Für Fitness und Motorik - Kinder sprinten um die Wette

Mädchen und Jungen von mehreren Grundschulen absolvieren in dieser Woche einen Parcours. Das Projekt hat einen ernsten Hintergrund.

Bräunsdorf.

Dass Julie zu den Schnellsten gehört, erkennt man auch ohne Zeitmessung sofort. Die Zehnjährige sprintet los, macht flugs kehrt und umkurvt geschickt die Hütchen, ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren. Ein mit Laser und Sensoren ausgestattetes Messgerät spuckt sofort das Ergebnis aus: Knapp sechs Sekunden hat die Viertklässlerin der Evangelischen Grundschule in Bräunsdorf gebraucht - ein überdurchschnittlicher Wert. Julies Erklärung, warum sie so gut abschneidet: "Ich turne im Verein und mache auch sonst gern Sport: Ich renne und spiele Fußball."

Den sogenannten Kindersprint absolvierten am Dienstag alle Bräunsdorfer Grundschüler. Der Parcours besteht aus einem geraden Hinweg sowie einem Rückweg, der im Slalom zu absolvieren ist. Insgesamt werden 17 Meter in höchstem Tempo zurückgelegt. Ein aufleuchtender Pfeil auf dem Messgerät zeigt zu Beginn an, auf welcher Seite gestartet werden muss, sodass auch die Reaktionszeit eine Rolle spielt.

Nicht alle Schüler agieren so sicher wie Julie. Einige laufen beim Umkehren einen großen Bogen und lassen so Zeit liegen, andere verlieren beim Slalom die Orientierung. Keinem der Kinder aber scheint dadurch der Spaß zu vergehen. Sie feuern einander an und fragen nach dem Zieldurchlauf sofort nach, ob sie ihre Zeit im Vergleich zum vorigen Mal verbessert haben. "So etwas gibt es im Sportunterricht sonst nicht. Das ist etwas ganz Besonderes", sagt Simeon (10) mit Blick auf den Parcours.

Die Verantwortlichen vom Leipziger Unternehmen Contacts & Sports werden es gern hören. "Das Ziel ist, Kinder für Sport zu begeistern und die Freude an der Bewegung zu fördern", sagt Trainer Christian Opitz, der die Mädchen und Jungen immer wieder motiviert. Der Kindersprint wird in ganz Ostdeutschland angeboten. In dieser Woche bildet Limbach-Oberfrohna einen Schwerpunkt. Kinder rennen nicht nur in Bräunsdorf um die Wette, sondern auch an der Thomas-Müntzer-Grundschule, im Hort der Goetheschule sowie an Schulen in Callenberg und Burgstädt. Am Samstag findet die Abschlussveranstaltung in Limbach-Oberfrohna statt (siehe Infokasten).

Mit dem Kindersprint soll zugleich versucht werden, gesellschaftliche Fehlentwicklungen ein Stück weit zu korrigieren. Nach Angaben von Matthias Härzschel, Geschäftsführer des Leipziger Unternehmens, bewegen sich viele Kinder in Deutschland zu wenig. "Die motorischen Fähigkeiten nehmen ab." Auch auf eine gesunde Ernährung werde zu wenig geachtet. Das habe eine Langzeitstudie des Robert-Koch-Instituts zur Gesundheit von Kindern gezeigt. Härzschel und seine Mitarbeiter diskutieren derzeit mit Sportwissenschaftlern der Universität Leipzig über die Frage, inwiefern Messgeräte wie jenes, das beim Kindersprint zum Einsatz kommt, auch im regulären Sportunterricht verwendet werden können.

Die Amtsärztin des Landkreises Zwickau, Carina Pilling, hatte bereits vor drei Jahren auf Defizite bei Vorschülern aufmerksam gemacht. Als Ergebnis der Schuluntersuchungen weist etwa jedes fünfte Kind Förderbedarf bei der Grobmotorik auf, bei der Feinmotorik sind es noch mehr (siehe Tabelle). Zählt man übergewichtige sowie krankhaft fettleibige Kinder zusammen, sind etwa zehn Prozent eines Jahrgangs betroffen.


Finale mit Siegerehrung

Der Kindersprint-Parcours wird am Samstag, 28. September, ab 10 Uhr noch einmal auf dem Gelände des Autohauses Lohs an der Kreuzeiche in Limbach-Oberfrohna aufgebaut. Alle Grundschüler können teilnehmen, egal ob die Projektverantwortlichen schon an ihrer Schule zu Gast warenoder nicht. Den Siegern winken Pokale und Urkunden. Außerdem präsentieren sich an jenem Tag mehrere Sportvereine und die Feuerwehr. (jop)

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 3
    2
    1053433
    25.09.2019

    Wieder einmal wird versucht, die Eltern von schulpflichtigen Kindern in diverse Einkaufszentren oder Autohäuser unter dem Deckmantel der gute Sache zu locken. Die Freie Presse bringt unreflektiert einen Werbeartikel dazu. Der Spiegel und auch die TAZ berichteten schon über dieses Geschäftsmodell. Der Verein LobbyContol hat diesem Thema einen sehr interessanten Artikel gewidmet. Aufgrund der Recherchen von LobbyContol zog sich 2018 die BARMER aus diesem Angebot zurück.

    Quellen:

    https://www.lobbycontrol.de/2018/05/erfolg-barmer-stellt-umstrittenes-werbeprojekt-an-schulen-ein/

    https://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/deutschland-schleichwerbung-an-schulen-alarmiert-eltern-und-politiker-a-1204579.html

    https://taz.de/Werbung-an-Schulen/!5504707/



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