Warum sich im Großen Teich derzeit kaum Wasser befindet

Landkreis lässt Vogelinsel befestigen und vergrößern - Ornithologen hoffen auf Rückkehr der Lachmöwen

Limbach-Oberfrohna.

Der Wasserstand im Großen Teich in Limbach-Oberfrohna ist deutlich niedriger als sonst, weil Arbeiten an der Vogelinsel anstehen. Die "Freie Presse" beantwortet wichtige Fragen zu dem Projekt.

Warum wird das Wasser des Großen Teiches abgelassen?


Weil der Landkreis Zwickau auf dem Gelände des Gewässers umfangreiche Bauarbeiten plant. Sie sollen den Vögeln, die auf der Insel im Teich brüten, zugutekommen.

Wie laufen die Bauarbeiten konkret ab?

Zunächst wird eine Baustraße angelegt, damit schwere Fahrzeuge den etwas abgelegenen Teich überhaupt erreichen können. Wenn das Wasser vollständig abgelassen und der Schlamm getrocknet ist, sollen Anfang Oktober die eigentlichen Arbeiten beginnen. Die Vogelinsel soll nach Angaben aus dem Landratsamt befestigt und vergrößert werden, sodass diese nach Abschluss des Projektes etwa 700 Quadratmeter umfasst. Dabei wird Schlamm aus dem Teich abgebaggert und der Insel zugeschlagen.

Warum hält der Landkreis das Projekt für nötig?

Weil die Insel, die Anfang der 1990er-Jahre als künstliche Brutstelle für Vögel geschaffen worden war, ihr Aussehen in den vergangenen Jahren verändert hat. Durch Wellenschlag und Erosion ist sie Stück für Stück geschrumpft. Die Tiere im Europäischen Vogelschutzgebiet Limbacher Teiche hatten daher zuletzt weniger Platz zur Verfügung. Bei Starkregen wurde die Insel sogar vollständig überschwemmt.

Was bedeutet die Entwicklung für die Vogelbestände?

Bei Überschwemmungen kann die gesamte Brut zerstört werden. Im Frühjahr hatte der örtliche Ornithologe Jens Hering Alarm geschlagen. Die Lachmöwen-Kolonie auf der Insel, zu der sonst etwa 300 Brutpaare zählten, war im zweiten Jahr in Folge komplett verwaist. Der Experte spricht von einem "schweren Verlust", schließlich hatte es sich um die einzige derartige Kolonie in ganz Südwestsachsen gehandelt. Auch bei Reiherenten stellte sich kein Nachwuchs ein. Auch wenn nicht alle Zusammenhänge klar sind, gibt es für das Wegbleiben der Tiere wohl mehrere Faktoren: Laut Hering sind Wanderratten auf die Insel vorgedrungen und haben Eier und Jungtiere aufgefressen. Auch Hundehalter, die ihre Lieblinge trotz eines Verbotes im Teichgebiet schwimmen lassen, könnten eine Rolle spielen. Mit der Vergrößerung der Insel kann also ein Risikofaktor für die Vogelwelt minimiert werden, andere bleiben aber bestehen.

Wie soll verhindert werden, dass die Insel anschließend durch Erosion wieder schrumpft?

Durch sogenannte Faschinen. Das sind Bündel aus Reisig, die am Ufer horizontal verlegt und mit Pflöcken im Boden verankert werden. Damit das Erdreich an Ort und Stelle bleibt, wird zudem Kies auf der Insel aufgetragen.

Wann sollen die Arbeiten abgeschlossen werden?

Der Landkreis Zwickau nennt November als Termin. Direkt im Anschluss soll wieder Wasser im Großen Teich angestaut werden. Der Limbach-Oberfrohnaer Ornithologe Dieter Kronbach hofft, dass dieser Zeitplan eingehalten wird. Sollte sich das Projekt - etwa wegen früh einsetzenden Frostes - bis ins nächste Jahr ziehen, steigt laut Kronbach das Risiko, dass die Lachmöwen und andere Vogelarten nicht auf die Insel zurückkehren.

Welche Folgen hat das Projekt für die Nutzer der Sauna am Großen Teich?

Da der Wasserstand bereits stark gesunken ist, können die Gäste nicht mehr im Großen Teich schwimmen. Diese Möglichkeit nutzt aber ohnehin nur eine Minderheit. Die meisten Besucher bevorzugten wegen des saubereren Wassers den Pool, sagt einer von ihnen.

Wie teuer ist die Sanierung der Vogelinsel?

Das Landratsamt nennt auf Anfrage keine konkrete Summe. Das Projekt "wird ausschließlich über Ausgleichsmaßnahmen für Eingriffe in Natur und Landschaft finanziert", heißt es lediglich. Bauherren, die etwa durch Versiegelung von Erdreich der Natur schaden, müssen Geld bereitstellen, damit an anderer Stelle die Umwelt aufgewertet werden kann.

Eigentlich sollten die Baufahrzeuge schon 2017 anrücken. Warum kommt es erst jetzt dazu?

2017 waren die Überlegungen zur Teichsanierung schon weit vorangeschritten, wurden dann aber abgesagt. Auf eine entsprechende Ausschreibung des Landkreises meldete sich keine einzige Baufirma. Als die Behörde daraufhin mehrere Unternehmen direkt ansprach, forderten diese Preise, die deutlich über der Kostenberechnung lagen. Das Projekt sollte deshalb um ein Jahr verschoben und dann über Ausgleichsgelder für Eingriffe in die Natur finanziert werden. Doch 2018 standen nicht genügend solche Mittel zur Verfügung. Das ist in diesem Jahr anders. jop

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