Ein Chemnitzer beim "Tatort"

Willy Dettmeyer, Sohn des Chemnitzer Kabarettisten Stephan Dettmeyer, arbeitet seit Jahren als Kameramann. Jetzt hat er einen seiner wichtigsten Filme gedreht. Dabei hat den 39-Jährigen vor allem eines überrascht.

Am Sonntag, den 23. Oktober, ab 20.15 Uhr sollte man Stephan Dettmeyer besser nicht anrufen. Denn da hat der Kabarettist, der als Ede Sachsenmeyer bekannt ist, schon was vor: "Da hänge ich vor der Röhre", sagt Dettmeyer. Anschauen wird er auf ARD eine neue Folge des Tatorts aus München. Sie trägt den Titel "Die Wahrheit". Nun ist es nicht so, dass Dettmeyer permanent abends vor dem Fernseher sitzt. Er hat einen triftigen Grund, sich den Film anzusehen. Denn hinter der Kamera stand sein Sohn, Willy Dettmeyer. Über den Erfolg seines Sprösslings sei er natürlich mächtig stolz, sagt der Kabarettist.

Willy Dettmeyer arbeitet schon seit 13 Jahren als Kameramann. Dass er genau diesen Beruf ergreifen möchte, bemerkte er spätestens kurz nach dem Abitur in Chemnitz, berichtet er. Damals drehte er mit der Filmwerkstatt Siegmar, Freunden und Klassenkameraden den Spielfilm "Splitterwelten". Unter anderen wirkte Theresa Weißbach mit, eine aus Stollberg stammende Schauspielerin, die später durch eine Rolle im Film "Sonnenallee" berühmt wurde. Der Film wurde im Cinestar gezeigt. "Seitdem war ich Feuer und Flamme für den Beruf", erinnert sich Dettmeyer. Später folgte ein Studium an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Mittlerweile lebt er als freier Kameramann in Berlin. Vor allem arbeite er für die Werbebranche, Aufträge für Spielfilme seien aber jedes Mal Höhepunkte, sagt er. Im vergangenen Jahr stand er für den Film "Dolores" des Südwestdeutschen Rundfunks hinter der Kamera, in diesem Jahr nun für einen Tatort.

Regie bei "Die Wahrheit" führte Sebastian Marka, ein Studienfreund Dettmeyers, mit dem er auch schon mehrfach gearbeitet habe. Er holte den Chemnitzer für die Produktion des Bayrischen Rundfunks mit ins Boot. Im April wurde schließlich 24 Tage lang in München gedreht.

Und warum geht es nun in dem neuen Tatort? "Die Handlung", sagt Dettmeyer, "entwickelt sich anders als beim klassischen Krimi". Am helllichten Tag werde ein Familienvater auf offener Straße erstochen. Doch der Mord scheint völlig motivlos zu sein, schildert der Kameramann. Es sei bei den Dreharbeiten darum gegangen, die Mühen der Kommissare Leitmayr und Batic möglichst realistisch darzustellen. Der Film zeige "unverblümt die dunklen Seiten des Polizeialltags", so der 39-Jährige. Für das Ermittlerduo sei es psychisch sehr belastend, im Trüben zu fischen, ohne Motiv und Täter-Opfer-Verbindung. "Es ist ein besonderer Tatort", sagt Dettmeyer, so objektiv wie es ihm als Mitwirkender, der mit Herzblut dabei war, eben möglich ist.

Kann jemanden, der seit Jahren schon im Beruf ist, noch etwas überraschen? Es kann. Die Kollegialität und der freundschaftliche Umgang am Set habe ihn tatsächlich überrascht, sagt Dettmeyer. Bei all der guten Stimmung, auch bei der Arbeit mit den Darstellern Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec, sei es leicht gewesen, "frei und kreativ zu sein".

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