Wie viele Flüchtlinge in Chemnitz einen Job haben

Anzahl der Beschäftigten und Auszubildenden mit Asyl-Hintergrund wächst - Arbeitslosigkeit ist trotzdem hoch

CHEMNITZ DISKUTIERT: Arbeit für Flüchtlinge war ein Schwerpunkt der Bürgerdiskussion, zu der "Freie Presse" nach dem Tötungsverbrechen am Rande des Stadtfestes und den anschließenden, zum Teil asylkritischen Demonstrationen eingeladen hatte. "Ausländer müssen beschäftigt werden", sagte eine Teilnehmerin. Andere äußerten: "Asylbewerber brauchen etwas zu tun, damit sie gar nicht auf die Idee kommen, Blödsinn zu machen" und "Integration durch Arbeit ist der Schlüssel für alles". Doch wie ist überhaupt die aktuelle Situation in der Stadt? "Freie Presse" beantwortet dazu die wichtigsten Fragen.

Dürfen Asylbewerber und Flüchtlinge einem bezahlten Job nachgehen?

Nach Auskunft der Arbeitsagentur muss dabei unterschieden werden zwischen Personen mit und ohne Aufenthaltserlaubnis. Flüchtlinge, die vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) eine Aufenthaltserlaubnis für ein bis drei Jahre erhalten haben, dürfen uneingeschränkt arbeiten. Bei Geflüchteten mit Aufenthaltsgestattung während des noch laufenden Asylverfahrens, mit Abschiebungsverbot oder Duldung entscheidet die Ausländerbehörde der Stadt mit Zustimmung der Arbeitsagentur, ob sie arbeiten dürfen. Dafür besteht eine Wartezeit von drei Monaten. Solange Flüchtlinge verpflichtet sind, in einer Aufnahmeeinrichtung zu wohnen, dürfen sie keiner Beschäftigung nachgehen.

Gilt das Beschäftigungsverbot auch für Berufsausbildung und gemeinnützige Arbeiten?

Über die Aufnahme einer Berufsausbildung, das Absolvieren von Praktika zur Weiterbildung, die Teilnahme an einem Freiwilligendienst oder die Aufnahme einer Tätigkeit für Hochqualifizierte durch Flüchtlinge darf die Ausländerbehörde ohne Zustimmung der Arbeitsagentur entscheiden. Darüber hinaus kann das städtische Sozialamt arbeitsfähige Flüchtlinge zur Teilnahme an Arbeitsgelegenheiten oder sogenannten Flüchtlings-Integrationsmaßnahmen verpflichten.

Welche Tätigkeiten sind das?

Dabei geht es laut Stadtverwaltung beispielsweise um unterstützende Tätigkeiten von Hausmeistern und in Sozialküchen, die Reparatur von Fahrrädern und anderen Sachspenden. Angeboten werden solche Arbeitsgelegenheiten und Integrationsmaßnahmen durch gemeinnützige Vereine und private Bildungsträger.

Wie hoch sind die Teilnehmerzahlen?

Derzeit sind nach Angaben der Stadtverwaltung durch das Sozialamt insgesamt 60 Flüchtlinge in Arbeitsgelegenheiten und 23 in Integrationsmaßnahmen vermittelt.

Wie werden solche Beschäftigungen vergütet?

Die Teilnehmer erhalten eine sogenannte Mehraufwandsentschädigung von 80 Cent je Stunde, die sie vollständig behalten dürfen. Sie wird also nicht mit anderen Leistungen, die sie beziehen, verrechnet.

Wie viele Flüchtlinge sind in Chemnitz erwerbstätig?

