Wo aus Plastikflaschen und Badelatschen Spielzeug wird

Basteleien von Kindern in Afrika sind derzeit in einer Ausstellung im Solaris-Turm zu sehen. Sie zeigt zwei Seiten der Kreativität auf.

Kappel.

Plüschtiere, Puppen, Playstation - so sieht es oft in deutschen Kinderzimmern aus. Doch das ist nicht überall auf der Welt so. Beispiel Afrika: In vielen Ländern des zweitgrößten Kontinents muss der Müll anderer für Spielzeug herhalten, das sich Mädchen und Jungen selbst basteln. Sie zeigen dabei mitunter bemerkenswerte Kreativität.

Wie derlei Spielsachen aussehen können, ist derzeit in der zweiten Etage des Solaris-Turms an der Neefestraße zu sehen. In Schaukästen finden sich dort Exponate; Fotos und Texttafeln erzählen die Geschichten der Bastler. Zum Beispiel die der fünf- und siebenjährigen Brüder Surprise und Gabriel aus Monrovia, der Hauptstadt Liberias. Sie haben aus einer alten Plastikflasche einen Wasserwagen gebastelt. Zu lesen ist, dass die beiden nahe eines zerfallenen Wasserwerks leben. Dort hätten sie täglich das Treiben erwachsener Männer mit ihren Wasserkarren beobachtet.

Mehrere Exponate stellen Luftfahrzeuge dar. Manche sind aus Pappkartons und alten Verpackungen konstruiert, wie das Fluggerät des 14-jährigen Evaniste, ein Vollwaise aus Ruanda. Für andere sind Badelatschen verwendet worden. Renaldo, Joao und Pedro aus Moçambique haben ihre Flugzeuge und Hubschrauber indes kunstvoll aus Draht gebastelt. Mit dem Verkauf halte sich das Trio auf den Straßen der Hauptstadt Maputo finanziell über Wasser. Außerdem zu sehen sind Musikinstrumente, ein Fußball aus Stoffresten und Tiere wie ein Kamel, das ein Achtjähriger aus Kenia auch aus Stofffetzen und Ästen gefertigt hat.

Bei dem Spielzeug handelt es sich um eine Sammlung, die die Journalistin Birgit Virnich zusammengetragen hat. Während ihrer Tätigkeit als Auslandskorrespondentin der ARD sammelte die 60-Jährige die Exponate, die sie den Kindern jeweils abgekauft hat, wie es heißt. In Kooperation mit der Initiative "Gemeinsam für Afrika" entstand schließlich die Wanderausstellung, die im Oktober 2009 vom damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler eröffnet wurde und seitdem durch deutsche Städte tourt. Dokumentiert werden einerseits die schwierigen Lebensumstände der Kinder in Afrika: Armut, Hunger, Perspektivlosigkeit sind Inhalt fast aller Begleittexte.

Andererseits lassen viele Fotos auch erahnen, dass die abgebildeten Kinder mit ihren selbst gebauten Spielsachen durchaus glücklich sind. Dass das Solaris-Förderzentrum die Schau erstmals nach Chemnitz geholt hat, habe auch mit der eigenen Ausrichtung der Bildungseinrichtung zu tun, betont Sprecherin Božena Schiemann. "In unseren Jugendwerkstätten können Schüler selbst Dinge aus einfachen Materialien herstellen." So entstünden beispielsweise Portemonnaies aus Tetrapacks oder Schmuck aus Zeitungspapier.

Geöffnet ist die Ausstellung in der zweiten Etage des Solaris-Turms an der Neefestraße noch bis zum 30. Juni montags bis freitags von 7 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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