Warum Lichtenau drei Vizebürgermeister braucht

Eigentlich sollen die Stellvertreter die Ortsteile vertreten. Aber bei einer geheimen Wahl kam alles ganz anders.

Lichtenau.

Reichlich drei Monate nach der Kommunalwahl hat sich der Gemeinderat von Lichtenau konstituiert. Alle 17 gewählten Räte von Freien Wählern (6), CDU (5), AfD (3), Linken (2) und Bündnisgrünen (1) wurden von Bürgermeister Andreas Graf (CDU) per Handschlag verpflichtet, nachdem sie einen Eid gesprochen hatten. Zwölf der 17 Räte saßen schon bisher im Gremium. Ein Platz blieb leer, weil die AfD zwar vier Sitze nach der Wahl errungen hatte, aber nicht genügend Kandidaten ins Rennen schickte.

Die Verwaltung hatte für die Wahl der Besetzung von Technischem und Verwaltungsausschuss Vorschläge unterbreitet. Laut Hauptsatzung sind die Gremien mit je neun Ratsmitgliedern und deren Stellvertretern besetzt. Bisher hatte sich der Gemeinderat geeinigt, dass alle gewählten Räte in den Gremien vertreten sind, auch wenn nach dem sogenannten D'Hondt-Verfahren (also die Umrechnung der Wählerstimmen in Mandate) Einzelvertreter keine Chance haben. Nach der Neuwahl behielt man das Prozedere bei. Stephan Lazarides (CDU) sagte dazu: "Wir machen Sachpolitik, Parteizugehörigkeit spielt keine Rolle." Auch die neuen Räte plädierten dafür. Michael Müller (AfD) sagte: "Es ist richtig, dass alle Parteien in den Ausschüssen vertreten sind." Sonst wäre Ronny Kempe (Grüne) als Einzelvertreter herausgefallen, fügte der Rat hinzu.

Allerdings war Müller nicht einverstanden, dass über die Vorschlagsliste der Verwaltung abgestimmt wird. Denn es würden Mitglieder nicht automatisch von ihrem Parteimitglied vertreten. Dem stimmte die Mehrheit zu und einigte sich auf eine gemeinsame Liste. "Das nennt man Benennungsverfahren", erklärte Lohse. Über einen gemeinsamen Vorschlag werde abgestimmt. Das erfolgte in offener Wahl. Demnach sind in beiden Ausschüssen alle Gemeinderäte vertreten - einmal als Mitglied und einmal als Stellvertreter. Nur für den fehlenden 18. Sitz gab es eine Doppelbesetzung.

Für die Wahl der drei Stellvertreter des Bürgermeisters ging es allerdings nicht so einvernehmlich zu. Die Verwaltung hatte keinerlei Vorgaben gemacht. Laut Geschäftsordnung vertritt ein Stellvertreter den Bürgermeister bei Abwesenheit. Allerdings sind das nur repräsentative Aufgaben, so bei der Geburtstagsgratulation von Senioren, sagte Bürgermeister Graf. Die Amtsgeschäfte übernimmt stets Hauptamtsleiter Lohse.

Gemäß Hauptsatzung werden drei Stellvertreter gewählt. "Das hat mit unserer Historie zu tun", erläuterte Graf. Die Stellvertreter wohnen jeweils in einem von drei Ortsteilen und vertreten diese. Bisher vertrat der erste Vize Gert Eidam (Freie Wähler) Ottendorf mit Krumbach und Biensdorf. Zweiter Vize Jens Scheunert (Linke) wohnt in Oberlichtenau und vertritt diesen mit Niederlichtenau und Merzdorf. Der dritte Vize Manfred Mehner (Linke) stand für Auerswalde mit Garnsdorf. Laut sächsischer Gemeindeordnung gibt es keine Vorgabe zur Anzahl der Stellvertreter.

Doch dieses Mal spielte die Herkunft eine untergeordnete Rolle. Die Parteien schlugen ihre Kandidaten vor: Andreas Herberger benannte als ersten Stellvertreter für die Freien Wähler Eidam. Er begründete dies auch mit dem hohen Stimmenanteil (1844) zur Wahl. Es gab keinen Gegenkandidaten. Eidam wurde einstimmig gewählt und versprach mit allen Räten zusammenzuarbeiten, Sachfragen ständen für ihn im Mittelpunkt.

Für den zweiten Stellvertreter schlug Peter Wirth für die CDU Stephan Lazarides (712) vor, weil er Erfahrung im Gemeinderat habe. Holger Zielinski nominierte für die AfD Michael Müller, weil er bei den Wählern Rückenhalt habe. Denn er kam auf 1015 Stimmen. Petra Steidten schlug für die Linken Scheunert (920) vor, weil er als Vize und Gemeinderat viel Erfahrung habe. Es fand eine geheime Wahl statt. Weil im ersten Durchgang keiner der Kandidaten die Mehrheit von zehn Stimmen erhielt, kam es zur Stichwahl zwischen Lazarides (7) und Scheunert (8). Ergebnis: je neun Stimmen. Das Los entschied mittels Münze: Scheunert hatte Glück.

Bei der Wahl des dritten Stellvertreters das gleiche Spiel. Erneut wurden Müller und Lazarides von ihren Parteien nominiert. Allerdings schlug Steidten (Linke) Anke Fleischer (CDU) vor. Wieder kam es zur Stichwahl: Lazarides (6) und Fleischer (8), die Fleischer mit 13:5 für sich entschied.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...