Ein neuer Spielplatz und ein ungelöstes Problem

Wie entwickeln sich die einzelnen Chemnitzer Gebiete? Welche Projekte sind geplant? Wo gibt es Sorgen? "Freie Presse" nimmt die Stadtteile unter die Lupe. Heute: Kleinolbersdorf-Altenhain

Der Wander- und Radweg zwischen Kleinolbersdorf und Altenhain: Auf den ersten Metern des Weges, nahe der Ferdinandstraße in Kleinolbersdorf, haben Passanten freien Blick auf das für viele Einwohner wohl größte Ärgernis - den Neubau der B174. Nur wenige Meter entfernt rauscht der Verkehr vorbei, eine Lärmschutzmauer, wie an großen Teilen der Straße, gibt es hier nicht. An diesem Nachmittag hört man die Fahrzeuge kaum. Michael Teuchert streckt den Finger in die Luft: "Der Wind steht günstig, der Verkehrslärm wird vom Ort weggetragen", sagt er. Für das Mitglied des Bürgervereins Kleinolbersdorf-Altenhain ist der Verkehrslärm von der Transitstrecke "das erste Problem" im Ort. Dem Lärm sei von Anfang an zu wenig Beachtung geschenkt worden, sagt Teuchert. Nicht nur, dass die Lärmschutzwände zu niedrig gebaut worden seien, sie seien auch in unterschiedlichen Höhen errichtet worden. "Wir müssen im Ort mit einem gewissen Lärmpegel leben. Aber die neue Verkehrssituation ist für alle diejenigen tragisch, bei denen es bisher ruhig gewesen ist", erklärt Teuchert.

1995 ist er vom Sonnenberg nach Kleinolbersdorf-Altenhain gezogen. Kurz darauf, erinnert sich der Zöllner, habe der Kampf um den Erhalt der Grundschule begonnen. Weil es zu dieser Zeit zu wenige Schüler gab, sollte die Bildungsstätte geschlossen werden. "Die damalige Schulleiterin hat sehr viel für den Erhalt der Einrichtung getan. Eine eigene Schule ist Gold wert", sagt Teuchert. Heute gehe es in dem Gebäude eng zu, weil es mittlerweile wieder sehr viele Kinder im Ort gebe. Ein Platzproblem habe auch die Kita, berichtet er. Die erhielt vor einigen Jahren einen neuen Anbau. Doch der Ortschaftsrat hatte sich wegen der vielen Kinder eigentlich für einen Neubau ausgesprochen, erinnert sich Teuchert. Aus heutiger Sicht wäre es besser gewesen, neu zu bauen als zu erweitern, urteilt Teuchert.

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Dass es viele Kinder im Ort gibt, ist eine Folge der zahlreichen Ansiedlungen nach der Wende. Seit 1990 entstanden in Kleinolbersdorf-Altenhain rund 500 Eigenheime, etwa 900 Einwohner kamen hinzu. Doch mittlerweile ist Bauland knapp, sagt Teuchert. Größere freie Flächen gebe es nicht mehr, nur noch private Restflächen, so das Mitglied im Bürgerverein.

Neue Einwohner finden in Kleinolbersdorf-Altenhain eine Infrastruktur vor, für die ein Fahrzeug nötig ist. "Ohne Auto wird es hier schwer", meint Michael Teuchert. Zwar gibt es in Kleinolbersdorf-Altenhain eine Hausärztin, Physiotherapien, Grundschule, Kita und mehrere Gaststätten. "Aber ein Einkaufsmarkt fehlt ebenso wie eine Apotheke", sagt Teuchert. Busse des Stadtverkehrs fahren in der Woche stündlich, am Wochenende alle zwei Stunden in die Stadt. Wer ins Zentrum will, muss jedoch in Bernsdorf umsteigen. Für Jugendliche bietet die SG Kleinolbersdorf-Altenhain Freizeitmöglichkeiten, sagt Teuchert. Am Goethering, am Ende der Gartenstadt, wurde zudem ein Platz für junge Leute geschaffen. Dort können sie Volleyball und Tischtennis spielen oder einfach nur quatschen. Der Ortschaftsrat habe Wert auf den Platz gelegt, sagt Teuchert.

Er lebt gern in Kleinolbersdorf-Altenhain. Dass er das Landleben mag, habe er erst nach seinem Umzug in den Ort gemerkt, sagt er. Vom Verkehrslärm abgesehen, gebe es keine größeren Probleme, meint Michael Teuchert. "Und an den kleinen Problemen arbeiten wir", sagt er. So wurde im vergangenen Jahr in Altenhain ein neuer Spielplatz geschaffen. "Dafür haben sich alle eingesetzt", sagt er. Ein anderes kleines Problem sei die fehlende Befestigung des Weges zwischen Kleinolbersdorf und Schösserholz in Adelsberg. Seit einiger Zeit werde darüber schon diskutiert, "dabei ist der Weg die kürzeste Verbindung zwischen Kleinolbersdorf und der Stadt", sagt Teuchert. Er hofft, dass sich bald was tut, "schließlich geht es nur um rund 200 Meter".


Das ist Kleinolbersdorf-Altenhain

Ende Februar lebten in Kleinolbersdorf-Altenhain 2199 Menschen. Der Stadtteil ist mit 13,11 Quadratkilometern der zweitgrößte in Chemnitz, nur Grüna ist größer (13,84). Seit der Wende ist die Einwohnerzahl durch die Ausweisung von Wohngebieten stark gestiegen. 1990 waren in beiden Orten noch rund 1300 Menschen zu Hause. Der Ort wurde 1997 von Chemnitz eingemeindet. (hfn)

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