Wo lebt es sich in Chemnitz am sichersten?

Kriminalität ist vor allem ein Problem des Zentrums und der Stadtteile rund um die Innenstadt. Aber nicht nur, wie Zahlen der Polizei zeigen. Und auch im überregionalen Vergleich trübt mancher Schatten das Bild.

Immer wieder Polizeieinsätze im Stadtzentrum, immer wieder Berichte über schwerere Vorfälle auch in den Stadtteilen: Das Sicherheitsempfinden der Chemnitzer hat in den zurückliegenden Jahren arg gelitten. Daran vermögen auch die Statistiken der Polizei wenig zu ändern. Sie weisen Chemnitz noch immer als die sicherste der drei Großstädte in Sachsen aus - und als eine der sichersten in ganz Deutschland.

Doch auch in diesen Erhebungen kann die Stadt nicht mehr überall glänzen. Zahlen des Landeskriminalamtes zeigen: Bei einer Reihe von Straftatenarten ist die Kriminalitätsbelastung hierzulande mittlerweile höher als in Dresden. Pro 1000 Einwohner gab es in Chemnitz im vergangenen Jahr deutlich mehr Sachbeschädigungen, Baustellendiebstähle, Sexualstraftaten und Wohnungseinbrühe als in der Landeshauptstadt. Auch bei Rauschgiftdelikten, Körperverletzungen, Raubstraftaten und Ladendiebstählen lagen die Werte über denen der Landeshauptstadt.

In ganz Chemnitz verzeichnete die Polizei 2016 gut 23.200 Straftaten (ohne Verstöße gegen Ausländer- und Asylrecht), ein Prozent mehr als im Jahr davor. Deutliche Zuwächse gab es vor allem bei Kellereinbrüchen und bei der Straßenkriminalität. Vermögens- und Fälschungsdelikte sowie Einbrüche in Büros und Gewerbeobjekte gingen hingegen spürbar zurück.

Ein Blick auf die Verteilung der Straftaten im Stadtgebiet zeigt gleich mehrere Brennpunkte. Am meisten ins Gewicht fällt das Stadtzentrum. Den Statistiken zufolge ereignet sich dort gut jedes vierte Delikt. Mit 6500 Fällen (460 bzw. 8Prozent mehr als im Vorjahr) wurden dort 2016 so viele gezählt wie nie in den vorangegangenen acht Jahren. Zwischen Schloßteich und Hauptbahnhof, Zöllnerplatz und Reitbahnviertel ereigneten sich demnach beispielsweise jeder dritte Diebstahl im Stadtgebiet, gut ein Viertel aller sogenannten Rohheitsdelikte (Körperverletzung, Raub, Bedrohung usw.) sowie gut ein Fünftel aller bekannt gewordenen Sexualstraftaten.

Zählt man die unmittelbar angrenzenden Stadtteile hinzu, entfallen auf diesen Bereich mittlerweile mehr als 60 Prozent aller Delikte. Eine besondere Rolle spielt dabei der Sonnenberg, der auch in diesem Sommer wegen gewalttätiger Auseinandersetzungen wiederholt in die Schlagzeilen geriet. Mit 2155 Fällen wurde dort im vergangenen Jahr der dritthöchste Wert seit 2008 verzeichnet. Innerhalb von fünf Jahren nahm die Kriminalität im Stadtteil um 30 Prozent zu. Ähnliche, zum Teil sogar noch höhere Wachstumsraten verzeichnen Bernsdorf, Altchemnitz und Kapellenberg - auf allerdings deutlich niedrigerem Niveau.

Im Jahresvergleich fallen vor allem das Yorckgebiet (36 Prozent mehr Straftaten) und Harthau (32Prozent) negativ auf. Zu den Gewinnern zählt Ebersdorf, wo sich die Anzahl der Straftaten allgemeiner Kriminalität im Vergleich zum Vorjahr halbiert hat, zudem Reichenhain, Siegmar und Wittgensdorf mit den wenigsten Fällen seit 2008.

Sicherster städtisch geprägter Stadtteil ist Markersdorf - gemessen an der Einwohnerzahl lebte es sich dort zuletzt ebenso sicher wie in manchem ländlichen Stadtteil am Rande der Stadt. Auch Gablenz, das CDU-Stadtrat Alexander Dierks nach wiederholten Brandanschlägen auf Autos kürzlich als Einsatzort für zusätzliche Kräfte des Stadtordnungsdienstes ins Gespräch brachte, zeigt sich in der Kriminalitätsstatistik der Polizei eher unauffällig - in etwa auf ähnlichem Niveau wie Siegmar und Borna-Heinersdorf.