Nach Einschätzung der Industrie- und Handelskammer (IHK) wächst die Anzahl sozialversicherungspflichtig beschäftigter Flüchtlinge in Chemnitz kontinuierlich und liegt momentan mit 700 bis 800 etwa doppelt so hoch wie vor einem Jahr. Zudem seien im IHK-Bereich fast 200 Ausbildungsverträge mit Personen aus nichteuropäischen Ländern abgeschlossen worden. In Mitgliedsbetrieben der Handwerkskammer Chemnitz werden derzeit insgesamt mehr als 100 afghanische, syrische und irakische Staatsangehörige ausgebildet. Nach Angaben der Arbeitsagentur haben in Chemnitz von Januar bis November 2018 reichlich 500 Flüchtlinge eine Erwerbstätigkeit und rund 180 eine schulische, betriebliche oder außerbetriebliche Ausbildung oder ein Studium aufgenommen. Dennoch waren Ende November 2182 Flüchtlinge, die meisten aus Syrien, Afghanistan und dem Irak, als arbeitssuchend und 926 als arbeitslos registriert. Das waren 48 arbeitssuchende und 237 arbeitslose Flüchtlinge mehr als vor einem Jahr. Insgesamt lebten laut Statistik der Stadtverwaltung Ende November 5656 Menschen mit sogenanntem asylbezogenen Zuwanderungshintergrund in Chemnitz, darunter 2578 anerkannte Flüchtlinge und 905 Asylbewerber. Etwa 60 Prozent von ihnen sind im Alter von 20 bis 59 Jahren.

Was sind die größten Hürden für die Beschäftigung von Flüchtlingen?

Als größtes Problem nennen IHK, Handwerkskammer und Arbeitsagentur übereinstimmend schlechte Deutschkenntnisse der Bewerber. Hinzu kämen oftmals nicht ausreichendes Schulwissen, fehlende Nachweise der beruflichen Qualifikation, aber auch rechtliche Probleme, wie beispielsweise unsichere Aufenthaltsberechtigungen. Dabei gibt es laut IHK angesichts zunehmender Engpässe Arbeitskräftebedarf in allen Bereichen. mib

Bewertung des Artikels: Ø 3.7 Sterne bei 6 Bewertungen
22Kommentare
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  • 1
    2
    aussaugerges
    31.12.2018

    In Pauen waren es schon 1 von 600.FP
    Mal sehe wie es dieses Jahr war.

  • 2
    5
    Interessierte
    30.12.2018

    Die Flüchtlinge ´müssen` beschäftigt werden …
    Das müssen die Unternehmen schaffen , das ist gesetzlich so vorgeschrieben , denen ( wenn sie keine Analphabeten sind ) die deutsche Sprache beibringen und eine Berufsausbildung und einen Arbeitsplatz schaffen , auch nach jahrelanger Arbeitslosigkeit ...

    Bei den Deutschen ist das anders ...
    Wenn die deutsch sprechenden Menschen nach der Wende keine Arbeit gefunden haben oder nur geringfügige Aushilfsjobs bekommen haben , dann sind die ´raus´ aus dem System , dann sind die nach jahrelanger Arbeitslosigkeit nicht mehr zu gebrauchen ...

    Wie hieß das damals : " Jeder - ist seines eigenen Glückes Schmied" , so ist das ´eben` im demokratischen sozialen Kapitalismus , wir sind sozial aber kein Sozialismus ...

    Jetzt könnte man aber denken , die Flüchtlinge sind im Sozialismus angekommen , wo man sich doch ´mit allen Mitteln` um diese und für diese Menschen bemüht ; interessant wäre nur mal zu wissen , wer das nun so festgelegt hat , dass die alle kommen können und wie im Sozialismus leben können …

  • 4
    3
    Einspruch
    30.12.2018

    @Blackadder: Sie haben meinen letzten Betrag nicht verstanden. Zweiter Satz.

  • 4
    6
    Blackadder
    29.12.2018

    @Einspruch: Wenn die Zahlen Ihnen nicht gefallen, machen Sie sich also neue. Nun gut.
    Ein mir gut bekannter Iraker, der sehr gut Deutsch spricht, fängt jetzt demnächst als Pfleger im Altenheim an. Mich freut das sehr, er ist unheimlich nett und will unbedingt arbeiten. Sie sollten sich auch freuen, schließlich könnten wir alle mal darauf angewiesen sein, dass uns jemand pflegt.

