Debatte um CFC-Stadionpacht - Das zahlen andere Vereine

Der Insolvenzverwalter hält die vom Rathaus für den Fall eines Aufstiegs veranschlagte Pacht für zu hoch und beruft sich unter anderem auf andere Vereine. Hat er recht?

Es ist eine der wichtigsten Stellschrauben für das Budget eines Fußball-Profiteams: die Kosten für den Spielbetrieb. Rund zwei Millionen Euro gaben die deutschen Drittligisten im Durchschnitt in der vergangenen Saison für diesen Posten aus. Die Stadionnutzung - ohne Kosten beispielsweise für den Ordnungsdienst kalkuliert - machte mit etwa 430.000 Euro den größten Einzelanteil aus, heißt es im DFB-Ligareport.

In Chemnitz sorgt die Höhe der Stadionpacht derzeit für einen Streit zwischen Rathaus und CFC. Bislang zahlt der insolvente Regionalligist für die spieltagsbezogene Nutzung des Stadions sowie für Geschäftsstelle und Fanshop rund 190.000 Euro jährlich an die Stadt; der Vertrag endet aber zum Saisonende. Da sich der sportliche Aufstieg der Himmelblauen andeutet, geht es nun um die Pachthöhe für die Dritte Liga. Für den Aufstiegsfall veranschlagt die Stadt pro Jahr 180.000 Euro Pacht zuzüglich 612.000 Euro für Betrieb und Instandhaltung des Stadions. CFC-Insolvenzverwalter Klaus Siemon hält das mit Verweis auf andere Vereine für viel zu hoch.

Dahinter verbergen sich allerdings höchst unterschiedliche Vertragsmodelle. Manche Vereine zahlen eine feste Pacht an die Kommune, andere müssen zudem auch die Betriebskosten tragen. Zum Teil mieten die Clubs das Stadion nur für die Spieltage, zum Teil für das ganze Jahr. Zudem variieren je nach Modell die Rechte, zum Beispiel für die Vermarktung, die die Vereine erwerben und die ihnen gegebenenfalls Einnahmen ermöglichen. Der Vergleich verdeutlicht dennoch: Die insgesamt 800.000 Euro, die der CFC für Pacht und Nebenkosten aufbringen soll, liegen über dem, was andere Vereine aus dem Osten überweisen müssen. Drittligist FSV Zwickau zahlt zum Beispiel jährlich 390.000 - inklusive Betriebskosten. Ähnlich hoch ist der Betrag, den der Hallesche FC entrichten muss. Besonders günstig kam lange Zeit Zweitligist 1.FC Heidenheim weg. Bis zum Verkauf des Stadions an den Verein im Sommer 2018 verlangte die Stadtverwaltung 2900 Euro Pacht pro Jahr. Zweitligist Erzgebirge Aue wendet für Pacht und Betriebskosten aller zum Stadion gehörenden Anlagen ähnlich viel auf, wie die Stadt Chemnitz nun vom CFC verlangt, erhält vom Landkreis aber einen Zuschuss in Höhe von 100.000Euro für die Betriebskosten.

Die Chemnitzer Stadtverwaltung beruft sich bei der von ihr geforderten Pachthöhe auf ein Schreiben der EU-Kommission vom Oktober 2013 zum Wettbewerbsrecht. Das Regelwerk wurde erlassen, um Unternehmen aus allen EU-Ländern gleiche Marktbedingungen einzuräumen und so zu verhindern, dass staatliche oder kommunale Einrichtungen den Wettbewerb verzerren. Da es sich bei der dritthöchsten Spielklasse um eine Profi-Liga handelt, sind Kommunen auch bei Fußballvereinen an die europäischen Vorgaben zum Wettbewerbsrecht gebunden. CFC-Insolvenzverwalter Siemon argumentiert, die EU-Kommission habe ihre Regeln zugunsten der Unterstützung von Sportvereinen aufgeweicht. Zuletzt hatte Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig Siemon angeboten, die Angelegenheit klären zu lassen - gerichtlich oder durch ein erneutes Prüfverfahren der EU-Kommission.

Die Brüsseler EU-Beamten untersuchen immer wieder Fälle auf mögliche Wettbewerbsverzerrungen, die im Zusammenhang mit Fußball-Profiteams stehen - mit unterschiedlichem Ausgang. So wurde die spanische Regierung 2016 aufgefordert, Beihilfen von sieben Vereinen zurückzufordern, darunter Real Madrid und der FC Barcelona. Unter anderem hatte der Staat Bürgschaften gewährt, die den Clubs einen Wettbewerbsvorteil verschafft hatten. Eher mit dem Fall des CFC vergleichbar ist ein noch älteres Verfahren. Die Stadt Tilburg hatte dem niederländischen Erstligisten Willem II 2010 rückwirkend die Stadionmiete gesenkt, was dem Verein einen Vorteil in Höhe von 2,4 Millionen Euro verschaffte. Die EU-Kommission genehmigte das mit der Begründung, der Club, der sich in finanziellen Schwierigkeiten befand, habe erheblich zu den Kosten für Umstrukturierungen beigetragen und mehrere Maßnahmen zugesagt, mit denen die durch die staatlichen Finanzhilfen verursachten Wettbewerbsverzerrungen begrenzt wurden - beispielsweise den Spielerkader reduziert und Gehälter gesenkt.

Eine Anfrage der "Freien Presse", ob Regeln für die Unterstützung für Sportvereine aufgeweicht wurden, ließ die deutsche Vertretung der EU-Kommission unbeantwortet. Offen blieb auch, wie lange ein neues Prüfverfahren dauern würde. Der CFC steht unter Zeitdruck: Die Lizenzierungsunterlagen für die Dritte Liga müssen bis zum 1. März beim DFB eingereicht werden.

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