Bald Licht am Ende des Tunnels

Bis zum Jahresende soll eine Unterführung vom Bahnhof zum Sonnenberg fertiggestellt werden. Bei Anwohnern sorgt das für Zustimmung und Kritik.

Fast alle Stühle im Gemeindesaal der St.-Joseph-Kirche sind am Dienstagabend besetzt, als Stadtteilmanagerin Elke Koch die Informationsveranstaltung zum geplanten Bau des Sonnenbergtunnels eröffnet. Rund 50 Menschen nutzten die Gelegenheit zum Bürgergespräch mit dem Leiter des Tiefbauamtes Bernd Gregorzyk und dem Grünen-Stadtrat Bernhard Herrmann.

Der von der Bahn vor mehreren Jahren gebaute Tunnel zwischen Bahnhof und Dresdener Straße endet momentan noch auf dem eigenen Gelände. Bisher diente er lediglich dem Brandschutz und ermöglichte somit keinen Zugang zum Sonnenberg. Nun hat die Stadt einen Teil des Bahngeländes gekauft und mehrere Bauvorhaben angekündigt. Laut Gregorzyk wird der Tunnel bis an die Dresdner Straße verlängert, wo ein überdachter und barrierefreier Ausgang entstehen soll. Als weitergehende Maßnahmen sei 2019 der Bau eines Fernbusterminals an der Dresdner Straße geplant. Auch Veränderungen in der Streckenführung der Buslinien 21 und 31 seien vorgesehen, so Gregorzyk. Zur besseren Anbindung soll die Gießerstraße für den Busverkehr geöffnet werden. Außerdem entstehen an der Kreuzung mit der Dresdner Straße zwei Haltestellen.

Im kommenden Monat sollen die Arbeiten ausgeschrieben werden. "Allerdings bereitet uns das einige Sorgen", sagte Gregorzyk. Die Baubetriebe können sich wegen der guten Marktsituation ihre Aufträge mittlerweile aussuchen. Deshalb rechne er mit Angeboten, die über den geplanten Kosten von rund 3,5 Millionen Euro liegen. Trotzdem gehe man davon aus, im Juni mit den Arbeiten beginnen zu können und diese bis Jahresende abzuschließen.

Neben Zustimmung für das Projekt wurde im Publikum auch Kritik laut. Vor allem die geplante Neuregelung der Buslinien 21 und 31 wurde bemängelt. Bei einer Taktung von 24 Bussen pro Stunde sei mit einer erheblichen Lärmbelästigung zu rechnen, kritisierte eine Teilnehmerin. "Hier muss man die Anwohner mit einbeziehen", fordert auch Stadtrat Herrmann. Als Alternative schlägt er eine Verlegung der Route auf die weniger bebaute Peterstraße vor. Ein Teilnehmer wies auf die hohe Auslastung der Dresdner Straße hin und befürchte ein Verkehrschaos. Am Ende des Podiums kündigte Gregorzyk an, die Kritik an der geplanten Neureglung des Verkehrs in der Planung zu berücksichtigen und das Konzept zu überarbeiten.

Sonnenberger Anwohner sehen Bau der Unterführung positiv

Jürgen Keppler, 55 Jahre, Kreisvorsitzender des Blinden- und Sehbehindertenverbandes: "Es muss darauf geachtet werden, dass es im gesamten Tunnelbereich ein Blindenleitsystem gibt. Die Ampel an der Dresdner Straße sollte ebenfalls mit einem Ton- und Tastsignal ausgestattet werden, damit die Straßenregelung für sehbehinderte Menschen nicht zur Gefahrenstelle wird."

Katharina Weyandt, 57 Jahre, Journalistin: "Für mich war die Bahnhofsnähe ein Grund, auf den Sonnenberg zu ziehen. Die Gespräche zur Öffnung des Tunnels habe ich seitdem verfolgt. Es geht also für mich ein Traum in Erfüllung, dass das Viertel nun besser erreichbar wird. Allerdings stört es mich, dass dafür Bäume gefällt werden sollen. Ich hoffe, die Sanierung der Bazillenröhre wird bald folgen."

Robert Verch, 33 Jahre, Stadtteilmanager: "Grundsätzlich finde ich die Öffnung des Tunnels positiv. So entsteht vom Bahnhof über die Gießerstraße eine Achse quer durch das Viertel. Für Anwohner verbessert sich die Erreichbarkeit und für Touristen bietet sich die Möglichkeit, durch das Viertel mit seinen schönen Altbauten zu spazieren. Das wertet den Sonnenberg auf." (jwen)

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