Nach Großbrand wird Ruine abgerissen

Der Löscheinsatz an der ehemaligen Spielwarenfabrik hat mindestens eine Nacht und einen Tag gedauert. Die Polizei sucht jetzt drei Kinder.

Brandgeruch liegt im ganzen Viertel in der Luft. Aus der Ruine an der Turnstraße, die in der Nacht zu Mittwoch voll in Flammen stand, dringt noch gestern Nachmittag Rauch. "Es geht einfach nicht aus", sagt ein Feuerwehrmann zum anderen, während seine Kollegen auf der Drehleiter stehen und Wasser auf die Ruine spritzen. Das Problem: Die Glutnester sitzen in den Holzbalken und unter dem Brandschutt. Doch die leer stehende Fabrik, in der bis Anfang der 1990er-Jahre Spielwaren hergestellt wurden, steht inmitten eines Wohnkarrees. Die Feuerwehr kann ihre Fahrzeuge nicht dicht genug an das Gebäude heranfahren. Betreten kann sie es auch nicht, weil es einzustürzen droht.

In der Nacht zu Mittwoch war die Feuerwehr um 23.05 Uhr verständigt worden, drei Wachen der Berufsfeuerwehr und sieben freiwillige Wehren rückten an. Insgesamt waren 70 Feuerwehrleute vor Ort. Sie fanden ein Gebäude vor, das bereits im Vollbrand stand. Sie entschieden, es abbrennen zu lassen.

Besonderes Augenmerk legten sie auf die Gebäude neben der Ruine. Ein Haus, vielleicht fünf Meter entfernt, wäre bei einem Einsturz des Giebels der ehemaligen Fabrik auch betroffen gewesen. Neun Personen wurden in Sicherheit gebracht. Zu ihnen gehört Robyn Leihbecher, der erst seit einer Woche in der Turnstraße wohnt. Kurz nach 23 Uhr habe es an seiner Tür geklopft. Dann erst habe er mit einem Blick aus dem Fenster realisiert, dass es direkt nebenan lichterloh brannte. "Ich habe mir was Warmes angezogen, meine Jacke gegriffen und bin raus", schildert er. Alle Hausbewohner hätten sich im Hof getroffen. "Die Feuerwehr kontrollierte aber noch mal ganz genau, dass das Haus leer ist", sagt er. Es sei dann ein Bus der CVAG bereitgestellt worden, in dem sie sich aufhalten konnten. "Wir durften nicht zurück ins Haus", sagt er. Zwar habe man ihnen ein Hotel angeboten, "ich habe aber lieber bei einem Kumpel übernachtet". Sorgen habe er sich nicht gemacht. "Der Wind ging in die andere Richtung".

Dramatischer erlebte dagegen Marco Siegert die Nacht. Der 46-Jährige wohnt gegenüber der Ruine. Doch Siegerts Fenster liegen zur Straßenseite. "Ich dachte, es brennt in unserem Haus", sagt er. Erst draußen sah er, woher der Rauch kam. "Die Wärme hat man bis zur Haustür gespürt." Es sei beängstigend gewesen. Zwar durften er und seine Nachbarn im Haus bleiben. "Aber an Schlaf war die ganze Nacht nicht zu denken."

Vorübergehend mussten die Anwohner des Viertels am Mittwochnachmittag auch noch ohne Trinkwasser auskommen. An der Lutherstraße 67 war es zu einem Rohrschaden gekommen, der 15.30 Uhr wieder behoben war, sagte eine Sprecherin des Versorgers Eins. "Wir können nicht sagen, ob die Havarie in Zusammenhang mit dem Brand steht", sagte sie.

Die Kriminalpolizei geht von Brandstiftung aus. Anwohner berichteten, dass sich am Dienstag Kinder in der Ruine aufgehalten hatten. Gegen 17.30 Uhr sollen zwei Jungen zwischen 10 und 14 Jahren und ein nicht näher beschriebenes Mädchen beim Verlassen des Gebäudes beobachtet worden sein. Sie könnten wichtige Zeugen sein. Die Polizei sucht sie.

Noch gestern Abend sollte begonnen werden, die Ruine mit Hilfe eines Abrissbaggers abzutragen. Die Arbeiten waren bei Redaktionsschluss noch im Gange.

"Wir haben keinerlei Zugang zu dem Gebäude"

Brandoberinspektor Tonik Güttler ist gestern der Einsatzleiter gewesen. Mit ihm sprach Jana Peters über Schwierigkeiten für die Feuerwehr am Einsatzort.

"Freie Presse": Seit wann sind Sie vor Ort?

Tonik Güttler: Ich habe den Dienst als Einsatzleiter kurz nach 7 Uhr angetreten. Wir werden noch eine ganze Weile hier zu tun haben.

Was ist das Schwierigste für Sie bei diesem Einsatz?

Dass wir keinerlei Zugang zu dem Gebäude haben. Wir können uns nur von zwei Seiten mit den Drehleiter-Fahrzeugen nähern, aber auch nicht bis ganz ran. Keiner weiß, wie stabil die Ruine noch ist. Darum gibt es keinen Innenangriff. Die Gefährdung der Kollegen stünde in keinem Verhältnis zum Nutzen.

Es ist jetzt am frühen Nachmittag, Sie löschen immer noch. Warum ist das Feuer so schwer zu bekämpfen?

Es gibt noch viele Glutnester. Aber im Gebäude sind drei Zwischendecken. Dadurch sind die Glutnester von oben schwer zu erreichen. Auf ihnen liegt der Brandschutt. Darum wollen wir mit einem Abrissbagger einen Zugang schaffen.

Können Sie den Einsatz mit anderen der vergangenen Monate vergleichen?

Es ist schon eines der größeren Ereignisse. Es ist alles relativ schwierig hier. Aber man muss auch bedenken, dass das Haus leer stand und keine Bewohner betroffen sind.

Zur Bildstrecke vom Brand

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