Neue Privatschule: Bernsdorfer Eltern befürchten soziale Spaltung

Der geplante Millionen-Zuschuss für einen freien Träger stößt im Stadtteil nicht nur auf Zustimmung. Statt Integration werde womöglich das Gegenteil erreicht, heißt es.

Bernsdorf.

Post von Eltern der Kita "Sonneninsel" und der benachbarten Grundschule "Heinrich Heine" flatterte Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig dieser Tage auf den Tisch. Anlass ist ein für morgen geplanter Stadtratsbeschluss. Darin geht es um die Sanierung der nahe gelegenen früheren Theodor-Neubauer-Schule. Ein privater Träger will dort in den kommenden Jahren eine freie Grundschule etablieren. Die Stadt plant, die Sanierung des seit Langem leer stehenden Schulhauses mit 1,2 Millionen Euro zu unterstützen. Weitere knapp elf Millionen Euro sollen aus einem Programm zur Förderung der "sozialen Integration im Quartier" kommen.

Nicht, dass die Eltern etwas gegen diese - auch ihrer Ansicht nach - Bereicherung der Schullandschaft hätten. Was sie zu dem Brief veranlasste: In ihrer Kita und ebenso in der Heinrich-Heine-Grundschule, wo in Vorbereitungsklassen für Kinder von Migranten schon jetzt täglich Integrationsarbeit geleistet wird, gäbe es ebenfalls so manches dringend in Ordnung zu bringen.

Die Außengelände beispielsweise seien großteils in problematischem Zustand, schildert Elternvertreter Thomas Hanisch. Zudem solle die Grundschule wegen steigender Schülerzahlen auf künftig vier Klassen pro Jahrgang ausgebaut werden. Die Eltern befürchten Einbußen bei der Bildungsqualität, sagt er. "Weder reicht die Turnhalle für alle Kinder noch gibt es genügend Platz für die Essenversorgung." Der Vorschlag, statt der Schulvergrößerung eine dritte Grundschule im Schulbezirk einzurichten, sei bislang immer abgelehnt worden. "Aus finanziellen Gründen", so habe es geheißen.

Dem Rathaus ist die Kritik bekannt. Den steigenden Schülerzahlen, so versichert Bürgermeister Philipp Rochold in einer Antwort auf eine entsprechende Anfrage von Stadträtin Christin Furtenbacher (Grüne), solle bei der anstehenden Innensanierung der Heinrich-Heine-Schule Rechnung getragen werden. Vorsichtiger äußert er sich zum - auch aus Sicht der Verwaltung - sanierungsbedürftigen Schulhof: Sollte es für den Hof Fördergeld geben, "kann eine Sanierung im Zeitraum von 2018 bis 2020 erfolgen."

Angesichts des geplanten Millionenprojekts ein paar Straßen weiter stoßen derlei vage Aussagen bei vielen Eltern auf zunehmend wenig Verständnis. "Warum können wir als sozialer Brennpunkt mit Sanierungsbedarf nicht an demselben Förderprogramm teilhaben wie die neue Schule an der Vettersstraße?", bringt Thomas Hanisch ihre Kritik auf den Punkt. "Der Wortlaut der Förderrichtlinie trifft genau auf unsere Schule und die benachbarte Kindereinrichtung zu."

Und ihre Sorge reicht noch weiter: Mit der Einrichtung einer privaten Grundschule im Stadtteil könnte am Ende genau das Gegenteil erreicht werden von jener "sozialen Integration im Quartier", auf die das Förderprogramm abzielt. "Wir befürchten, dass damit noch mehr Anreize geschaffen werden für Elternhäuser, die es sich leisten können, ihren Kindern eine bessere Bildung zu ermöglichen", so Hanisch. "Dann haben wir hier eine freie Schule mit tollem Konzept und daneben eine ,randvolle' staatliche Schule."

Ähnlich die Bedenken von Marko Rößler vom Verein "Gute Schule", der sich für eine zweite reformpädagogisch geprägte staatliche Bildungseinrichtung nach Vorbild des Chemnitzer Schulmodells stark macht. "Wir begrüßen die Einrichtung einer Schule mit internationalem Profil. Aber das Schulkonzept des privaten Trägers spricht vorwiegend akademisch geprägte Elternhäuser und solche mit überdurchschnittlichem Einkommen an."

Nun hoffen die Kritiker darauf, dass ihr offener Brief im Rathaus Wirkung zeigt. "Bislang wurde mit uns nicht im Dialog gearbeitet", bedauert Elternsprecher Hanisch. Zur Ratssitzung morgen werde man versuchen, erneut mit Räten ins Gespräch zu kommen.

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