Badverein macht Rathaus für steigende Kosten verantwortlich

Mehr als zweieinhalb mal so teuer wie zunächst geplant soll laut einer Studie die Sanierung des Sommerbades Erfenschlag werden. Auf längere Sicht könnte sich die Investition trotzdem rechnen.

Erfenschlag.

Am Ende wird es offenbar doch deutlich teurer als anfänglich in Aussicht gestellt: Rund 1,6 Millionen Euro soll nach Berechnungen des Bürgervereins für Chemnitz-Erfenschlag die Wiederinbetriebnahme des Sommerbades im kleinsten Chemnitzer Stadtteil kosten. Das geht aus einer Studie hervor, die zwei Bauplanerinnen im Auftrag des Vereins erstellt haben. Der war ursprünglich davon ausgegangen, dass sich das Vorhaben mit weit weniger als der Hälfte des Geldes bewerkstelligen lassen würde. Von 600.000 Euro, die zu einem erheblichen Teil durch Sponsoren erbracht werden sollten, war zuletzt die Rede gewesen. Eine Summe, die im Rathaus von Beginn an für wenig realistisch erachtet worden war.

Blauäugigkeit wollen sich die Protagonisten der Wiederbelebungs-Initiative allerdings nicht vorwerfen lassen. "Die nicht von der Hand zu weisende Kostensteigerung im Vergleich zum ursprünglichen Konzept und damit verbundenen Neuerungen begründen sich hauptsächlich durch die umfangreichen Nachforderungen der Stadtverwaltung und des Gesundheitsamtes der Stadt", heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Erklärung des Bürgervereins. Sowohl die Pläne für den Neubau der Beckenanlage, der Sozial- und Sanitärräume als auch der behinderten- und rollstuhlgerechte Umbau des gesamten Freibades sollten nun keine Wünsche mehr offen lassen, hofft Felix Kreißel, der im Verein für die Bad-Pläne federführend zuständig ist.

Erhebliche Einsparungen erwartet er sich indes im Betrieb der Anlage. Durch die geplante Reduzierung der Wasserfläche - das vorhandene Becken soll in ein Kombi-Becken mit Schwimmer- und Nichtschwimmer-Bereich unterteilt werden - sowie des Beckenvolumens reduzierten sich sowohl der Frischwasser- als auch der Umwälzbedarf und damit die Energiekosten, argumentiert Kreißel. Zudem gebe es weniger Abwasser, auch der Einsatz von Schwimmbadchemikalien könne deutlich reduziert werden. "Um die Energiekosten weiter zu senken, ist perspektivisch der Bau einer Solaranlage geplant", so der 31-Jährige. Eine sogenannte Solarabsorber-Anlage, die mithilfe von Sonnenenergie das Beckenwasser erwärmt, könne es zudem ermöglichen, die Badesaison zu verlängern.

Das "Erfi" genannte Sommerbad Erfenschlag war 2014 trotz zahlreicher Proteste geschlossen worden. Die Technik der zuletzt weitgehend ehrenamtlich betriebenen Anlage war in die Jahre gekommen, die Stadt wollte das sanierungsbedürftige Areal renaturieren. Befürworter des Erhalts sammelten mehrere Tausend Unterschriften und fanden zunehmend Unterstützer in den Reihen des Stadtrates.

Nun hofft der Verein, dass bei den anstehenden Beratungen zum Haushalt der Stadt für die kommenden beiden Jahre Nägel mit Köpfen gemacht werden und das für die Sanierung des Bades benötigte Geld eingeplant wird. Liefe dann noch alles wie am Schnürchen, könnte das Erfenschlager Bad in drei Jahren wieder besucht werden, heißt es.

Dann soll es in der Anlage auch deutlich mehr Komfort geben als zuletzt. Die jetzt vorgelegte Studie sieht neue Sozialtrakte für Besucher und Personal vor, neue Sanitärräume und Duschen und einen Kiosk mit überdachter Terrasse. Die Beckenumgänge sollen vergrößert werden, ein neben dem großen Becken gelegenes Planschbecken künftig auch mit Kinderwagen bequem erreicht werden können. Zudem soll es nach dem Umbau einen behinderten- sowie rollstuhlgerechten Zugang geben - bis hin zu einer Rolli-Durchfahrt zum Becken. Und auch an einen Spielplatz ist gedacht. Der, so Felix Kreißel, soll den Plänen zufolge auch genutzt werden können, wenn das Bad geschlossen hat.

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2Kommentare
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  • 0
    0
    mariog
    16.08.2018

    Die Stadt wird sich schon winden, so lange es geht. Und vielleicht findet man noch ein Gesetz, durch welches die Kosten noch mehr steigern. Was will man den auch mit einem Freibad, welches wirklich für die Bevölkerung ist. Ich will den Teufel nicht an die Wand malen, aber es wird "interessant" bleiben.

  • 5
    7
    aussaugerges
    16.08.2018

    Planer,Architekten,Statiker haben Gebührensätze von Tausendenen von Euros.
    Da bleibt für den Handwerker nur ein Hungerlohn.



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