Eltern senden SOS: Funkmast steht direkt vor der Grundschule

Bornaer fürchten um die Gesundheit ihrer Kinder: In wenigen Tagen geht die Riesen-Antenne ans Netz. Aus Sicht der Mütter und Väter gibt es nur noch eine Chance, den Dauerbetrieb zu verhindern.

Borna-Heinersdorf.

Erst ist vor der Schule ein Loch gegraben worden - da dachten Eltern und Schulleitung noch, der angekündigte Bau der Wittgensdorfer Straße beginnt. Kurz darauf wurde ein massives Betonfundament gesetzt- das passte schon nicht mehr zur Straßenbauthese. Eine Bautafel, die über die Arbeiten informiert? Fehlanzeige. Um das Rätsel zu lösen, hat Tilo Oeser, Leiter der Grundschule in Borna, im Rathaus angerufen und war danach platt: Vor dem Schulgelände wird ein 33Meter hoher Funkmast der Telekom errichtet, lautete die Antwort aus der Stadtverwaltung. Das war vor etwa vier Wochen. Inzwischen steht die Riesenantenne von Borna. Nach Angaben der Telekom geht sie Ende Juli ans Netz.

Die Nachricht hat die Eltern in Alarmstimmung versetzt, schildert Annett Meylan, Sprecherin des Elternrates. Sie sind verärgert und verunsichert. Zwar heißt es, dass die Strahlung deutlich unter den Grenzwerten liege und ungefährlich sei, aber Zweifel bleiben, so Meylan. "Niemand kann garantieren, dass die Gesundheit der Kinder nicht doch langfristig gefährdet wird."


Die Stadt, auf deren Grundstück der Funkmast steht, teilt die Bedenken nicht. Vorsorglich habe das Umweltamt auf einen Abstand von mindestens 100 Metern geachtet. Das sei mehr als der Gesetzgeber fordert. 100 Meter - diese Angabe bezieht sich auf die Entfernung zwischen Funkmast und Schulhaus. Bis zum Eingangstor des Schulgeländes sind es nur etwa zehn Meter.

Lars Brünnel, Vater eines Zweitklässlers, fordert namens der Eltern dennoch ein grundsätzliches Bekenntnis der Stadt, Sendestationen nicht vor Kindereinrichtungen zuzulassen. Schon eine potenzielle Gefährdung sollte ausreichen, solch einen Standort abzulehnen, sagt er. Dem stimmt Schulleiter Oeser zu. "Die Stadt hat eine Fürsorgepflicht. Solch eine Antenne darf nicht vor einer Schule aufgestellt werden. Bei uns gibt es so viele Freiflächen, aber die Mobilfunkstation wird den Kindern direkt vor die Nase gesetzt", schimpft er. In Borna lernen annähernd 160 Erst- bis Viertklässler.

Der Forderung folgt die Verwaltung nicht. Etwa 300 Messungen in Schulen und Kindertagesstätten, in deren Nähe bereits eine Sendeanlage steht, hätten ergeben, "dass die Belastung durch Mobilfunk sehr gering ist und weit unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte liegt". Es gebe keinen wissenschaftlichen Nachweis für eine Gesundheitsgefährdung. Demnach schätzt die Stadt den Standort an der Wittgensdorfer Straße weiterhin als geeignet ein. Sie hat ihn nach Angaben eines Telekom-Sprechers sogar selbst vorgeschlagen. Insgesamt seien fünf Flächen detailliert geprüft worden. Der städtischen Einschätzung, was die Unbedenklichkeit der Anlage für die Kinder-Gesundheit betrifft, folgen der Betreiber Telekom und die Bundesnetzagentur als Genehmigungsbehörde.

Der neue Turm, der für mehrere Mobilfunksysteme ausgerichtet ist, soll laut Telekom die Anlage an der Sandstraße ersetzen, die künftig nicht mehr genutzt werde. Der neue Standort versorge einen Bereich im Umkreis von bis zu 1,5 Kilometer. Ein Telekom-Sprecher bestätigt indes, was die Eltern schon befürchteten: Der Mast soll an andere Netzbetreiber untervermietet werden.

Bereits im Februar 2015 wurde die Anlage in Schulnähe von der Bundesnetzagentur genehmigt, ist auf der Internetseite der Behörde nachzulesen. Das Rathaus zog mit der Baugenehmigung im August vergangenen Jahres nach. Weshalb Schule und Eltern nicht früher in die Baupläne eingeweiht wurden, darauf gab die Stadt keine Antwort. Nur soviel: Im Amtsblatt habe es gestanden.

