Archäologen geben Einblick in Grabungen

Führung über künftige Baustelle mitten in der Innenstadt geplant

Immer wieder bleiben vor der Baustelle an der Bahnhofstraße, wo der Versorger Eins seine neue Konzernzentrale errichten lassen will, Menschen stehen. Es sind die im Boden freigelegten Mauern, die ihr Interesse erwecken. Ein Zettel an dem Bauzaun verspricht, dass bei zwei Führungen über die archäologische Grabungsstelle erläutert werden soll, was es mit den Mauern auf sich hat und welche ersten Ergebnisse der Bodenuntersuchungen bereits vorliegen.


In Angriff genommenen wurde das vorsichtige Freilegen der im Boden erhaltenen Zeugnisse aus der Chemnitzer Vergangenheit im August. Bei den Grabungen wurden die Archäologen von Paläontologen des Naturkundemuseums unterstützt. Gemeinsam wollen sie der Frage nachgehen, welche der angetroffenen Bodenschichten geologischen Ursprungs sind und welche vom Menschen geschaffen wurden, hatte Steffen Trümper vom Museum für Naturkunde kürzlich erklärt. Die Ergebnisse sollen helfen, die Landschafts- und Siedlungsgeschichte im heutigen Zentrum besser zu verstehen. Laut den Wissenschaftlern hat sich bereits gezeigt, dass das Gebiet am heutigen Stefan-Heym-Platz eine wechselvolle Vergangenheit besitzt. Kies und übereinander aufgetürmtes Geröll zeugen von einem alten Flussbett der Chemnitz, die vor der Besiedlung etwa dort verlief. Über den Kiesen folgende Lehme mit Wurzeln und rostroten Flecken ließen erkennen, dass sich das Flusswasser zurückgezogen hat und sich eine bewachsene Flussaue bildete. Darüber liegen Schichten, die Kanalstrukturen und Latrinengänge aufweisen. Sie belegen erste Besiedlungsstrukturen in der Chemnitzer Flussaue. Noch suchen Archäologen und Paläontologen nach Indizien für die Herkunft der etwa 50 Zentimeter mächtigen Schicht, die über dem ersten Besiedlungshorizont liegt. War es eine gewaltige Überflutung, die zu den Ablagerungen in der Flussaue führte, oder haben Menschen den Bereich aufgefüllt - vielleicht als frühe Strategie des Hochwasserschutzes? Antworten sollen gemeinsame Untersuchungen des Grabungsbereiches am Getreidemarkt geben. Im Fokus der Archäologie stehen vor allem Belege der Menschheitsgeschichte.

Die Führungen sind für Dienstag, 22. Januar, geplant. Die erste soll um 13 Uhr beginnen, die zweite um 16 Uhr. Treffpunkt ist der Bauzaun am Archäologiemuseum.

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