Trotz hoher Kriminalitätsbelastung eine positive Entwicklung verzeichnet das vergleichsweise dünn besiedelte Hilbersdorf. Um mehr als 30Prozent ging die Anzahl der Straftaten in dem Stadtteil seit 2014 zurück. Von den verbleibenden knapp 1100 wiederum entfallen mehr als 40 Prozent auf einfache Diebstähle - ein Effekt, der sich auch bei anderen Standorten großer Einkaufszentren beobachten lässt. Je mehr Ladendetektive dort jeweils eingesetzt werden, desto höher die Zahl ertappter Ladendiebe.


Ausländerkriminalität vergleichsweise hoch

Auf Ausländer entfielen in Chemnitz zuletzt gut 27 Prozent aller Straftaten (ohne ausländerrechtliche Verstöße). Das sind anteilig mehr als irgendwo sonst in Sachsen. Laut Polizei dominieren Tatverdächtige aus Syrien, Afghanistan und Indien.

Überproportional hoch ist der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger mit etwa 40 Prozent bei Diebstählen. Bei Sexualstraftaten war 2016 in Chemnitz etwa jeder fünfte Tatverdächtige Ausländer, bei sogenannten Rohheitsdelikten (u. a. Körperverletzung, Raub, Bedrohung) jeder vierte.

Im Stadtteil Ebersdorf - Standort einer der größten Erstaufnahmeeinrichtungen in Sachsen - entfiel 2016 gut jede zweite der insgesamt 369 Straftaten allgemeiner Kriminalität auf nichtdeutsche Tatverdächtige, darunter zahlreiche Vorfälle in der Einrichtung selbst. 2015 waren es sogar 75 Prozent. (micm)


So kommen die Zahlen zustande

Die polizeiliche Kriminalstatistik gibt jährlich einen Überblick über die Entwicklung der registrierten Kriminalität im Vorjahr. Berücksichtigt werden dabei alle Fälle (ohne Ordnungswidrigkeiten, Staatsschutz- und Verkehrsdelikte), die die Polizei nach Abschluss der Ermittlungen zur Entscheidung an die Staatsanwaltschaft abgegeben hat. Verfahren, die nicht abgeschlossen werden konnten, tauchen erst ein oder mehrere Jahre später in der Statistik auf.

Straftaten, die nicht angezeigt oder der Polizei anderweitig bekannt werden, finden keinen Niederschlag in der Statistik. Dieses sogenannte Dunkelfeld macht insbesondere bei Kontrolldelikten einen Großteil des tatsächlichen Aufkommens aus. Das sind Straftaten, die zumeist nur entdeckt werden, wenn gezielt kontrolliert wird (beispielsweise Drogendelikte). Die Häufigkeit und Intensität solcher Kontrollen wirkt sich mithin erheblich auf die jeweiligen Fallzahlen aus.

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7Kommentare
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  • 4
    0
    Noergelchen
    27.08.2017

    Als ich noch in Chemnitz gewohnt habe bin ich ohne Angst zu nächtlicher Stunde nicht nur durch die Innenstadt, sondern auch um den Schlossteich herum gegangen, ohne jemals beschimpft, belästigt, beraubt oder geschlagen zu werden. Jetzt hatte ich sogar mal mitten am Tag ein mulmiges Gefühl, als ich auf eine sonst menschenleeren Straße an einer Gruppe von herumlungernden Jugendlichen vorbeigegangen. Schade um die schöne Stadt.

  • 5
    1
    Pelz
    10.08.2017

    Denk ich an Chemnitz in der Nacht...

  • 5
    2
    1953866
    05.08.2017

    @karstenp, ich schrieb nicht, das diese Zahlen realistisch sind, sondern "...selbst diese Zahlen sind [erschreckend] aussagekräftig. Den Rest mit 7 % Ausländeranteil in Chemnitz aber 27 % Anteil an Straftaten haben Sie sicher auch gelesen. Meine Träume sind übrigens alles andere als rosarot. :-)

  • 0
    7
    karstenp
    04.08.2017

    @1953866,
    Auch diese Zahlen sind leider nicht realistisch, träumen Sie ruhig weiter ihren rosaroten Einhorntraum......

  • 8
    3
    1953866
    04.08.2017

    @karstenp, nun, selbst diese Zahlen sind aussagekräftig. Was man, absichtlich, oder auch nicht "vergessen" hat ist den Ausländeranteil von Chemnitz zu nennen. Etwas über 7 %:
    http://www.chemnitz.de/chemnitz/de/die-stadt-chemnitz/stadtportrait/zahlen-fakten/zahlenfakten_bevoelkerungsstand.html

    sind verantwortlich für 27 % der Straftaten insgesamt (ohne ausländerrechtliche Verstöße!) und 40 % der Diebstähle.

  • 4
    2
    karstenp
    04.08.2017

    Jede Statistik ist nur so gut wie der, der sie anpasst (fälscht)

  • 8
    1
    BlackSheep
    04.08.2017

    Soll man sich daran jetzt freuen?



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