Eigenes Heim in Chemnitz immer teurer

Wer in der Stadt ein Haus oder eine Wohnung kaufen will, muss immer tiefer in die Tasche greifen. Experten sagen, die Nachfrage nach Immobilien sei dennoch ungebrochen.

Ob Häuschen im Grünen oder Eigentumswohnung: Der Traum von den eigenen vier Wänden lebt, auch in Chemnitz. "Die Nachfrage ist riesig", sagt Erik Gruber vom Unternehmen "Immoteufel". Baukindergeld und Niedrigzins befeuerten den Boom, so Gruber, zudem gelte das eigene Heim als Altersvorsorge.

Dass sich die steigende Nachfrage für die potenziellen Käufer finanziell nicht unbedingt positiv auswirkt, machen allerdings die von Gruber präsentierten Zahlen deutlich. Demnach stieg der Kaufpreis für ein Einfamilienhaus ohne Grundstück in mittlerer Wohnlage von durchschnittlich rund 180.000 Euro 2014 auf aktuell 240.000 Euro - ein Zuwachs von 30 Prozent.

Die Baupreise stiegen im selben Zeitraum von 1700 Euro auf 2100 Euro pro Quadratmeter. Bei neuen Eigentumswohnungen fällt der Anstieg noch drastischer aus. In mittlerer Lage schlagen sie mit 2400 Euro pro Quadratmeter zu Buche, ein Anstieg um das Doppelte seit 2014. Eigentumswohnungen im Bestand sind mit 900 Euro pro Quadratmeter deutlich günstiger, doch auch sie kosten 50 Prozent mehr als 2014.

Der Chef des Stadtplanungsamtes Börries Butenop schätzt den Bedarf bis 2030 auf insgesamt 2300 bis 3000 neue Eigenheime. Derzeit entstehen nach seinen Worten 200 bis 250 pro Jahr. Die Kommune untersuche 215 Standorte im gesamten Stadtgebiet als mögliche Bauflächen. "Wir gehen davon aus, dass wir den Bedarf bedienen können werden", sagt Butenop. Allerdings forciere man nicht unbedingt die "grüne Wiese" am Stadtrand. "Vorrangig schauen wir, wo wir nachverdichten, also Baulücken schließen können", so Butenop. Dort sei die Infrastruktur besser, von Einkaufsmöglichkeiten bis zu Bus und Bahn.

Dass das Umfeld stimmen muss, dem stimmt Ronny Braun zu. Er und seine Freundin wohnen derzeit zur Miete, doch das soll kein Dauerzustand bleiben. Eine eigenes Häuschen soll her. Doch die Suche nach einem Grundstück erweise sich als schwierig. "Gerade im Chemnitzer Norden, dort wo wir hinwollen". Ein anderes Paar, das anonym bleiben möchte, ist seit einem halben Jahr auf der Suche - bislang erfolglos. Die besonders nachgefragten Stadtteile, Rabenstein, Adelsberg, Schlosschemnitz oder Schönau, stehen auch bei ihnen ganz oben auf der Liste. Aber auch das Umland sei nicht ausgeschlossen, wenn sich nichts Passendes finde. Man stehe durchaus unter Zeitdruck: Ihr Kind komme in zwei Jahren in die Schule, spätestens dann wollen sie ins eigene Heim umziehen.

Auch Sandra Bayers Kind ist noch nicht im schulpflichtigen Alter. Die Schlosschemnitzerin möchte gern eine Eigentumswohnung kaufen, am liebsten in ihrem Stadtteil. "Ich gehe das Ganze ziemlich entspannt an", sagt sie. Von der Entwicklung der Preise zeigte sie sich nicht überrascht. Ihre Eigentumswohnung gern verkaufen will hingegen ein älteres Ehepaar aus Einsiedel - allerdings nicht sofort, sondern erst in ein paar Jahren. "Dann wollen wir in eine Mietwohnung ziehen, die zentrumsnäher liegt, schon wegen der besseren Infrastruktur", erzählen die beiden.

Tipps zum Kaufvertrag gibt hierbei Notar Robert Walter. Er erlebe es oft, sagt er, dass Käufer nach der Beurkundung des Kaufvertrags binnen kürzester Zeit die Übergabe erwarten. Bis zum Erhalt des Schlüssels vergingen aber in der Regel drei Monate. Käufer sollten eine schriftliche Finanzierungszusage ihrer Bank haben, Verkäufer jegliche Mängel am Objekt ungefragt offenbaren. Eine Gefahr seien zudem sogenannte Nebenabreden. Solche Parallelabsprachen zwischen Verkäufer und Käufer - etwa wenn dieser zur Immobilie auch noch Einrichtungsobjekte mit übernehmen und dafür einen Aufpreis zahlen soll -, seien grundsätzlich beurkundungsbedürftig. "Ansonsten sind nicht nur sie, sondern ist der gesamte Notarvertrag ungültig", warnt er. Als Unparteiischer habe er Verträge zudem nicht zu bewerten; weder Käufer noch Verkäufer könnten daher eine einseitige Rechtsberatung erwarten.

2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 7
    1
    Pixelghost
    31.10.2019

    @Interessierte, Deutschland hat - aufgrund der Sturm- und Umweltschäden - Holz im Überfluss.
    Deshalb muss man über dessen Verwendung als Baumaterial nicht jammern.

  • 2
    8
    Interessierte
    31.10.2019

    Das viele Holz für das Dach von 250 Eigenheimen pro Jahr …
    Und eine viertel Million ohne Grundstück wird eine halbe Million …

    "Vorrangig schauen wir, wo wir nachverdichten, also Baulücken schließen können", "Dort sei die Infrastruktur besser, von Einkaufsmöglichkeiten bis zu Bus und Bahn.

    ( da denke ich mal an die Lücke am Zöllnerplatz und auf der Müllerstraße und auf der Peterstraße sind auch viele Grundstücke frei und die beiden Ecken an der Gellertstraße … , und dort steht ggü. auch noch eine leere Villa



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