Warum Fernbusse nach Dresden fahren - aber nicht nach Leipzig

Der bahngeplagte Chemnitzer kann hoffen: Busunternehmer wollen der Schiene Konkurrenz machen und erhalten Unterstützung aus der Politik. Allerdings steht den Plänen ein Gesetz im Weg.

Wer ohne Auto von Chemnitz nach Dresden will, war bisher zumeist auf die Bahn angewiesen. Ohne Bahncard oder Rabatte kostet ein Ticket zwischen den beiden sächsischen Städten 16 Euro. Doch die Bahnanbieter haben auf der Strecke Konkurrenz bekommen. Seit Anfang Januar fährt auch der Fernbusanbieter Flixbus zwischen dem Omnibusbahnhof und dem Hauptbahnhof Dresden - und das bis zu elfmal pro Tag.

Die meisten Tickets kosten bislang fünf Euro pro Fahrt, die Bahn verlangt somit mehr als das Dreifache. Besonders zu früher oder später Stunde sowie an Wochenenden können die Karten jedoch etwas teurer werden. Mit knapp über einer Stunde braucht der Flixbus für die gesamte Strecke zwischen Chemnitz und Dresden nur unwesentlich länger als der Regionalexpress und ist sogar zehn Minuten schneller als die Regionalbahn. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass es etwa infolge von Autobahnstaus nicht zu Verzögerungen kommt.

Verzögerungen hatte es zuletzt auch bei der Bahn gegeben. Dadurch ist es für Flixbus überhaupt erst möglich geworden, die Strecke zwischen Chemnitz und Dresden ins Sortiment zu nehmen. Wegen einer durch Bauarbeiten bedingten Fahrplanumstellung dauert die Fahrt zwischen Dresden und Chemnitz seit Mitte Dezember 2017 eine Minute länger, wie ein Sprecher der Mitteldeutschen Regiobahn (MRB) sagt, die die Strecke betreibt. 61 Minuten sind es laut aktuellem Fahrplan. Diese eine Minute ist jedoch entscheidend, denn der Gesetzgeber sieht vor, dass Fernbusanbieter nur Strecken bedienen dürfen, für die die Bahn länger als eine Stunde braucht. Das sogenannte Bedienverbot soll dem Schutz des öffentlich bestellten Nahverkehrs auf der Schiene dienen, erklärt ein Sprecher des Verbandes deutscher Omnibusunternehmen.

Nun hat Flixbus die Chance schnell genutzt, die sich aus der verlängerten Fahrtzeit ergab, und eine Konzession für die Strecke beim Freistaat Sachen beantragt - mit Erfolg. Zuvor war es dem Unternehmen nicht erlaubt gewesen, Direkttickets zwischen Chemnitz und Dresden zu verkaufen. Ob diese staatliche Erlaubnis zurückgezogen wird, falls die MRB auf der Strecke wieder schneller werden sollte, darüber müsse das Landesamt für Straßenbau und Verkehr in einem gesonderten Antrag entscheiden, so ein Behördensprecher.

Die Verbindung nach Dresden wird laut Flixbus bisher gut angenommen. Das Unternehmen plant daher, in Zukunft noch mehr grüne Busse zwischen den Städten rollen zu lassen. Auch Politiker sehen klare Vorteile, die sich durch die Verbindung ergeben. "Für einkommensschwächere Reisende bedeutet dies ein deutliches Plus an Mobilität", sagt etwa der Chemnitzer Bundestagsabgeordnete Frank Müller-Rosentritt (FDP). Zudem sei das Angebot ein Baustein, "der hilft, die schlechte Fernverkehrsanbindung der Stadt etwas auszugleichen".

Der FDP-Mann und die anderen drei Chemnitzer Bundestagsabgeordneten Frank Heinrich (CDU), Detlef Müller (SPD) und Michael Leutert (Linke) haben dabei besonders die Bahnstrecke zwischen Chemnitz und Leipzig im Blick, die ebenfalls von der MRB betrieben wird. Dort hatten Zugausfälle, Service-Mängel und auch Verspätungen in den letzten Jahren immer wieder für Verärgerung gesorgt. Allein in den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahres fielen 200 Züge aus. In einem Brief und einem darauf folgenden Gespräch mit dem für die Strecke zuständigen Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS), das Mitte Januar stattfand, hatten die vier Bundespolitiker dringende Verbesserungen gefordert. Der VMS hatte dem zugestimmt und auch eingeräumt, dass die MRB schon länger Vertragsstrafen für ausgefallene und verspätete Züge zahlen müsse.

Fernbusanbieter Flixbus jedenfalls würde auch die Strecke zwischen Chemnitz und Leipzig gerne in sein Angebot aufnehmen. "Wir sind fest davon überzeugt, dass viele Chemnitzer eine Fernbusverbindung nach Leipzig begrüßen würden", so Flixbus-Sprecher David Krebs. Laut Fahrplan beträgt die Fahrzeit der MRB von Chemnitz nach Leipzig exakt 59 Minuten. Damit fällt die Verbindung knapp unter das gesetzliche Bedienverbot für Busse. Flixbus darf daher keine Tickets für die Strecke anbieten. In die andere Richtung braucht die Bahn jedoch 65 Minuten. Aufgrund der Eingleisigkeit der Strecke müsse der Zug Richtung Chemnitz immer auf den Gegenzug warten, erklärt ein MRB-Sprecher, der zugleich betont, die Fahrzeit werde nicht im Hinblick auf eine Markteintrittsbarriere für Fernbus-Anbieter festgelegt.

Ein Konzessionsgesuch für die Strecke an den Freistaat Sachsen hat Flixbus bislang noch nicht gestellt. Dazu müssten sich erst rechtliche Änderungen ergeben, sagt der Flixbus-Sprecher. Auch daran will FDP-Mann Müller-Rosentritt arbeiten. "Wir werden uns bestehende gesetzliche Regelungen genau anschauen", sagt er. Er jedenfalls will sich für die Busverbindung nach Leipzig einzusetzen.

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