"Bücher lesen kommt viel zu kurz"

Wildfremde Menschen einfach ansprechen und fragen, was sie da tun, gehört sich eigentlich nicht. "Freie Presse" macht es trotzdem. Heute: Der Projektleiter eines Kulturevents und Geschäftsführer einer Chemnitzer Buchhandlung.

Was machen Sie denn da?

Robert Aßmann: Aus Stoffbahnen und Handtüchern stellen wir auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofes ein riesiges Buch dar. Damit wollen wir auf die Ereignisse am Samstag im Gebäude des Hauptbahnhofs aufmerksam machen und gleichzeitig etwas tun, das in Chemnitz so noch nie gemacht worden ist.

Wer ist "wir"?

Veranstalter ist das sogenannte Eventlabor gegen Kulturpessimismus, dahinter verbirgt sich die Buchhandlung Max Müller. Mit Hilfe der Technischen Universität, dem Verein Kulturcampus, der Deutschen Bahn und vielen weiteren Sponsoren bieten wir am Samstag Kultur im Bahnhof.

Wen wollen Sie damit erreichen?

Für jeden ist was dabei. Wir haben Puppentheater und Tanz für die diejenigen im Angebot, die einfach nur mal kurz vorbeischauen wollen. Für Gäste, die länger bleiben wollen, gibt es viele verschiedene Lesungen.

Was verstehen Sie unter dem Begriff Kulturpessimismus?

Als Buchhändler sehe ich täglich, wie das Buch immer mehr ausrangiert wird. Die sozialen Medien führen zu Veränderungen, sodass weniger in Büchern gelesen wird. Die Ablenkung durch andere Medien ist sehr groß, Bücher lesen kommt zu kurz. Vor allem das ausdauernde Lesen ist nicht mehr vordringlich im kulturellen Leben verankert.

Und was unternehmen Sie gegen Kulturpessimismus?

Die Veranstaltung am Samstag ist eine Aktion dagegen. Auf inszenierte Art und Weise soll darauf hingewiesen werden, dass es mehr gibt als das Stadtfest mit Halligalli, sondern man auch zur Ruhe kommen und Kultur haben kann. Der Hauptbahnhof als Dreh- und Angelpunkt zwischen Kommen und Gehen, Ankommen und Wiederkommen ist ein guter Ort dafür.

Wie kamen Sie auf diese Idee?

Sie ist zwei Jahre gereift. Ausgangspunkt war die Lektüre des Buches "Wie es leuchtet" von Autor Thomas Brussig, der am Samstag im Bahnhof auch lesen wird. Ausgangspunkt seiner Geschichte über die Wendezeit ist Gleis 14 des Chemnitzer Hauptbahnhofes.

Wird es eine Wiederholung der Veranstaltung geben?

In einer kleineren Ausgabe ist das möglich. Sollte Chemnitz Kulturhauptstadt werden, gibt es die Aktion auf jeden Fall wieder.


10 Stunden Programm

Der Kulturbahnhof im Hauptbahnhof ist am Samstag von 13 bis 23 Uhr geöffnet. Ein Auszug aus dem Programm: Auf der Hauptbühne in der Bahnhofshalle liest 13 Uhr Autor Thomas Brussig; Straßenbahnhistoriker Heiner Matthes stellt 14.30 Uhr sein Buch "Trambahnreise" vor; Geschichten aus der Bahnhofsmission liest 15 Uhr Schwester Claudia-Maria; 17.30 Uhr musizieren Mozartkinder und Stadtführer; 18.45 Uhr tritt der Gebärdenchor auf; 21 Uhr lesen Nachwuchsautoren Kurzgeschichten; 22 Uhr startet die offene Vorlesebühne.

Auf der Terrasse bei den Straßenbahn-Abfahrten stellt Gerd Kappel 15 Uhr Kinderbuchliteratur vor; Tanzimprovisationen gibt es 15.30 und 19.30 Uhr zu sehen; 16 Uhr sind unter anderem Lesepaten der Stefan-Heym-Gesellschaft zu hören. (fp)

www.kultourbahnhof.com

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