    Wenn Ihnen dann die Herkunft des Pflegepersonals nicht passt, ist das dann eher Ihr Problem.

  • 5
    2
    Einspruch
    29.12.2018

    @Simple... Quote und Eignung sind zwei paar Schuhe. Gleiche Bedingungen für alle Bewerber, alles andere ist Augenwischerei. Und Zahlen der Arbeitsagentur.......

  • 4
    6
    SimpleMan
    29.12.2018

    @Einspruch Es sind nicht meine 30 % sondern die Zahlen der Arbeitsagentur. https://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Statistische-Analysen/Statistische-Sonderberichte/Generische-Publikationen/Fluchtmigration.pdf
    (siehe Seite 12) Die Beschäftigungsquote von Beschäftigten aus den nichteuropäischen Asylherkunftsländern liegt bei 31,6 %. Damit ist Ihre Vermutung, dass davon vielleicht 3-5 % übrig bleiben, einfach falsch. Übrigens der Test der HWK über die Qualifikation der Flüchtlinge fand in 2016 statt. Wie viele Menschen können in 1-2 Jahren eine Sprache so gut lernen, dass sie einen Wissenstest bestehen können? Zur Zeit werden übrigens 100 Flüchtlinge von Handwerksbetrieben der HWK Chemnitz ausgebildet (siehe diesen Artikel). Da scheint sich wohl etwas geändert zu haben. Ganz allgemein möchte ich sagen, man kann gewisse Sachen so oder so sehen und viele haben unterschiedliche Meinungen dazu, aber wenn man aus 30 % dann 3-5 % macht, fehlt irgendwie eine gemeinsame Grundlage zum diskutieren.

  • 4
    4
    Einspruch
    29.12.2018

    @Simple....Ein klein wenig habe ich im Thema Ausbildung auch Staub gewischt. Die Zahlen sind meiner Meinung nach nicht die Realität. Erstens war der Test der HWK auf Niveau 7. Klasse und da mussten noch Augen zu gedrückt werden.
    Zweitens könnte ich Ihnen gerade zu den Anforderungen bei Siemens etwas erzählen. Dort haben Sie noch nichtmal als Realschüler mit lauter Einsen eine Garantie, das es mit einer Ausbildung oder nur mit einem Schülerpraktikum klappt.
    Die Bewertungskriterien dürfte nichtmal eben jemand erfüllen, dessen einziges Verdienst es ist, dass ihn jemand dorthin vermittelt hat. Das ist ungerecht gegenüber den Schülern, die sich abgerackert haben für gute Zensuren für eine ordentliche Ausbildung. Und drittens meine eigenen Erfahrungen mit jemand, der erstmal viel aufzuholen gehabt hätte und unter normalen Bedingungen nie eine Chance gehabt hätte.
    Realistisch bleibt von
    Ihren 30 Prozent nicht viel übrig, vielleicht 3-5.

  • 3
    7
    SimpleMan
    29.12.2018

    @Einspruch 30 % sind keine Ausnahme. In max. 3 Jahren, Sprache lernen, Job finden so schlecht ist das nicht, auch wenn noch Verbesserungen möglich sind. Fragen Sie einfach mal in den Pflegeheimen nach, wie viel Flüchtlinge dort beschäftigt werden oder ein Praktikum dort machen.

  • 6
    5
    Einspruch
    28.12.2018

    @Simple .....Nein, es handelt sich ganz einfach um Ausnahmen, wenn es mal welche schaffen, nichts weiter. Und die sind der Rede nicht Wert.

  • 7
    7
    SimpleMan
    28.12.2018

    Wenn Flüchtlinge trotz angeblich mangelnder Deutschkenntnisse, trotz angeblich mangelndem Integrationswillen, trotz angeblich mangelndem Willen, trotz angeblich mangelnder Qualifikation Jobs, Arbeitsplätze und Praktikas erhalten, dann könnte das vor allen Dingen gegen die hiesigen Arbeitslosen sprechen oder irgend etwas stimmt an den ganzen Vorurteilen nicht.

