, so Graf.

Dass der Haltepunkt in Ottendorf auf diese Art attraktiver gemacht wird, liegt auch im Interesse des VMS. "Sobald die Gemeinde genaue Planungen vorliegen hat, wird der VMS prüfen, ob er sich am Bauvorhaben beteiligt", erklärt Pressesprecher Ester. Gespräche dazu hätten bereits stattgefunden.

In Ottendorf und Oberlichtenau halten Züge der Linie C14 der Citybahn, die zwischen Chemnitz und Mittweida verkehrt, und der Linie RB 45 der Mitteldeutsche Regiobahn. In Ottendorf liegt die Anzahl der Ein- und Aussteigenden laut Ester aktuell an Wochentagen bei etwa 90 Personen, an Wochenenden sind es durchschnittlich 53. Für Oberlichtenau geht er in der Woche von 250 Ein- und Aussteigenden pro Tag aus, an den Wochenenden von rund 151.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...