Was junge Leute in Burgstädt bauen würden

Bolz- und Grillplatz sowie Skaterbahn im Wettinhain und ein Kino in der Innenstadt - diese Jugendtreffs wünschen sich Neuntklässler. Aber die meiste Zustimmung erhielt ein ganz anderes Projekt.

Burgstädt.

Das Planspiel Kommunalpolitik, das alljährlich von Friedrich-Ebert-Stiftung, Diesterwegschule und Stadtrat organisiert wird, ist mit dem Jugendstadtrat am Dienstag beendet worden. Rund 50 Neuntklässler versuchten innerhalb von zwei Stunden, wichtige Beschlüsse für die Stadt durchzusetzen. Dafür hatten sie fiktive Fraktionen gebildet. Sie stellten Fragen zum aktuellen Geschehen, die Bürgermeister Lars Naumann beantworten musste. "Freie Presse" fasst zusammen:

Bolzplatz: Das Anlegen eines Bolzplatzes im Park Wettinhain oder am Anger schlug die Konter-Bier-Partei (KBP) vor. Der Beschluss sieht vor, dass ein Tartan-Fußballfeld mit Toren gebaut wird. Die Zielfläche soll aus Metallflächen sein, damit Netze nicht zerschnitten werden können. Außerdem sind Sitzmöglichkeiten und ein Basketballplatz dort geplant. Mit Kosten in Höhe von 200.000 Euro wird gerechnet. Mit großer Mehrheit votierte das Gremium dafür - trotz möglicher Lärmbelästigung, Vandalismusängsten und finanzieller Probleme. Bürgermeister Lars Naumann sagte: "Das Projekt ist realistisch. Im zweiten oder dritten Abschnitt des Anger-Umbaus ist ein Bolzplatz geplant."

Grillplatz: Auf der ehemaligen Festwiese im Wettinhain, die nicht mehr genutzt wird, soll ein überdachter Grillplatz mit Sitzmöglichkeiten für Jung und Alt entstehen. Die Jugendorganisation Burgstädt (JOB) rechnet mit Kosten von rund 30.000 Euro. Fragen musste die Fraktion zu Unterhaltungskosten, Vandalismusschäden, Einzäunung, Brandschutz und Müllentsorgung beantworten. Mit großer Mehrheit wurde das Projekt abgelehnt. Mögliche Konflikte und Vandalismusschäden werden befürchtet, hieß es. Bürgermeister Naumann ergänzte, dass vor 15 Jahren es schon so einen Grillplatz gegeben habe, der zerstört worden sei.

Kino: Die Fraktion der Halbstarken schlug vor, das leerstehende Don-Bosco-Haus an der Köbkestraße zu einem Kino umzubauen. Kosten: zwei Millionen Euro. Weil es dafür keinen Bedarf gebe, die Kosten zu hoch seien und es Alternativen in Limbach-Oberfrohna und Chemnitz gibt, wurde das Projekt mehrheitlich abgelehnt.

Jugendtreff im Wettinhain: Die Demokratische Fraktion für Burgstädt (DFFB) hat die Idee, einen überdachten Jugendtreff auf dem Gelände des alten Stadtcafés am Teich des Wettinhains aufzubauen. Die Fraktion rechnete vor: 10.000 Euro würden der Bau, 5000 Euro die Überdachung und 2500 Euro die Unterhaltung kosten. Weil die Mehrheit des Jugendstadtrates die Idee gut fand, wurde der Antrag befürwortet. Lange wurde diskutiert, wie Konflikte zwischen Jugendlichen und Trinkern vermieden werden könnten.

Skaterpark: Die Aktive Jugend für Burgstädt (AJFB) schlug vor, einen Skaterpark am Anger zu errichten. Auf einer Freifläche könnten später Dirtbahn mit Attraktionen wie Halfe-Pipe und Pool beispielsweise entstehen. Die Fraktion rechnet mit Kosten in Höhe von 100.000 Euro, die auf 400.000 Euro aufgestockt werden könnten. Weil das Projekt nicht finanzierbar sei, wurde es mit knapper Mehrheit abgelehnt. Allerdings stellte Bürgermeister Naumann in Aussicht, dass es Pläne gibt, die Skateranlage in Mohsdorf zu erweitern. "Da haben wir Nachholebedarf."

Wiederaufforstung: Weil der Mohsdorfer Stadtwald durch Borkenkäfer und Sturm stark geschädigt ist, soll er nach dem Willen der Freien-Platz-Partei (FFP) wiederaufgeforstet werden. Für den Einsatz eines Försters, Aufräumarbeiten, Bodenproben, Anpflanzung und Pflege wird mit Kosten in Höhe von 400.000 Euro gerechnet. Das Konzept überzeugte den gesamten Jugendstadtrat und wurde mit einer Enthaltung beschlossen. Naturschutz sei wichtig, hieß es.


Kommentar: Anerkennung und Respekt

Zum siebenten Mal ist in Burgstädt ein Jugendstadtrat gebildet worden. Dank der Friedrich-Ebert-Stiftung sind die Projekttage an der Diesterwegschule zur Tradition geworden. Wer von Anfang an miterlebt hat, wie die Oberschüler versuchen, wie der richtige Stadtrat Dinge auf den Weg zu bringen, ist begeistert und stellt fest: Muteten anfangs noch Beschlussvorschläge utopisch an, so sind heute die meisten Ideen realistisch. Nur am Geld fehlt es oftmals, sagte auch Bürgermeister Lars Naumann. Wenn ich sehe, wie Neuntklässler mutig und konstruktiv für eine Sache kämpfen, ist mir nicht bang, dass die Stadt junge Leute hat, die künftig mit anpacken wollen, wenn es etwas zu verändern gibt. Naheliegend ist, dass zuerst an Jugendtreffs mit Bolzplatz, Skaterbahn, Grillplatz und Kino gedacht wird. Aber erstaunlich ist, dass bei den Argumenten oft auch an die Anwohner und vor allem ältere Bürger gedacht wird. Mein Respekt!

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