Diskussion um alternative Strecke für Linie 53 im Heckertgebiet

Anwohner klagen über zu lange Wege zu den Haltestellen und fordern Änderungen. Was diese an zusätzlichen Ausgaben kosten würden, hat der Verkehrsbetrieb CVAG schon mal ausgerechnet.

Markersdorf.

Es hatte nur ein paar Wochen gedauert, bis es die ersten Korrekturen gab am neuen Liniennetz des Chemnitzer Nahverkehrs. Nach dessen Einführung Ende vergangenen Jahres hagelte es allerlei Beschwerden, weil Busse seltener fuhren und öffentliche Einrichtungen plötzlich nicht mehr direkt, sondern nur noch mit Umsteigen zu erreichen waren. Stadt und Verkehrsbetrieb CVAG besserten nach und reagierten auf einige der am häufigsten genannten Kritikpunkte.

Eine Problemstrecke blieb dabei allerdings außen vor: die Linie 53 im Heckertgebiet. Vor allem Anwohner im oberen Teil der Markersdorfer Straße sowie im Bereich Wilhelm-Firl-Straße hatten sich wenig begeistert gezeigt, dass nach Einführung des neuen Netzes in ihrer unmittelbaren Nähe neuerdings keine Busse mehr verkehren. Insbesondere für ältere Menschen seien die Wege zu den nächsten Bushaltestellen nunmehr zu lang und zu beschwerlich, heißt es.

Gemeinsam mit dem Bürgernetzwerk Chemnitz-Süd haben Betroffene nun eine alternative Route vorgeschlagen, wie die Busse der Linie 53 ihrer Meinung nach fahren sollten, damit das Problem behoben wird. Statt der kurzen Verbindung über die Arno-Schreiter-Straße zwischen Markersdorf-Süd und Markersdorf-Nord sieht der Vorschlag einen großen Bogen über Wolgograder Allee, Südring, Wladimir-Sagorski-Straße und Dittersdorfer Straße vor. Zwischen Morgenleite und Helbersdorf sollen die Busse nicht mehr geradewegs über die Stollberger Straße fahren, sondern über Wladimir-Sagorski-, Helbersdorfer, Scheffel- und Friedrich-Hähnel-Straße.

Die CVAG hat nun durchgerechnet, was die Umsetzung des Vorschlags neben längeren Fahrzeiten zur Folge hätte. Das Ergebnis: Die jährliche Fahrleistung auf der Linie53 würde sich um etwa ein Fünftel erhöhen - von derzeit 440.000 auf dann 531.000 Kilometer. Dafür wiederum wären zwei neue Busse und fünf zusätzliche Fahrer nötig. Mehrkosten unterm Strich: rund 316.000 Euro pro Jahr. Selbst wenn die CVAG den Betrieb der Linie an ein Fremdunternehmen vergeben und damit Kosten sparen würde, wären immer noch knapp 250.000 Euro fällig.

Stadträtin Sabine Pester (Die Linke), die die Berechnungen ebenso in Auftrag gegeben hatte wie ihr Ratskollege Jörg Vieweg (SPD), will dennoch nicht locker lassen. Sie spricht von einem "Vorschlag, der auf alle Fälle weiter zu diskutieren ist". Ähnlich sieht es Vieweg. "Die Summe ist erheblich, aber davon werde ich mich nicht entmutigen lassen", sagte er. Die CVAG habe erst kürzlich Fördermittel für die Anschaffung von 15 neuen Bussen erhalten, gibt er zu bedenken. "Möglicherweise hilft uns das ja", so Vieweg. So oder so werde er das Thema mitnehmen in die anstehenden Verhandlungen zum städtischen Doppelhaushalt für 2019 und 2020.

Roswitha Gerischer, eine der Chemnitzerinnen hinter der Initiative für eine veränderte Linienführung, hofft weiter auf ein Gelingen. "Wir haben viele ältere Leute in der Nachbarschaft, die haben jetzt wirklich ein Problem", schildert die 75-Jährige. Waren es früher nur ein paar Schritte bis zur Bushaltestelle, so machten sich viele Anwohner nun auf den Weg zur deutlich weiter entfernten Straßenbahnhaltestelle an der Wladimir-Sagorski-Straße. "Wer mit dem Rollator unterwegs ist, wartet dort dann unter Umständen erst einmal, bis eine Bahn kommt, in die man hineinkommt, ohne Stufen steigen zu müssen", verdeutlicht Gerischer. Sie selbst sei kürzlich auf dem Weg von der Haltestelle nach Hause gestürzt. "Seither weiß ich, wie es ist, wenn sich die älteren Leute nicht mehr aus dem Haus trauen."

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