Gute Aussichten für ein altes Eisenbahner-Viertel

Hilbersdorf ist weder als Standort von Einfamilienhäusern noch für attraktive Eigentumswohnungen bekannt. Dabei gibt es hier beides. Und die Einwohnerzahl wächst.

Hilbersdorf.

Vor 290 Millionen Jahren begrub hier der Ascheregen eines Vulkan-Ausbruchs einen Wald unter sich und ließ ihn versteinern. Im 20. Jahrhundert entstand in Hilbersdorf einer der größten Rangierbahnhöfe Deutschlands. Davon zeugen heute nur noch Museen. Ein Viertel, in dem viele aktive und ehemalige Eisenbahner wohnen, ist der Stadtteil zu beiden Seiten der Frankenberger Straße mit seinen Häusern von der Gründerzeit bis zu den 1960er-Jahren bis heute geblieben.

Doch das Bild wandelt sich. Nach einem Einbruch nach der Wende ist die Einwohnerzahl von etwa 5500 im Jahr 1998 wieder auf jetzt knapp 7000 angewachsen. Der Altersdurchschnitt der Hilbersdorfer zählt mit rund 41 Jahren neben dem Lutherviertel (39), dem Sonnenberg (40), Schloßchemnitz (41) und dem Kaßberg (42) zu den niedrigsten in Chemnitz. Zum Vergleich: Im Yorckgebiet liegt er bei über 58, in Kapellenberg bei mehr als 57 Jahren.

Wer den Zuzug ganz unmittelbar mit eigenen Augen sehen möchte, hat dazu an der Rudolf-Liebold-Straße Gelegenheit. Gerade in den vergangenen Tagen bestimmten dort Autos von Einrichtungsfirmen und Möbelwagen das Bild. Denn im neuen Wohngebiet "Albertpark" ist das erste Mehrfamilienhaus fertig geworden. Das von seinem Bauherrn, der Limbach-Oberfrohnaer Immobilienfirma Eltrik-Grund "Stadtpalais ,König Albert'" genannte Gebäude beherbergt auf fünf Etagen zehn moderne Eigentumswohnungen mit zusammen rund 1000 Quadratmetern Wohnfläche. Sie sind laut Eltrik-Grund-Geschäftsführer Michael Wagner bereits fast alle verkauft, überwiegend an Selbstnutzer. Begonnen hatte der Hausbau im September 2014.

"Mir gefällt die zentrale Lage", sagt ein alleinstehender Mittvierziger, der gerade eingezogen ist und anonym bleiben möchte. Vorher hat er in Bernsdorf gewohnt. Vom südlichen Rand Hilbersdorfs sei er noch schneller auf Arbeit, im Stadtzentrum und erst recht in der Sachsen-Allee. Das nur wenige hundert Meter entfernte Einkaufszentrum und dahinter die Innenstadt liegen den Anwohnern der Rudolf-Liebold-Straße praktisch zu Füßen. Von den beiden Penthaus-Wohnungen im Dachgeschoss aus können sie nach links ins neue CFC-Stadion und rechts bis aufs Dach des Turms der Schloßkirche blicken.

"Wir haben hier einen sehr guten Querschnitt sowohl vom Alter zwischen 30 und 60 Jahren als auch von der Familienstruktur her", sagt Wagner. Besonders beliebt sei die Wohnlage bei Mitarbeitern von Unternehmen, deren Firmenzentralen an der Chemnitztalstraße und der Straße der Nationen bequem zu Fuß erreichbar sind.

Und das gilt nicht nur für die Eigentumswohnungen im "Stadtpalais ,König Albert'", zu dem noch ein ähnliches Mehrfamilienhaus hinzukommen soll. Dafür gibt es bereits erste Vorplanungen. Zum insgesamt reichlich einen Hektar großen Wohngebiet "Albertpark", mit dessen Erschließung und Vermarktung Eltrik-Grund im Jahr 2013 begonnen hatte, gehört auch eine kleine Siedlung mit zehn Eigenheimgrundstücken. Neun davon sind laut Wagner bereits verkauft, vier Einfamilienhäuser bezogen und drei weitere im Bau. Er ist zuversichtlich, dass auch die zwei übrigen Grundstücke 2016 bebaut werden.


Früher Ausflugslokal - dann Schandfleck - heute Wohnpark

Die Bezeichnung "Albertpark" geht auf König Albert von Sachsen (1828 bis 1902) zurück. Das Grundstück des heutigen Wohnparks war 1904, als Hilbersdorf nach Chemnitz eingemeindet wurde, nach Angaben der Immobilienfirma Eltrik-Grund mit einer Kaufmannsvilla und einem Ausflugslokal, der Parkschänke, bebaut. Anwohnern zufolge war die Parkschänke bis Anfang der 1950er-Jahre in Betrieb. Die Gebäude übernahm ein Ingenieurbüro für Haushaltsgeräte. Nach der Wende verfielen sie, auf dem Grundstück wurde illegal Müll abgelagert. 2011 begann die Immobilienfirma Eltrik-Grund aus Limbach-Oberfrohna mit dem Abriss und der anschließenden Erschließung. Der Stadtrat gab der öffentlichen Straße im Wohnpark im Oktober 2014 den Namen Albertpark.

Die Immobilienfirma Eltrik-Grund gehörte Anfang der 1990er-Jahre zur selben Firmengruppe wie ein gleichnamiges, 1962 gegründetes Limbach-Oberfrohnaer Elektrotechnik-Unternehmen. Sie hat das Gelände der früheren Parkschänke nach eigenen Angaben 1993 von der Treuhandanstalt gekauft. Laut Geschäftsführer Michael Wagner verzögerten Rückübertragungsansprüche den Baubeginn.

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