  • 12
    7
    Einspruch
    28.12.2018

    Da fehlt es nicht nur an der Sprache, nach eigenen Erfahrungen und dem in der FP veröffentlichten Test der HWK fehlt da viel mehr, vor allem Wissen und oft an der persönlichen Einstellung, sich überhaupt integrieren zu wollen.
    Einstellungen und Ausbildung sind oft nur mit Herabsetzung der Ansprüche zu bewerkstelligen, was aber einer Benachteiligung der hier vorhandenen Azubis der Fachkräfte entspricht.

  • 18
    6
    ArndtBremen
    28.12.2018

    Oh Frau Blackadder. Da ist Ihnen wohl nix Besseres eingefallen. Ich bin Deutscher, ich spreche deutsch und arbeite seit 40!!! Jahren in Deutschland. Nebenher beherrsche ich Russisch, Englisch und Französisch in Wort und Schrift perfekt. Ich habe trotzdem nicht die Absicht, Deutschland zu verlassen.

  • 15
    6
    Zeitungss
    28.12.2018

    @Blackadder: Der Deutsche ist in der Regel nicht auf der Flucht (noch nicht), was in Ihrer Betrachtung "vergessen" wurde. Den Beitrag von @Deluxe könnten sie sich auf der Zunge zergehen lassen, würde möglicherweise weiterhelfen.

  • 11
    5
    Hinterfragt
    28.12.2018

    @Deluxe; 10 Daumen hoch.

  • 19
    4
    Pelz
    28.12.2018

    Wenn ich etwas kritisiere, dann schreibe ich: Ich kritisiere...
    Im vorliegenden Fall habe ich nur eine sachliche Frage gestellt. Und wundere mich, dass nach 3 (!) Jahren es immer noch mangelhafte Fremdsprachen bei den 2015 in Deutschland angekommenen Menschen gibt. Die FP könnte ev. die Deutschkursleiter fragen.

  • 8
    8
    martm
    28.12.2018

    @Deluxe

    Ja, es gibt viele Deutsche ohne Job.
    Warum?
    Weil sie nicht in der Lage oder nicht willens sind dort hin zu gehen wo es Jobs gibt.
    Schade, dass das immer noch nicht alle verstanden haben.

  • 6
    14
    Blackadder
    28.12.2018

    Uh Deluxe, da hab ich wohl einen wunden Punkt getroffen.

  • 21
    10
    Deluxe
    28.12.2018

    @Blackadder
    Es ist doch völlig Wurscht, wie groß die Fremdsprachenkenntnisse der Kritiker sind!

    Oder wollen die alle im Ausland arbeiten?
    Wohl eher nicht - sie ackern nämlich zuhause in ihrem Heimatland, also hier.
    Und das hätten die meisten Herkunftsländer unserer Gäste auch bitter nötig. Daß die Leute DORT arbeiten.

    Wir haben hier genügend eigene Leute ohne Job - auch wenn immer vom Fachkräftemangel gelogen wird.

  • 9
    15
    DTRFC2005
    28.12.2018

    @Pelz: Was ist mit den Deutschen, die ihre eigene Muttersprache in Schrift und Wort nicht ausreichend beherrschen? Und das seit Geburt an. Da kann sich oftmals manch Ausländer besser ausdrücken, auch wenn die Grammatik nicht immer stimmt und die passenden Worte nicht sofort parat sind.

  • 8
    22
    Blackadder
    28.12.2018

    Ich frage mich bei solchen Kommentaren immer, wie denn so die Fremdsprachenkenntnisse derjenigen sind, die sich über die mangelnden Deutschkenntnisse der Flüchtlinge aufregen. Na, wie sieht's aus aus?

  • 15
    10
    ArndtBremen
    28.12.2018

    @Pelz: Es wird doch wohl nicht etwa am Integrationswillen liegen?

  • 22
    9
    Pelz
    28.12.2018

    "schlechte Deutschkenntnisse der Bewerber...."
    Und was ist dafür die Ursache? Nach 3 Jahren...?



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