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Susan Heinel (rechts), Maren Nitsche mit Sohn Lemmy und Stadtrat Kai Tietze (Linke) an der Baustelle der neuen Grundschule in Borna. Tietze könnte sich dort gut auch eine zusätzliche Oberschule vorstellen.

Foto: Andreas Seidel

Platz an Oberschule verzweifelt gesucht

Kinder vom Rande der Stadt wechseln nach der 4. Klasse oft an eine Schule außerhalb von Chemnitz. Doch das klappt längst nicht mehr so reibungslos wie früher.

Von Michael Müller
erschienen am 15.05.2018

Mit Spannung fiebern die Eltern von rund 1700 Viertklässlern dem Donnerstag kommender Woche entgegen. An diesem Tag erfahren sie, an welcher Oberschule oder an welchem Gymnasium ihre Kinder ab dem kommenden Schuljahr ihre Ausbildung fortsetzen werden. Anfang März konnten sie die Kinder an einer Bildungseinrichtung ihrer Wahl anmelden. Dabei waren auch mögliche Alternativen anzugeben - für den Fall, es klappt nicht mit einer Aufnahme an der gewünschten Schule. Und das dürfte in diesem Jahr häufiger der Fall sein. Denn eine ganze Reihe von Oberschulen verzeichnete mehr Anmeldungen, als Plätze vorhanden sind.

Was das im Extremfall bedeuten kann, haben Susan und Steffen Heinel bereits erfahren. Die Wittgensdorfer hatten auf eine Aufnahme ihrer Tochter am Evangelischen Schulzentrum in Hilbersdorf gehofft. Vergeblich - die Schule in freier Trägerschaft erhielt wie schon in den Jahren zuvor weit mehr Aufnahmewünsche, als dort Plätze vorhanden sind. Als Alternative setzten die Heinels auf die Oberschule im Nachbarort Lichtenau. Die Einrichtung ist für viele Wittgensdorfer Familien traditionell erste Wahl, sofern ihre Kinder nicht aufs Gymnasium wechseln. "In diesem Jahr aber heißt es, aus Kapazitätsgründen könne man nicht alle Schüler aufnehmen", schildert Mutter Susan Heinel. Die als Drittwunsch ins Auge gefasste Pestalozzischule in Limbach-Oberfrohna wiederum hatte schon frühzeitig "Überbuchung" signalisiert.

Was also tun? "Zwischenzeitlich wurde uns schon empfohlen, es doch mal an der Schule in Oederan zu versuchen", erzählt Susan Heinel. "Keine Ahnung, wie unsere Tochter dorthin kommen sollte." Anderen Familien im Ort gehe es ähnlich. Für Kai Tietze, Stadtrat der Linken aus Wittgensdorf, ist der Fall klar. "Im Norden der Stadt fehlt ganz klar eine Oberschule", sagt er.



Foto: Tilo Steiner

Ein Blick auf die Schullandschaft scheint ihm recht zu geben: Nördlich der Josephinenschule, gelegen im Wohngebiet Brühl-Nord, gibt es seit Jahren schon keine staatliche Oberschule mehr. Das hat unter anderem zur Folge, dass ein Großteil der Schüler vom Stadtrand nach der 4.Klasse die Schulausbildung außerhalb der Stadt fortsetzt. So wurden allein an Oberschulen in Mittelsachsen und dem Erzgebirgskreis im vergangenen Jahr 136 Viertklässler aus Chemnitz aufgenommen - fast fünf Klassen. Hinzu kommen weitere an Schulen im Landkreis Zwickau, etwa in Oberlungwitz, Hohenstein-Ernstthal und Limbach-Oberfrohna. Sicherten diese Schüler über Jahre hinweg das Überleben so mancher Schule im Umland der Großstadt, so finden sie dort heute nicht mehr selbstverständlich Aufnahme. Die Orte haben oft wieder genügend eigene Kinder, die zu unterrichten sind.

Im Rathaus schätzt man die Situation allerdings weit weniger dramatisch ein. "Eine Oberschule im Chemnitzer Norden wird es auf absehbare Zeit nicht geben, weil wir die nicht auslasten können", stellt der auf das Thema angesprochene Bürgermeister Sven Schulze klar. Unter seiner Regie wird derzeit die Schulnetzplanung der Stadt überarbeitet. "Dabei werden auch die Schülerströme analysiert", so Schulze. "Daraus ableitend werden gegebenenfalls neue Oberschulstandorte festzulegen sein." Möglichst noch in diesem Jahr soll es einen Beschluss des Stadtrates geben.

Kai Tietze muss da nicht lange überlegen. Er hält das Areal der früheren Körperbehindertenschule in Borna für mehr als geeignet, um dort zusätzlich zur neuen Grund- auch eine Oberschule zu errichten. "Platz ist auf dem weitläufigen Gelände genug", ist der Stadtrat überzeugt. Erste Erkundigungen unter Wittgensdorfer und Röhrsdorfer Eltern stimmten ihn zuversichtlich, dass dieser Oberschulstandort auch angenommen werden würde.

Für Familie Heinel käme eine solche Entscheidung freilich zu spät. Sie rechnet jetzt damit, dass ihre Tochter künftig wohl die Josephinenschule besuchen wird. "Wir erwägen allerdings, in Widerspruch zu gehen", so Susan Heinel.

Kommentar: Skepsis angebracht

Stellte man sich Chemnitz als Erdkugel vor, so läge das Nordkap der Oberschullandschaft tatsächlich nur knapp über dem Äquator. Allerdings fällt bei näherer Betrachtung eben auch auf, dass die Stadtteile am nördlichen Stadtrand allesamt eher dünn besiedelt sind. Trotz des einen oder anderen neu entstandenen Eigenheimgebietes lebt dort nur etwa ein Zehntel der Chemnitzer - was noch nichts über die künftige Anzahl der schulpflichtigen Kinder aussagt. Dass Vorstöße für einen Oberschulstandort in diesem Teil von Chemnitz trotz des augenscheinlichen Ungleichgewichts im Rathaus zunächst auf Skepsis stoßen, scheint daher nachvollziehbar. Trotzdem ist es gut, dass die Debatte angestoßen wurde. Noch ist es für Kurskorrekturen nicht zu spät.

 
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