Züchter alarmiert: Chinaseuche rafft viele Kaninchen dahin

Eine Viruserkrankung breitet sich in der Region schnell aus. Einige Tierfreunde sparen keine Mühen, um ihre Lieblinge zu schützen.

Wolkenburg/Köthensdorf.

Noch am Abend scheinen die Kaninchen putzmunter zu sein - und am nächsten Morgen liegen sie tot im Käfig. So oder ähnlich tragen sich derzeit viele Fälle in Westsachsen, Mittelsachsen und im Erzgebirge zu. Die sogenannte Chinaseuche, die offiziell RHD (Rabbit Haemorrhagic Disease) heißt, rafft zahlreiche Tiere dahin. Züchter sind alarmiert.

Der Virus ist in Europa zwar schon seit 30 Jahren bekannt, aber nun hat sich ein neuer, aggressiver Typ gebildet, der über Frankreich auch nach Deutschland gelangt ist. Wie viele Kaninchen in der Region an diesem Virus bereits gestorben sind, ist nicht erfasst. "Die Erkrankung ist nicht anzeige- oder meldepflichtig. Daher liegen dem Veterinäramt keine Angaben vor", sagt eine Sprecherin des Landratsamtes Zwickau. Aus Berichten von Tierärzten gehe aber hervor, "dass die neue Virusvariante seit diesem Jahr im Kreis vermehrt nachgewiesen wurde." Betroffen ist unter anderem Züchter Helmut Wolf aus Hartmannsdorf bei Zwickau. "Ich habe 14 Tiere und damit die Hälfte meines Bestandes an Rassekaninchen verloren", sagt er. Hohe Sterberaten werden auch aus dem Erzgebirge gemeldet. Ein Züchter aus Niederdorf bei Stollberg soll etwa 40 Tiere eingebüßt haben.

Enrico Fitzner und seine Mitstreiter des Kleintierzüchtervereins Wolkenburg und Umgebung sind bisher verschont geblieben. Für den Vorsitzenden käme eine Infektion auch zur Unzeit: Der Verein bereitet derzeit die Kreisschau am nächsten Wochenende in Kaufungen vor, zu der sich 65Aussteller mit 340 Kaninchen angekündigt haben. "Es kann sein, dass wegen der Seuche weniger kommen", sagt Fitzner. Das stehe aber noch fest. Die Vereinsmitglieder werden die Impfausweise der Kaninchen kontrollieren. "Tiere, die nicht gegen RHD geimpft sind, dürfen nicht teilnehmen", betont Fitzner. Das werde schon seit Jahren so gehandhabt.

Die Crux dabei: Ein Impfstoff gegen den neuen Typ des Erregers ist in Deutschland noch nicht zugelassen. Stattdessen empfehlen Tierärzte, dass der alte Impfstoff im Abstand von drei Wochen zweimal verabreicht werden soll. Fitzner ist diesem Rat gefolgt - bislang mit Erfolg.

Um ganz sicher zu gehen, nehmen Kaninchenzüchter mitunter einen erheblichen Aufwand in Kauf. "Einige Züchter beziehen den Impfstoff aus dem Ausland", weiß Züchter Gerd Müller aus Köthensdorf bei Taura. Denn in den Niederlanden etwa sei ein Impfstoff gegen den neuen RHD-Virus bereits erhältlich. Müller kann nicht nachvollziehen, dass in Europa unterschiedliche Standards gelten, und wirft den Behörden Versäumnisse vor. "Bis ein Impfstoff in Deutschland zugelassen wird, kann das sieben oder acht Jahre dauern." Nach Müllers Erfahrung führt aber auch der alte Impfstoff zu einem hohen Immunisierungsgrad. "Züchter, die ihre Tiere impfen lassen, haben höchstens einige davon verloren", berichtet er. Viele Privatleuten, die Kaninchen halten, um sie irgendwann zu schlachten, verzichteten hingegen auf eine Impfung. "Dort kommt es vor, dass alle Tiere auf einmal sterben", sagt der Züchter.

Das Veterinäramt des Landkreises Zwickau macht darauf aufmerksam, dass verendete Kaninchen grundsätzlich über die Tierkörperbeseitigung zu entsorgen sind. Vereinzelt könnten Tiere aber auch auf dem eigenen Grundstück begraben werden, sofern sie unter einer 50Zentimeter dicken Erdschicht liegen. Allerdings ist im Amt auch schon ein Fall bekannt geworden, bei dem Kadaver illegal in der Landschaft entsorgt wurden. Bis zu 50.000 Euro Bußgeld können dafür fällig werden, warnt die Behörde.

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