Bei allem Ärger über fehlende Informationen bescheinigen Elternvertreter und Schulleiter den beteiligten Behörden inzwischen Entgegenkommen, nachdem der Protest laut genug war. Allerdings sind sie gestern erneut enttäuscht worden, sagt Oeser. Eigentlich sollten am Morgen zwei Messcontainer aufgestellt werden - einer am jetzigen, einer am künftigen Schulstandort, der ehemaligen Körperbehindertenschule. Ziel war, die Strahlungsintensität vor und nach Inbetriebnahme des Funkmastes zu messen. Daraus wird nichts. Kurzfristig erhielt die Schule die Nachricht, dass die Technik derzeit nicht verfügbar sei. Jetzt wird der August als neuer Termin genannt. Die Bundesnetzagentur äußerte sich auf Anfrage noch vorsichtiger: Eine Langzeitmessung über etwa drei Monate werde erwogen. Trotzdem sehen die Eltern in der Messung ihre letzte Chance: Sollten die Werte zu hoch sein, muss er wieder außer Betrieb gehen, fordert Meylan. "Das Beste wäre, der Mast kommt ganz weg", sagt Schulleiter Oeser schon jetzt.


Kommentar: Nachsitzen bitte!

Niemand hat etwas verkehrt gemacht, jeder hat sich an Recht und Gesetz gehalten, an Grenzwerte und Richtlinien - und doch ist im Fall der Bornaer Riesenantenne allerhand schief gelaufen. Der Elternprotest ist mehr als verständlich. Grenzwert hin oder her. Ein Funkmast direkt vor der Schultür löst natürlich ein ungutes Gefühl aus. Selbst wenn Studien eine ungefährliche Strahlenintensität erwarten lassen. Aber ist sie deshalb gesund? Dieses Misstrauen fördert die Stadt zusätzlich durch ihre Nicht-Information. Offenbar wollte die Behörde einer Diskussion aus dem Weg gehen. Wäre Kommunikation ein Schulfach, würden die Rathausmitarbeiter sitzen bleiben.

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17Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    4
    PeKa
    23.06.2016

    @f1234, was verstehen Sie denn unter grün-religiös? So viel ich weiß, gibt es heute Judentum, Christentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus sowie zahlreiche Naturreligionen. Aber eine grüne Religion? Auf welche Schrift soll sich diese denn berufen?

    Ja und was haben Sie eigentlich gegen Volkserziehung an sich?

  • 4
    0
    f1234
    23.06.2016

    @Bewi: "...Die Wirkung der mit 50 Watt Dauerleistung (auf Biofrequenzen gepulst) strahlenden Sender ist stark umstritten..."

    Wieso ist die Wirkung "stark umstritten"? Aus wissenschaftlicher Sicht wohl nicht, sondern nur aus grün-religiöser Sicht.

    Meines Wissens gibt es KEINE EINZIGE wissenschaftliche Studie, die auch nur die geringste Gesundheitsgefahr der Strahlung dieser Funkmasten belegt. Genauso, wie es dies nicht für Genfood oder Glyphosat gibt.

    Aber wie schon gesagt, um Wissenschaft geht es den Grünen nicht, sondern um Glaube, Volkserziehung und Fortschrittsfeindlichkeit....

  • 4
    0
    ernstel1973
    23.06.2016

    @Niemand: Super, dass Sie grammatikalische Defizite erkennen, aber gleichzeitig nicht in der Lage sind, einen Sack voll Zynismus à la f1234 festzustellen ...

  • 2
    2
    Bewi
    22.06.2016

    Komischerweise ist der deutsche Grenzwert einer der höchsten in Europa (selbst der russische liegt niedriger). Die Wirkung der mit 50 Watt Dauerleistung (auf Biofrequenzen gepulst) strahlenden Sender ist stark umstritten. Auch Asbest galt bis vor einigen Jahren als ungefährlich.

  • 3
    0
    schlossbewohner
    22.06.2016

    Elektromagnetische Strahlung schwächt sich entfernungsabhängig mit dem Faktor 1/r² ab: Bei doppeltem Abstand zum Beispiel erreicht dann nur ein Viertel der Strahlungsenergie den Kopf. Zwar emittieren diese Funkmasten ständig Funkwellen, dies aber aus großem Abstand. Daher bleibt die Strahlungsenergie, die von ihnen zum Menschen gelangt, sehr gering: Im Mittel beträgt sie nach Berechnungen 0,05 Prozent des Grenzwerts, den Handys beim Gespräch unterschreiten müssen. Auch ganz in der Nähe einer Mobilfunk Basisstation wird im ungünstigsten Fall eine Energie von 1 Prozent des Grenzwerts in die Gebäude transportiert.

  • 2
    4
    Niemand
    22.06.2016

    @f1234: Sie haben in der Grammatik Defizite. Richtig wäre gewesen, wenn es z.B. "tödlichem" geheißen hätte. Leider ist das nicht das Schlimmste!
    Ein Funkmast hat gerade in seiner unmittelbaren Umgebung oder an seinem Fuß die geringste Strahlung. Das können Sie auch im Internet nachlesen. Doch Vorsicht: Internet wird mit Atomstrom betrieben ..... und vielleicht wird Ihr Internet ja auch per Funk übertragen?
    Sicherlich ist die Strahlung von Handy & Co. nicht ganz harmlos .... aber Ihre pauschal Schelte und Verteufelung moderner Technik hilft keinesfalls. Ich fürchte, für Ihren Kommentar hat auch der Hamster keine Runden im Rad ... zur Energieerzeugung gedreht.
    Wenn Sie die moderne Technik ablehnen (wie die herbeigerufenen Grünen ...) dann bitte ohne deren Zuhilfenahme!

