Ausländische Akademiker auf Jobsuche

Eine Gruppe Migranten mit Uni-Abschluss hat das Rathaus besucht. Ein Kurs soll ihnen den Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtern. Da gibt es gleich mehrere Hürden.

Oft wird in der Region vom Fachkräftemangel gesprochen. Gleichzeitig kommen Migranten nach Deutschland, die einen Universitätsabschluss besitzen, aber keinen Job bekommen. In Chemnitz wird ein Kurs angeboten, den die Europäische Union finanziert und der sich genau an jene Akademiker richtet. Ihnen soll der Wiedereinstieg ins Berufsleben erleichtert werden. Wichtigste Aspekte seien die Verbesserung der Sprachkenntnisse sowie eine Weiterbildung in ihrem Fachgebiet, sagt Anja Herrmann, die das Projekt betreut. Gestern legten die Kursteilnehmer eine Lernpause ein: Sie besuchten das Rathaus, um mehr über Chemnitz zu lernen.

Nach Herrmanns Erfahrung bekomme annähernd jeder zweite Kursteilnehmer nach dem Abschluss eine Arbeitsstelle. Allerdings dauere die Vermittlung dann noch einmal etwa sechs Monate. "Wir sind bestrebt, die gut ausgebildeten Menschen nicht als Quereinsteiger in die Bäckerei zu vermitteln", erklärt Herrmann. Sie sollen vielmehr in dem Job arbeiten können, den sie gelernt haben.

Im Dezember 2017 waren bei der Arbeitsagentur Chemnitz 2133Geflüchtete als arbeitssuchend gemeldet, sagt Pressesprecher Heiko Wendrock. Knapp zehn Prozent besitzen einen akademischen Abschluss. 232Flüchtlingen wurde 2017 ein Job vermittelt, so Wendrock. Unter den 3650 arbeitssuchend gemeldeten Ausländern liege die Quote der Akademiker bei fast 13Prozent, 764 fanden 2017 eine Arbeit. "Für unseren Fachkräftebedarf ist das ein Potenzial", sagt Angelika Hugel, Chefin der Arbeitsagentur. Allerdings seien ein gutes Sprachniveau und die Anerkennung ihrer Abschlüsse die Voraussetzung.


Die Bau-Ingenieurin

Elena Kupchenko ist 28 Jahre alt und kommt aus der ukrainischen Stadt Dnipro, die bis 2016 noch Dnipropetrowsk hieß. Dort habe sie fünf Jahre Bauingenieurwesen studiert und ein Jahr in einem Bergbauunternehmen gearbeitet, sagt sie. Vor einem Jahr ist sie nach Deutschland gekommen, wo bereits ihre Tante, Großmutter und mehrere Verwandte wohnen. "Am liebsten würde ich wieder für ein Bergbauunternehmen arbeiten, aber auch Metall- oder Baukonstruktionswesen könnte ich mir vorstellen", sagt Kupchenko. Um sich für einen Job bewerben zu können, müsse sie sich noch gedulden. Im Dezember habe sie ihre Zeugnisse bei der sächsischen Ingenieurkammer eingereicht, um diese anerkennen zu lassen. Wenn es hier mit einem Job klappt, würde sie gern in der Region bleiben.


Der Strategie-Manager

Ahmad Al Hussaini ist 32 Jahre alt und kommt aus der syrischen Stadt Homs. In den Vereinigten Arabischen Emiraten schloss er eine akademische Ausbildung zum Statistiker und Buchhalter ab, wie er sagt. Danach habe er sechs Jahre im syrischen Wirtschaftsministerium und der nationalen Statistikbehörde als Strategiemanager gearbeitet. Vor anderthalb Jahren kam er nach Deutschland. "Meine Verlobte studiert gerade Architektur in England. Wir hoffen, nach ihrem Abschluss schnell eine Arbeit in Deutschland zu finden", sagt Hussaini. Er habe bereits mehrere Bewerbungen geschrieben und auch eine positive Rückmeldung von einem Unternehmen aus Dresden bekommen. Momentan lässt er die für den Job notwendigen Dokumente übersetzen und absolviert gleichzeitig eine Weiterbildung.


Die Chemie-Ingenieurin

Alena Rohava ist 32 Jahre alt und kommt aus Minsk in Weißrussland. Seit anderthalb Jahren lebt sie mit ihrem Mann und der gemeinsamen zweijährigen Tochter in Döbeln. Als Chemieingenieurin entwickelte sie für ein weißrussisches Unternehmen Verpackungen für Lebensmittel. "Mein Mann ist Mechatroniker. Weil er kein russisch spricht, fand er in Minsk keine Arbeit, deshalb sind wir nach Deutschland gekommen", sagt Rohava. Nach sechs Monaten Wartezeit habe sie nun ihren Abschluss anerkannt bekommen und auch schon die erste Bewerbung geschrieben. Gern würde sie wieder als Verpackungsentwicklerin arbeiten, wie sie sagt. Chemnitz gefällt der 32-Jährigen sehr, aber auch Leipzig und Dresden. Deshalb würde sie sich freuen, wenn sie einen Job in der Region findet.


Der Vermessungs-Ingenieur

Hamzeh Abu Ajaj ist 25 Jahre alt und kommt aus Damaskus in Syrien. Jedoch sei Palästina sein Heimatland, wie er sagt, denn von dort stammen seine Großeltern. Sein fünfjähriges Bauingenieurstudium mit dem Schwerpunkt Vermessungswesen habe er abschließen können, bevor er im Winter 2015 nach Deutschland kam. "Freunde haben mir geraten, nach Chemnitz zu gehen, da hier die Chancen gut sind, schnell eine Arbeit zu finden", sagt Ajaj. Sein Abschluss sei nach sechsmonatiger Wartezeit anerkannt worden. Jedoch habe er noch keine Antworten auf seine Bewerbungen erhalten, so der 25-Jährige. Gern würde er als Vermessungsingenieur arbeiten, er könne sich aber auch einen Job als technischer Zeichner vorstellen. Seit zwei Wochen lässt er sich in diesem Bereich weiterbilden.

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