Der Mensch als Werkzeug der Musik

Jeffrey Goldberg ist nicht nur Repetitor am Opernhaus, sondern auch Improvisateur, Musiker und Komponist. Nun nimmt er sich mit Freunden den Dichter Rilke vor.

Man sieht Jeffrey Goldberg an, wenn ihm sein Klavier fehlt. Ganz unbewusst schlägt er im Gespräch mit seinen Händen Akkorde auf unsichtbaren Tasten an, tritt in nicht vorhandene Pedale. Dieser Mann lebt Musik. Sitzt er an seinem Instrument, wird dies deutlich. Die Musik ist seine Welt. Er spricht, er erzählt, und fehlen ihm die Worte, setzen die Töne seine Sätze fort. Für den gebürtigen US-Amerikaner kein Widerspruch. "Worte sind doch Teil der Musik", sagt er.

Deshalb passen Lyrik und Musik in seinen Augen auch ganz wunderbar zusammen. In seinem aktuellen Projekt liefert er den Beweis: Im Veranstaltungsformat "Jeffrey Goldberg & Friends" nehmen sich ebendiese musikalisch Rainer Maria Rilke zur Brust. Sein aktueller Lieblingsdichter, sagt Goldberg. Gemeinsam mit Sängerin Guibee Yang, Violinist Ovidiu Simbotin, Schlagzeuger Jens Gagelmann und Schauspielerin Susanne Stein nähert er sich dem Werk des Schriftstellers mit Lesung, Gesang und Improvisationen auf dem Piano. Für Jeffrey Goldberg ist dies ein Herzensprojekt, auch weil seine Mitstreiter sich nicht nur im Veranstaltungstitel Freunde nennen.

Um sie überhaupt kennenzulernen, musste Goldberg einen weiten Weg gehen. Aufgewachsen in den Vereinigten Staaten von Amerika, entschloss sich Goldberg, Jahrgang 1964, für ein Musikstudium. Von der Bratsche sattelte er um aufs Piano, lernte komponieren, improvisieren, musizieren, aber auch zu lehren. "Ich gehöre einer ganzheitlichen Schule der Musik an, zu der das noch alles gehörte", erzählt der Musiker. Seine Hochschule: die Eliteuniversität Harvard, in der er auch von der Komponistenlegende Leonard Bernstein unterrichtet wurde. Promoviert hat der Musiker jedoch letztendlich nicht im Bereich Musik, sondern in der Pädagogik.

Nachdem er in den USA an mehreren Theatern gearbeitet hatte, zog Goldberg Ende der 1980er-Jahre nach Deutschland. "Weil man dort als Repetitor auch dirigieren konnte", begründet der Musiker den Schritt. Und er blieb im Land, arbeitete an diversen Theatern, darunter in Darmstadt und Hannover. Allein bei seiner Repetitorenarbeit beließ es Jeffrey Goldberg nie. Er komponierte Stücke, bestritt Sonderprogramme, lebte seine Kreativität aus.

2009 bewarb er sich in Chemnitz auf eine offene Repetitorenstelle, die er auch besetzte. Seitdem ist er aus dem Opernhaus nicht wegzudenken. Der Pianist studiert mit den anderen Gewerken des Hauses neue Produktionen ein, feilt an der Musik, bis sie sitzt, ersetzt am Klavier das Orchester während der Proben.

Doch auch seine eigene Kunst kommt nicht zu kurz. Den Chemnitzer Musikliebhabern ist er vor allem bekannt durch seine "Goldberg-Variationen", in denen er am Klavier eigene musikalische Ideen umsetzt. Am heutigen Samstag tritt er mit seinem Rilke-Programm auf, außerdem hat er das "Nachtcafé" ins Leben gerufen. Dabei handelt es sich um einen bunten Abend voller Chansons, Lieder und Geschichten rund ums Theaterleben mit Goldberg am Klavier sowie den Sängerinnen Claudia Müller-Kretschmer und Sylvia Schramm-Heilfort.

Doch was ist Jeffrey Goldberg nun genau? Er ist natürlich Künstler, ein weites Feld. Dann auch Musiker und Repetitor - aber alles weitere wandelt sich, wie er sagt. "Ich lasse sich das organisch entwickeln. Nachdem ich Dirigent sein wollte, merkte ich, dass ich auch Komponist sein will. Momentan bin ich eher Improvisateur", so Goldberg. Wo er noch hinwill? Kann er vorab nicht sagen, er will sich weiterhin von der Musik führen lassen.

"Jeffrey Goldberg & Friends" findet am heutigen Samstag, 20.30 Uhr, im Opernhaus-Foyer statt. Das Thema des Abends: "Ich hörte Dinge, die nicht hörbar sind." Improvisationen und musikalische Fantasien über Rilke und andere. Eintrittspreis: 15 Euro.

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