  • 2
    1
    Blackadder
    22.06.2016

    @f1234: Ironie? Ich frage lieber mal nach, man weiß ja nie...

  • 5
    7
    f1234
    22.06.2016

    Einfach nur noch Wahnsinn! Als ob die Millionen Toten weltweit durch Handystrahlung nicht abschreckendes Beispiel genug wären. Es gibt tausende knallharte wissenschaftliche Studien, die unwiderlegbar bewiesen haben, dass diese Strahlung tödlich ist und trotzdem wird so ein Mast gebaut. Neben der Schule! Wo sind hier die EU-Kommission oder die Grüne Jugend, die endlich diese unsäglichen totbringenden Handys verbieten? Warum gelingt das bei tödlichen Glyphosat, jegliches menschliche Leben vernichtenden Genfood oder den permanent explodierenden Atommeilern und nicht hier?

  • 1
    7
    1252548
    22.06.2016

    Es ist genauso wie in Frankenberg. Auf dem Kasernengelände war der Funkmast zu gefährlich für die Soldaten. Nahe der neugeschaffenen Eigenheime von Eltern mit Kindern ist der Funkmast angeblich unbedenklich.
    Auf unbewohnten Gelände wäre es zu teuer gewesen???

  • 5
    3
    PeKa
    22.06.2016

    Liebe Eltern, noch nie was vom Fluch der modernen Technik gehört?

  • 10
    1
    ernstel1973
    22.06.2016

    Da neigen wieder ein paar Helikoptereltern zur gemeinschaftlichen Hysterie und Scheinheiligkeit. Wenn dem Schulleiter bzw. den Eltern die Gesundheit ihrer Schützlinge so wichtig ist, dann sollte auch im Schulhaus und in den eigenen 4 Wänden konsequent Fernseher, Computer, HiFi-Anlage, Auto und Mikrowelle entsorgt und gleichzeitig auf getrennte Stromkreise, die sich einzeln abschalten lassen, geachtet werden.

    Ich denke, die tägliche Senderleistung von RTL & Co. sind weitaus schädlicher fürs Kinderköpfchen als ein Telekomfunkmast.

  • 9
    1
    schlossbewohner
    22.06.2016

    Ich glaube, die Leute lassen nur das Gefühl sprechen. Wer sich näher mit dem Thema befasst, der lernt, dass die Stahlungswerte des Mastes in dieser Entfernung niedriger sind, als die der Telefone. Die Argumentation ist scheinheilig. Außerdem steht der Mast überhaupt nicht "direkt" davor". Diese Leute werden von ihren diffusen Ängsten krank. Und ein Handy haben sie sicher noch nie angefasst...

  • 9
    1
    Deluxe
    22.06.2016

    Und hätte man den Mast ein paar Meter weiter weg gebaut, sodaß ihn von der Grunschule aus keiner sehen könnte, würde auch niemand protestieren...

    Überall und zu jeder Zeit per LTE online sein wollen, aber dann über Funkmasten diskutieren...
    Lächerlich!

  • 8
    1
    beast1318
    22.06.2016

    Und wieviel dieser Eltern nutzen kein Handy/Smartphone? Wiwviele dieser Kinder hat keines dieser "Kästen"? Also liebe protestierende Erziehungsberechtigte - nehmt Euren Kindern die Quatschkästchen weg und legt Eure eigenen still- dann braucht man auch keinen Funkmast....

  • 10
    3
    berndischulzi
    22.06.2016

    Wenn die Bälger das Handy auf dem Nachtschränkchen liegen haben, dann ist das kein Problem. In einfachen Hirnen fruchten eben auch einfache Parolen irgendwelcher Umweltgurus.

  • 14
    2
    Hinterfragt
    22.06.2016

    Na, dann sollten die Eltern mal ihren Kindern die Smartphones wegnehmen, denn die sind für diese viel lebensgefährlicher als dieser Funkmast.

    Wenn die Kinder ständig aufs Smartphone glotzend, unaufmerksam durch die Gegend rennen und ohne auch nur nach links und rechts zuschauen einfach auf die Straße latschen ist viel gefährlicher.

    Und zu Hause in der Küche leiert bestimmt ach eine Microwelle um mal schnell was warm zu machen , weil es ja schneller geht als richtig kochen.

  • 14
    3
    Lexisdark
    22.06.2016

    Wie hier wieder gegen etwas argumentiert wird, ist doch eigentlich unter jedem Niveau... Selbst wahrscheinlich dauernd das Smartphone in der Hand und meckern, wenn das Netz nicht gut genug ist, aber die entsprechende Technik dafür soll doch bitte unsichtbar sein... Was soll der Unfug? Man kann sich Dinge auch einbilden, wahrscheinlich haben bald alle Kinder Kopfschmerzen und wer weiß was noch...



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