CDU ist der große Verlierer der Ortschaftsratswahlen

Mit Ausnahme von Einsiedel büßen die Christdemokraten in allen Orten Stimmen ein. Die SPD ist in keinem Rat mehr vertreten. Die Freien Wähler gewinnen hinzu.

Einsiedel: Rollentausch im Ortschaftsrat - die CDU löst mit 32,6 Prozent die parteiunabhängige Bürgerliste Einsiedel (29,27 Prozent) als stärkste Kraft ab. Gewinne verbuchen auch Pro Chemnitz sowie der Verein der Haus- und Grundstücksbesitzer Haus und Grund Einsiedel. Eines der Mitglieder - Otto Günter Boden - wurde auch in den Stadtrat gewählt. Dort sitzt er mit AfD-Mandat. Frank Schreiber, ebenfalls für Haus und Grund im Ortschaftsrat, war maßgeblich an den Demonstrationen gegen die mittlerweile geschlossene Asyleinrichtung beteiligt. Obwohl die AfD in Einsiedel mit 29,66 Prozent ihr bestes Ergebnis bei der Stadtratswahl erzielte, hatte sie für den Ortschaftsrat keine Kandidaten aufgestellt. Wahlbeteiligung: 72,4 Prozent.

Euba: Der Eubaer Wählerverein, als parteienunabhängige Gruppierung 1990 gegründet, verliert drei Prozentpunkte, bleibt aber mit Abstand weiterhin stärkste Kraft mit sechs Vertretern im Ortschaftsrat. Die CDU verliert im Vergleich zu 2014 elf Prozentpunkte. Die AfD, erstmals angetreten, gewinnt einen Sitz. Wahlbeteiligung: 73,2 Prozent.


Grüna: Die etablierten Parteien verlieren - die CDU büßt zehn Prozentpunkte ein, SPD und Linke je vier Prozentpunkte. Die neue Wählerliste Freie Wählervereinigung ist nach der Auflösung der Freien Wähler erstmals angetreten und erringt mit 53,78 Prozent aus dem Stand Platz 1 und acht Sitze. AfD und Grüne, die sich beide ebenfalls erstmals in Grüna dem Votum der Einwohner stellten, schaffen es in den Ortschaftsrat. Die Grünen bekommen einen Platz, die AfD erhält zwei Sitze, kann aus Mangel an Bewerbern jedoch nur einen besetzen. Dagegen verpassen die Sozialdemokraten den erneuten Einzug. Wahlbeteiligung: 67,4 Prozent.

Klaffenbach: Die Freien Wähler Klaffenbach bauen ihre Vormachtstellung aus. Sie gewinnen 16 Prozentpunkte hinzu und sind im neuen Ortschaftsrat mit sieben Vertretern dabei. Die Freien Wähler, die keine politische Richtung vertreten, wollen sich für die dringend nötige Sanierung der Grundschule einsetzen, sagt Ratsmitglied Andreas Stoppke. Die Schule sei für die Ansiedlung junger Familien sehr wichtig, so Stoppke. Die CDU stürzt auf 6,73 Prozent und ist nicht mehr im Gremium vertreten. Auch Die Linke büßt ein, bleibt jedoch im Rat, während es die SPD wie die Christdemokraten nicht mehr geschafft hat. Die AfD kommt auf 12,91 Prozent und ist erstmals im Ortschaftsrat dabei. Wahlbeteiligung: 74,1 Prozent.

Kleinolbersdorf-Altenhain: Die CDU bleibt im Stadtteil die stärkste Kraft, verliert aber rund 16 Prozentpunkte im Vergleich zur Vorwahl 2014. Die Freie Wählervereinigung gewinnt stark hinzu und kommt auf 34,05 Prozent. Damit gewinnt sie einen Platz im Ortschaftsrat hinzu und ist mit drei Mitgliedern vertreten, während die CDU einen Platz verliert (fünf Sitze). "Wir haben mit guten Kandidaten und unserer Parteiunabhängigkeit gepunktet", sagt Detlef Wuttke von der Wählervereinigung. Eine neue Turnhalle für den Ort sei das wichtigste Vorhaben für die nächsten fünf Jahre. Wahlbeteiligung: 77,5 Prozent.

Mittelbach: Die Freie Wählergemeinschaft bleibt stabil mit 58,13 Prozent die stärkste Kraft und behält sechs Sitze im Ortschaftsrat. Sie setzt sich für die Wahrung der ländlichen Identität Mittelbachs ein und distanziert sich in ihrem Wahlprogramm von Gewalt und Extremismus. Aus dem Stand gewinnt der Heimatverein Mittelbach 32,62 Prozent und stellt drei Vertreter im Gremium. Man sei angetreten, um den Ort gegenüber der Stadt parteienunabhängig zu vertreten und sich vor allem für die Infrastruktur einzusetzen, sagte Vereinsvorsitzender Marco Nawroth. Die CDU ist der große Verlierer: Sie büßt rund 30 Prozentpunkte ein und ist nur noch mit einer Person im Rat dabei (bisher vier). Wahlbeteiligung: 71 Prozent.

Röhrsdorf: Die etablierten Kräfte im Ortschaftsrat sind relativ stabil, die bisherige Sitzverteilung bleibt bestehen. Die Linke (fünf Sitze) verteidigt ihren ersten Platz. Sie verliert zwei Prozentpunkte, holt mit 35,19 Prozent dennoch ihr bestes Ergebnis unter allen Ortsteilen. Die Freie Wählervereinigung (vier Sitze) verharrt auf Platz zwei (30, 64 Prozent, minus drei Prozentpunkte). Die CDU (vier Sitze ) büßt zwei Prozentpunkte ein (27,78 Prozent), die Grünen schaffen es nicht in den Rat. Man wolle zügig neues Bauland für Häuslebauer erschließen und sich weiter um den Hochwasserschutz kümmern, sagte Hans-Joachim Siegel (Die Linke), der mit 1005 Stimmen mit Abstand das beste Ergebnis einfuhr. Auch der Breitbandausbau und die Streckenführung für das Chemnitzer Modell seien wichtige Themen der nächsten fünf Jahre, so Siegel. Wahlbeteiligung: 67 Prozent.

Wittgensdorf: Die CDU verliert an Boden. Sie büßt sechs Prozentpunkte und damit zwei Sitze ein (bisher acht). Die Linken verlieren drei Prozentpunkte und einen Sitz (von drei auf zwei). Pro Chemnitz, erstmals vertreten, kommt auf 20,48 Prozent und erhält zwei Sitze. Da die rechtsextreme Vereinigung nur mit einem Bewerber angetreten war, bleibt ein Sitz im Ortschaftsrat unbesetzt. Die SPD halbiert ihr Ergebnis von 2014 und ist mit 5,41 Prozent nicht mehr im Rat vertreten. Auch in anderen Orten schafften es Bewerber nicht in den Ortschaftsrat, obwohl sie die Fünf-Prozent-Hürde zum Teil deutlich übersprangen. Eine Stadtsprecherin erklärt, dass es in Sachsen bei Kommunalwahlen keine Fünf-Prozent-Hürde gibt. Vor allem wenn Parteien oder Wählervereinigungen einen sehr hohen Stimmenanteil erreichen und damit einen Großteil der Sitze erringen, kann es vorkommen, dass Gruppierungen mit mehr als fünf Prozent keinen Sitz im Ortschaftsrat erhalten, so die Sprecherin. Dies werde am Beispiel Wittgensdorf deutlich, wo etwa die CDU mit 50,2 Prozent 60 Prozent der Sitze erhält. Wahlbeteiligung: 62 Prozent.

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