B 174: Noch nicht einmal der "Superblitzer" könnte helfen

Nach der Absage an zusätzlichen Lärmschutz ereilt die Anlieger der Zschopauer Straße der nächste Rückschlag.

Adelsberg/Reichenhain.

Wenn schon keine Lärmschutzwände und kein schärferes Tempolimit drin sind, dann sollen sie wenigstens regelmäßig die Geschwindigkeit kontrollieren: Diese Meinung ist in den Siedlungen entlang der B 174 immer wieder zu hören. Seit dem vierspurigen Ausbau der Strecke ins mittlere Erzgebirge und weiter nach Tschechien hat der Verkehr dort deutlich zugenommen - und mit ihm der Lärm. Seit Jahren bemüht sich eine Bürgerinitiative um besseren Schutz der Anwohner - bislang vergeblich.

Zuletzt hatte das für Bundesstraßen zuständige Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) einen Antrag des Chemnitzer Rathauses abgelehnt, auf einem Teilstück vom Ortsausgang bis zur Brücke Gornauer Straße die Höchstgeschwindigkeit in beiden Richtungen von 70 auf 50 Kilometer pro Stunde zu senken. Eine solche Reduzierung würde kaum spürbare Effekte bringen, hieß es zur Begründung. Zudem lägen die Lärmwerte nicht zu hoch, sondern in jenem Bereich, der vor dem Ausbau prognostiziert wurde.


Aber wird sich auf der Strecke auch an die Höchstgeschwindigkeit gehalten? Aufschluss darüber erhofft sich die Chemnitzer Landtagsabgeordnete und Stadträtin Ines Saborowski (CDU) vom Ordnungsamt. Sie wollte wissen, welche Resultate in den vergangenen Jahren Geschwindigkeitsmessungen zwischen Georgistraße und Stadtgrenze erbracht haben. Das Ergebnis: keine.

In dem betreffenden Abschnitt seien keine geeigneten Standorte für Messgeräte vorhanden, teilte Ordnungsbürgermeister Miko Runkel auf Sabarowskis Anfrage hin mit. Dies gelte auch für den neuen "Superblitzer", einem auf einen Anhänger installierten Messgerät, das die Stadt derzeit an verschiedenen Standorten testet. Auch die Polizei sieht sich außerstande, dort zu kontrollieren. Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten gebe es weder geeignete Stellflächen für Messgeräte und Messfahrzeuge, noch Flächen, um mit Laserpistole ertappte Fahrzeuge anzuhalten, heißt es.

Etwas besser sieht es im Bereich der Bushaltestelle "Altenhain, Siedlung Ruhebank" aus, wo die Polizei regelmäßig die Geschwindigkeit kontrolliert. "In diesem Jahr wurden dort bei zwei Kontrollen knapp über 3000 Fahrzeuge gemessen", erläutert eine Sprecherin. Etwas mehr als 200 seien zu schnell unterwegs gewesen. Das entspricht einer Quote von etwa sieben Prozent.

Gleichwohl im Moment nahezu alle Ansätze für einen besseren Lärmschutz entlang der B 174 ausgeschöpft scheinen, will Ines Saborowski an dem Thema weiter dranbleiben. Sie setzt auf die Ausarbeitung eines Lärmschutzgesetzes, das Schutzmaßnahmen auch dort ermöglicht, wo Grenzwerte nur gerade so eingehalten werden. Das aber sei erst nach der Landtagswahl möglich, so die Abgeordnete. (mit hfn)

Bewertung des Artikels: Ø 4.8 Sterne bei 6 Bewertungen
5Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 3
    5
    christophdoerffel
    02.08.2019

    @BlackSheep

    Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten.

    Das Grundproblem ist ein Infrastrukturddenken, dass in den 60ern stehen geblieben ist.

    Das Ziel moderner Verkehrkonzepte ist nicht mehr schnellerer und flüssigere Individualverkehr, sondern weniger Verkehr und der hauptsächlich als Fuß, Rad und öffentlicher Verkehr.

  • 6
    2
    BlackSheep
    02.08.2019

    Und wiso baut man erst eine Schnellstrasse, die dann durch sinnlose Geschwindigkeitsregeln und sinnlose Lärmschutzforderungen eingebremst wird? Die Strasse hat mal den Sinn den Verkehr vom Erzgebirge nach Chemnitz zu vereinfachen, mit diesen Forderungen kann das schon gar nicht mehr gehn.

  • 6
    4
    KatharinaWeyandt
    02.08.2019

    Dass ein Lärmschutzgesetz erst nach der Wahl in Angriff genommen werden kann: regiert Frau Saborowskis Partei CDU nicht schon länger?
    Die Grünen hätten jedenfalls gern bei der Initiative geholfen. http://www.gruene-fraktion-sachsen.de/themen/haushalt/der-doppelhaushalt-201718-die-themen/laermschutz/ Schon zum Doppelhaushalt 2017(2018 hatten sie einen Vorschlag dazu gemacht - abgelehnt.

  • 6
    2
    Hankman
    02.08.2019

    Dass es keinen geeigneten Standort für Geschwindigkeitsmessungen geben soll, kann ich nicht so recht nachvollziehen. Auf den Autobahnen ist komischerweise genug Platz, sogar wenn zwischen Leitplanke und Lärmschutzwand nicht mal ein Meter liegt. Die dort eingesetzte Technik hat aber vermutlich nur die Polizei und nicht die Stadt.

  • 7
    8
    fnor
    02.08.2019

    Wer wissen will, ob sich auf der B 174 an die Höchstgeschwindigkeit gehalten wird, sollte einfach mal mit dem Auto lang fahren. Mind. 50% der PKW fahren 110 bis 120 bei erlaubten 100. 99% der LKW fahren 90 bei erlaubten 60. Innerorts sieht es bei LKW besser aus, weil es steil bergauf geht. PKW fahren meist 80 bei erlaubten 50, weil viele denken, die 70 vom Südring gilt weiterhin. Bergab merken viele auch erst am 2. 70er- Schild, dass sie langsamer werden müssen. Kurzum es wird massiv zu schnell gafahren. Wer keine Blitzerstandorte hat, sollte sich welche bauen. Wenn man PKW nicht anhalten kann, sollte man dennoch mit der Laserpistole messen, um Daten zu erheben. Gerade die zu schnellen LKW verursachen ja einen Großteil des Lärms.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...