Der Mann, der die perfekte Fahrt sucht

Ein Meinersdorfer will mit dem Rad bis nach Barcelona fahren. Dabei geht es aber nicht nur um Kilometer, sondern auch um jeden Zentimeter.

Meinersdorf.

Er sei kein Sonntags-Reisender, sagt Tim Marienfeld über sich. Der Meinersdorfer gehört zum Rad-Team "Steile Wand Meerane". "Freie Presse" berichtete bereits über den 29-Jährigen, als er vor etwa zwei Jahren über die Alpen bis nach Venedig fuhr. "Damals war die Strecke 1469 Kilometer lang. Am Tag habe ich zwischen 130 und 180 Kilometer geschafft", so Marienfeld.

Am Samstag will er nun nach Barcelona aufbrechen. Start soll um 6 Uhr sein. Die vor ihm liegende Strecke ist rund 2035 Kilometer lang. Eine Tagesfahrt soll jeweils über mindestens 180 Kilometer führen. Um sein Ziel zu erreichen, hat er sich einige Gedanken über Technik und Ausrüstung gemacht.

1. Die Reifen: "Oft fährt die Angst mit." Marienfeld spricht von einer Panne. Die hat er bisher nicht gehabt, wohl auch, weil seine Reifen zwischen Profil und Mantel noch einen extra Kautschukgürtel haben, sodass Reißzwecken oder Glas weniger gefährlich sind. "Aber es ist nicht nur das. Extrem wichtig bei längeren Strecken ist das richtige Profil, um den Rollwiderstand und damit Kraft und Zeit zu sparen", so Marienfeld. Auf dem Weg zum Bäcker sei das Profil eher egal, aber bei Tagestouren bringe die richtige Reifenwahl bis zu vier Kilometer in der Stunde weiter.

2. Die Navigation: Anhalten. Karte rausholen. Schauen. Karte einstecken, weiterfahren. "Das geht gar nicht. Da kommt jeder aus dem Tritt, es nervt, braucht Kraft und Zeit. Also müsse ein Navi her, so Marienfeld.

3. Die Gepäckträger: Marienfeld schwört hier ganz klar darauf, Qualität zu kaufen. Das hat mit einer früheren Tour zu tun. "Ich holte mir für Venedig einen billigen Gepäckträger, doch der hatte die Last nicht gehalten. Ein Teil ist weggebrochen, rutschte mir dann in die Zahnräder." Was auch nervt: Zu viel einzupacken. Bei seinen ersten Reisen: Da noch eine Extra-Jeans, dort noch ein Pullover. "Es ist schwer, ich weiß: Aber alles, was nicht wirklich unverzichtbar ist, bitte weglassen." Sein Trick: Funktionskleidung. Und nur ein Paar Schuhe, eine Hose.

4. Die Bremsen: Es klingt heute ein wenig sonderbar, aber als Marienfeld nach Venedig radelte, waren noch Felgenbremsen an seinem Rad. "Scheibenbremsen gab es zwar schon, aber bei vielen Radfahrern und Produzenten ist das damals noch nicht so angekommen. Auch bei mir nicht", so der Meinersdorfer. Bis ihm in den Alpen eine Felgenbremse versagte. "Das war Pech. Und Rennradler fahren nach wie vor mit Felgenbremsen. Aber ich habe mir gesagt: Ich wechsle." Schon psychologisch sei es wichtig - ein freier Kopf sei nicht zu unterschätzen.

5. Die Klickpedale: Früher fuhr er noch mit Turnschuhen. "Doch sicheres Fahren geht anders. Vor allem wenn es nass ist und man müde wird, hilft ein fester Tritt", so Marienfeld. Die Technologie ist ganz einfach: Der Schuh rastet mit der Sohle mit einem Klick in die Pedale ein. Das Gute: Mit diesen Schuhen kann man auch ganz normal durch die Gegend laufen. Beim Absteigen aber ist anfangs Erinnerungsvermögen gefragt. Denn der Fahrer muss durch Drehung des Fußes die Verbindung zum Pedal wieder lösen, bevor er absteigen kann. "Einmal bin ich so einen Hang mit Nesseln gefallen, Schuhe und Füße noch fest an den Pedalen geklickt." Heute lacht der Meinersdorfer darüber.

6. Der Trittfrequenzmesser: Klingt nach richtig Schnickschnack, ist aber in Wirklichkeit wichtig auf langen Strecken. "Es braucht ein Gefühl für den richtigen Rhythmus. Da ist so ein Gerät extrem hilfreich. Geschmeidiges Fahren tut zudem den Gelenken gut." Zumal es dann auch wie ein Drehzahlmesser funktioniere. Wann also ist es am günstigsten für den eigenen Fahrstil, zu schalten? Marienfeld: "Bei mir sind auf flacher Strecke 90 Umdrehungen pro Minute das Optimum. Mit dem Gerät halte ich dies durch."

7. Der Lenker und Sattel: Es geht um jeden Zentimeter - die genaue Relation von Rad zum eigenen Körper. Tut etwa der Rücken weh? "Ja, auf meiner Reise nach Venedig. Aber nur, weil Sattel, Lenker und Körperhaltung nicht optimal vermessen waren." Damals fuhr er noch ein 26er Rad, nun ein 29er. Seine nun auf ihn abgestimmten Maße: Zwischen Sattel und Tretlager sind es genau 78 Zentimeter, zwischen Sattelspitze und Lenkervorbau 47 Zentimeter."

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