Bäckerei mit Café eröffnet - Marktneubau weiter ungewiss

Die Nahversorgung auf dem oberen Kapellenberg hat sich wieder ein Stück verbessert. Für größere Einkäufe müssen die Bewohner aber weiter in andere Stadtteile fahren.

Kapellenberg.

Der Verkaufswagen hat erst einmal ausgedient. Seit Dienstag können Bewohner des oberen Kapellenbergs ihre Brötchen, Brot und Kuchen wieder in einer festen Filiale der Bäckerei Voigt kaufen. Sie ist an genau derselben Stelle an der Stollberger/Ecke Parkstraße entstanden, an der sie sich schon bis Ende 2015 befand - damals noch als Mieter im Edeka-Nah-und-gut-Markt.

Der Markt selbst war von Edeka bereits Mitte 2014 geschlossen worden, aus betriebswirtschaftlichen Gründen, wie es damals hieß. Seitdem war die Bäckerei-Filiale, die seit Februar 2016 aus dem Verkaufswagen bestand, der einzige verbliebene Nahversorger im gesamten Stadtteil mit mehr als 5000 Einwohnern. Erst im November 2016 öffnete im Gebäude der früheren Penny-Filiale an der Neefestraße ein neuer Markt, der aber für viele der zum Großteil älteren Bewohner des oberen Kapellenbergs zu Fuß nur schwer zu erreichen ist.

Eine Bürgerinitiative setzt sich seit 2014 bei der Stadtverwaltung, bei Großvermietern, Einzelhändlern und Investoren für eine bessere Nahversorgung in dem Viertel ein - im Falle der Bäckerei-Filiale mit Erfolg: Die Limbach-Oberfrohnaer Unternehmensgruppe KPM-Bau, die das Grundstück mit dem geschlossenen Nah-und-gut-Markt 2016 von Edeka gekauft hatte, errichtete dort bis Juni dieses Jahres mit Investitionskosten von insgesamt rund drei Millionen Euro nicht nur einen Neubau mit 13 Eigentumswohnungen, sondern auch die 70 Quadratmeter große Bäckerei-Filiale mit Café. "Für die Fläche und auch für das Sortiment hatte Edeka Beschränkungen auferlegt", berichtet KPM-Geschäftsführer Gunther Kermer.

Über Backwaren hinaus bietet die neue Voigt-Filiale noch einige weitere Lebensmittel, wie Milch und Kaffee sowie Wurst in Gläsern, an. Hinzu kommen ein Imbiss mit warmen Speisen, Salaten und Getränken sowie eine größere Auswahl Kugel-Eis. "Es ist super, dass der Bäcker wieder hier ist", sagt Christine Noack, die am Dienstag zu den ersten Kunden gehörte. Zuletzt sei sie immer im Zentrum zum Bäcker gegangen, erzählt sie. Auch Renate Becker freut sich über die Neueröffnung. "Man kann schnell mal wieder etwas holen", sagt die Anwohnerin. Sie hoffe, dass die Filiale jetzt dauerhaft im Viertel bleibt.

"Das Ladengeschäft ist wunderschön geworden", findet Jürgen Ulrich, Sprecher der Bürgerinitiative. Die Öffnungszeiten einschließlich sonntags sind sehr großzügig, lobt er und hoffe, dass das Café zu einem Treffpunkt für die Bewohner des Viertels wird. Für die Bürgerinitiative sei mit dem Erhalt der Bäckerei-Filiale aber nur ihr erstes Vorhaben erfüllt, so Ulrich. Ihre Mitglieder und viele Anwohner wünschten sich einen erfolgreichen Abschluss laufender Gespräche zwischen der Stadtverwaltung und der Konsumgenossenschaft Leipzig über den Neubau eines Marktes auf der Fläche neben dem Chemnitzer Schulmodell, auf der zuletzt der Bäckerei-Verkaufswagen stand (siehe Grafik).

Auf einer Bürgerversammlung Anfang Mai hatte Baubürgermeister Michael Stötzer noch mit einer Entscheidung innerhalb eines Monats gerechnet. Am Dienstag erklärte der Sprecher der Konsumgenossenschaft, Matthias Benz, auf Nachfrage, das Projekt befinde sich noch "in einem sehr frühen Stadium". Wann eine Entscheidung fallen wird, könne er noch nicht sagen. Die Stadtverwaltung teilte mit, dass zunächst die Rahmenbedingungen für den Standort geklärt werden müssten, bevor die Suche nach einem Investor dafür beginne. (mit söll)


Kommentar: Nähe hat ihren Preis

Ob in der Bäckerei-Filiale oder einem möglichen künftigen Konsum-Markt: Viele Lebensmittel werden dort teurer sein als beim Discounter in einem anderen Stadtteil. Denn Einzelhändler mit kleinen Geschäften müssen oft höhere Einkaufspreise zahlen und ihre Kosten, so für Ladenmiete und Personal, aus den Erlösen für weniger verkaufte Artikel decken. Andererseits wollen natürlich alle und müssen viele Kunden sparen. Wer das kann, fährt also mit dem Auto zum Discounter. Und die Hochbetagten und Gehbehinderten stehen, wie auf dem Kapellenberg, irgendwann vor geschlossenen Läden. Wenn sich das nicht wiederholen soll, müssen die Anwohner die Geschäfte in der Nähe annehmen und deren Preise akzeptieren.

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