Ausländische Restaurants: Polizei fährt öfter Streife

Beamte verstärken nach Anschlägen Präsenz an 60 Objekten

Sie kamen mitten in der Nacht, drangen in das Gebäude ein und legten in einem Lokal im Erdgeschoss Feuer. Obwohl die Bewohner des Hauses an der Straße der Nationen in jener Nacht auf den 18. Oktober schnell die Feuerwehr alarmierten, wurde das türkische Restaurant Mangal komplett zerstört.

Es war der Höhepunkt einer Serie von Angriffen auf Gaststätten von teilweise ausländischen Betreibern in Chemnitz. Sie begann nach dem gewaltsamen Tod eines Deutsch-Kubaners am Rande des Stadtfestes, für den ein Iraker und ein Syrer verantwortlich sein sollen. Zuerst wurde der Wirt des jüdischen Restaurants Schalom attackiert, später der Besitzer des persischen Restaurants Safran überfallen. Dann folgte der Brandanschlag auf das Mangal.

Der Wirt erhielt später Solidaritätsbekundungen und Besuche, unter anderem von Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig und Ministerpräsident Michael Kretschmer. Dessen Innenminister Roland Wöller hatte schon kurz nach dem Anschlag auf das Mangal angekündigt, ausländischen Einrichtungen - insbesondere Restaurants - verstärkt bestreifen zu lassen. Aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage des Grünen-Landtagsabgeordneten Valentin Lippmann geht hervor, dass aktuell 60 Objekte auf der Beobachtungsliste der Polizei stehen.

Dabei handelt es sich dem Vernehmen nach mehrheitlich um Restaurants, aber auch um andere Einrichtungen. Der Großteil von ihnen befindet sich in Chemnitz. Sie werden zu unregelmäßigen Zeiten bestreift, teilt das Innenministerium mit. Parallel dazu seien Mobile Einsatz- und Fahndungsgruppen des Polizeilichen Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrums (PTAZ) des Landeskriminalamtes im Einsatz. Das PTAZ ist eingebunden, weil die Behörden von einem politisch motivierten Hintergrund ausgehen. Sie ermitteln wegen Verdachts des versuchten Mordes in Verbindung mit besonders schwerer Brandstiftung. Bislang, so das Innenministerium, gebe es aber noch keine konkreten Hinweise auf den oder die Täter. Der Wirt des Mangal, Ali Tolasoglu, hat indes angekündigt, das Lokal wiedereröffnen zu wollen.

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