Fußweg zum Zug: Reisende verärgert über langen Fußmarsch

Wegen Bauarbeiten endet die Linie Chemnitz - Leipzig am Haltepunkt Küchwald. Ersatzbusse fahren nicht bis zum Bahnsteig. Zudem ist die Station relativ unbekannt.

Borna-Heinersdorf.

Die Bremsen quietschen, der Zug aus Leipzig kommt am Haltepunkt Küchwald zum Stehen. Türen öffnen sich, die Reisenden steigen aus und schauen sich kurz auf dem Bahnsteig um. Danach folgen sie zügig den auf dem asphaltierten Fußweg aufgebrachten Fußspuren, laufen durch den Tunnel auf dem Irrbornweg zur Einmündung Draisdorfer Straße. Dort steigen sie in den wartenden Bus, der sie zum Hauptbahnhof bringt. Die ersten schaffen die rund 400 Meter lange Strecke in fünf Minuten, viele brauchen länger. "Schöner wäre es ohne den Fußweg, aber ich verstehe den Grund für die Einschränkungen", sagt ein junger Mann.

Seit Donnerstag müssen Zugreisende zwischen Chemnitz und Leipzig den Fußweg auf sich nehmen. Wegen Bauarbeiten am Eisenbahnviadukt über die Blankenauer Straße können Züge bis 19. September den Hauptbahnhof nicht anfahren. Der zuständige Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) hat Schienenersatzverkehr (SEV) vom Hauptbahnhof bis zum Haltepunkt Küchwald eingerichtet. Doch wegen der beengten Lage vor Ort halten die Busse an der Draisdorfer Straße in Nähe der Einmündung zum Irrbornweg, die Zuggäste müssen bis zum Bahnsteig laufen. Eine ältere Frau, die nach Leipzig unterwegs war, schimpfte: "Die lange Fußstrecke ist nicht in Ordnung", sagte sie etwas außer Atem bevor sie in den Zug stieg. "Es gibt sicherlich Fahrgäste, die den Weg beschwerlich finden", sagte ein junger Mann mit Rucksack. Die Mitnahme von Fahrrädern und Kinderwagen ist in den Bussen nur begrenzt möglich, erklärt der VMS. Rollstuhlfahrer werden nach Anmeldung mit einem gesonderten Busverkehr zwischen Chemnitz und Leipzig befördert. Zur Unterstützung der Fahrgäste am Küchwald sind von 6 bis 22 Uhr Servicemitarbeiter am Haltepunkt im Einsatz, so der Verkehrsverbund.


Kritik kommt auch von der ehemaligen Generaldirektorin der Kunstsammlungen, Ingrid Mössinger. Seit mehr als 20 Jahren ist sie mit dem Zug zwischen Chemnitz und Leipzig unterwegs und nachdem sie 2018 in den Ruhestand ging, oft zu Gast in Chemnitz. Die Ersatzhaltestelle an der Draisdorfer Straße und der damit verbundene Fußweg stoßen bei ihr auf Widerstand. "Beides richtet sich vollständig gegen die Schwächsten", sagt sie. Mössinger hatte schon früher die Zugstrecke nach Leipzig kritisiert, unter anderem wegen der veralteten Wagen. Doch der nun eingerichtete SEV sei "eine völlige Zumutung und völlig unbegreiflich". Mössinger fragt: "Was muss sich Chemnitz noch gefallen lassen?" Mössinger hat Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig über die Situation am Haltepunkt informiert. Die OB erklärte am Donnerstag über eine Stadtsprecherin: "Der lange Fußweg ist für alle eine Zumutung." Sie habe darum gebeten, dass VMS und Mitteldeutsche Regiobahn, die die Strecke nach Leipzig betreibt, schnell eine bessere Lösung finden, beispielsweise einen Umstieg in Burgstädt.

Zuvor hatten die Bundestagsabgeordneten Detlef Müller (SPD) und Frank Heinrich (CDU) den Fußweg bemängelt. Laut Fahrplan stehen dafür zehn Minuten zur Verfügung. Für Reisende mit Gepäck, kleinen Kindern oder auch für ältere Menschen ist dies kaum zu schaffen, erklärten beide. Wie Ludwig schlagen sie vor, dass die Busse des SEV bis nach Burgstädt fahren. Dort seien die Wege kürzer. Der VMS lehnt die Forderung ab. Die Strecke nach Burgstädt führe in Chemnitz über die Leipziger Straße, dort komme es oft zu Staus, sagte VMS-Geschäftsführer Harald Neuhaus. Damit die Busse pünktlich in Burgstädt ankommen, müssten sie mit großem Zeitpuffer in Chemnitz losfahren.

Ein ganz anderes Problem hatten am Donnerstag Reisende, die sich mit dem Auto zum Haltepunkt Küchwald bringen ließen oder dort abgeholt werden sollten. "Der Taxifahrer kannte den Haltepunkt nicht", sagte eine Frau, die mit dem Taxi zur Draisdorfer Straße gefahren war. Die Fahrt geriet zum Problem. Auch Kollegen, die ihr Fahrer am Busbahnhof fragte, wussten zunächst nicht weiter, berichtete sie. Ähnlich erging es einer Reisenden aus Leipzig. Sie wartete an der Ersatz-Bushaltestelle der Draisdorfer Straße auf einen Freund, der sie abholen wollte. "Er steht mit dem Auto auf der anderen Seite des Bahnsteigs an der Rilkestraße. Die Haltestelle ist einfach nicht bekannt", sagte die Frau nach einem Telefonat mit dem Mann. Dann machte sie sich zu Fuß auf den Weg durch den Tunnel und über den Irrbornweg weiter zur Rilkestraße. Der Haltepunkt Küchwald war im Dezember eröffnet worden.

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1Kommentare
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  • 3
    1
    Riezy09224
    24.05.2019

    Es gibt eine Alternative nach Leipzig, allerdings mit Umstieg in Glauchau und nochmals in Gößnitz.



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