Burgstädter Kinder laufen beim Lebendigen Fürstenzug mit

Ein berühmtes Wandbild wird am Samstag zum Stadtfest nachgestellt - obwohl die Macher mehrere Sorgen plagen.

Burgstädt.

Der Hainichener Jens Stahlmann gehört seit über 14 Jahren dem Lebendigen Fürstenzug an. Dort verkörpert er die historische Figur "Friedrich der Gebissene", der von 1307 bis 1323 Markgraf von Meißen war. Den Namen erhielt der Adlige, weil seine Mutter ihn als Kind zum Liebesbeweis in die Backe biss und er eine Narbe davontrug.

"Ich bin damals zum Fürstenzug sprichwörtlich wie die Jungfrau zum Kinde gekommen ", sagt Stahlmann. Bei einer Geburtstagsfeier, bei der der damalige Mittweidaer Landrat Andreas Schramm und der Chef des Reiterhofs Seelitz, Andreas Lorenz, anwesend waren, sei er gefragt worden, ob er bei einem Auftritt auf der Albrechtsburg in Meißen im Lebendigen Fürstenzug mitmachen wolle. Die Figur sei ihm damals zugeteilt worden. "Denn die meisten Figuren waren schon vergeben", so Stahlmann.

Er und seine Mitstreiter orientieren sich am Fürstenzug am Dresdner Schloss. Das Porzellangemälde gehört zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der sächsischen Landeshauptstadt. Auf 25.000 Porzellanfliesen lässt er seit 1907 auf einer Länge von 102 Metern die über 800-jährige Geschichte der Regenten des Hauses Wettin Revue passieren. Mit dem Ziel, dieses Wandbild zum Leben zu erwecken, schlossen sich acht Institutionen und Vereine aus dem Rochlitzer Muldental zum Verein "Der Fürstenzug zu Dresden" zusammen. Zur 800-Jahr-Feier der sächsischen Landeshauptstadt im Jahr 2006 erlebte der Lebendige Fürstenzug in einer Länge von etwa 270 Metern vor 1,5 Millionen Zuschauern in Dresden die Premiere.

Nun gibt es eine Neuauflage. Am morgigen Samstag werden 94 Akteure durch Burgstädt ziehen. Sie stellen 35 Markgrafen, Kurfürsten und Könige Sachsens sowie 59 Handwerker, Künstler, Wissenschaftler und Bauern dar, die auf dem Wandbild in Dresden zu sehen sind. Unter den Mitwirkenden sind auch die Burgstädter Kinder Amelie Schilde, Fabian Franke und Philipp Scheer. Für den zehnjährigen Philipp Scheer ist es der erste große Auftritt vor so vielen Leuten, sagt Vater Carsten Scheer. Da sein Sohn gern liest und oft in der Stadtbibliothek sei, habe ihn die Bibliothekarin Lydia Oeser angesprochen, ob er nicht Lust hätte, beim Lebendigen Fürstenzug mitzumachen. "Schon die Kostümanprobe war für Philipp spannend", sagt der Vater. Natürlich habe die Familie das berühmte Wandbild in Dresden schon angeschaut. Als Geschichtslehrer interessiere er sich für das Herrscherhaus der Wettiner.

Gespannt auf den Auftritt in Burgstädt ist auch Jens Stahlmann. "Wir sind froh, dass die Stadt uns die Möglichkeit gibt", sagt der 52-Jährige. Eigentlich wolle der Verein öfter sein Können zeigen, ergänzt er. Aber die Auftrittsmöglichkeiten seien in den vergangenen Jahren zurückgegangen. "Viele Orte scheuen sich vor dem Risiko", sagt Stahlmann. Denn das Mitwirken von mehr als 30 Pferden auf einer Strecke von vier Kilometern sei nicht ungefährlich. Sicherheitsvorkehrungen müssten beachtet werden. Auch sei es eine logistische Herausforderung, für den Umzug alle Personen, Pferde und Requisiten in die Stadt zu bringen. Seit dem letzten Auftritt vor mehr als einem Jahr zum Fürstentag in Rochlitz seien Kostüme und Fanfaren erneuert worden. Aus Moritzburg komme zudem ein neuer Pauker, erläutert Stahlmann.

Außerdem kostet der Auftritt Geld. Zwar agieren die Teilnehmer alle ehrenamtlich, aber Kosten für Reinigung, Versicherungen und Transporte fallen an, ergänzt Stahlmann. Schon mehrfach sei überlegt worden, den Verein aufzulösen. Neben Nachwuchssorgen plagen die Macher auch finanzielle Probleme. "Wir verdanken unser Überleben vor allem Regina Herberger", sagt Stahlmann. Die Vereinschefin halte alle Zügel zusammen. Seit die frühere Geschäftsführerin des Mittelsächsischen Kultursommers in Rente ist, engagiert sie sich ehrenamtlich für den Lebendigen Fürstenzug. (mit ule)

Der Lebendige Fürstenzug startet am Samstag um 14.30 Uhr an der Burkersdorfer Straße/Einmündung Peniger Straße. Weiter geht es über Chemnitzer Straße zum Ahnataler Platz, über die Dr.-Heinrich-Hahn-Straße/Einmündung Kurt-Mauersberger-Straße und weiter zum Bühnenstandort Dr.-Heinrich-Hahn-Straße/August-Bebel-Straße. Um 16Uhr wird im Festzelt am Markt eine Theaterszene zum Fürstenzug aufgeführt.

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