Handwerkersiedlung verliert Denkmalstatus

Ein Ensemble von Häusern in Köthensdorf hat aus Sicht von Experten seine Authentizität eingebüßt. Das hat Folgen für die Eigentümer.

Köthensdorf.

Mehr als 30 Häuser in Köthensdorf haben ihren Denkmalstatus eingebüßt. Betroffen ist der überwiegende Teil der ehemaligen Strumpfwirkerhäuser an der Straße Gasse. Im Tauraer Gemeinderat löste eine entsprechende Information von Bürgermeister Robert Haslinger kein ungläubiges Staunen aus. Die Lokalpolitiker schienen die Mitteilung erwartet zu haben.

Der Wegfall des Denkmalstatus sei das Ergebnis einer Überprüfung, die von Mitarbeitern des Landratsamtes Mittelsachsen und des Landesdenkmalamtes durchgeführt worden sei, sagte Kreissprecher André Kaiser. Dabei hätten die Experten eine Vielzahl von Veränderungen festgestellt. Als Ensemble entsprächen die Strumpfwirkerhäuser Köthensdorf-Reitzenhain nicht mehr dem Erscheinungsbild der früheren Handwerkersiedlung. "Das Kriterium der Denkmalwürdigkeit ist nicht mehr erfüllt. Originalität und Authentizität der Gesamtanlage sind so weit verloren, dass sich kein öffentliches Erhaltungsinteresse mehr begründen lässt", so das Urteil der Fachleute. Welche Veränderungen an den Häusern den Ausschlag gaben, sagte Kaiser nicht.


Der bisherige Denkmalschutz resultierte aus der bau-, orts- und sozialgeschichtlichen Bedeutung des Ensembles. Die Bebauung entlang der Gasse war im Zeitraum 1785 bis 1800 entstanden. Überliefert ist, dass die Häuser auf Anregung von Helena Dorothea von Schönberg als Arbeitersiedlung für Strumpfwirker errichtet wurden. Die Rittergutsbesitzerin in Limbach hatte die wirtschaftlichen und sozialen Chancen der durch Johann Esche in Sachsen eingeführten Wirktechnologie für die Region erkannt. In der heutigen Stadt Limbach-Oberfrohna sind zur selben Zeit die Helenen- und Dorotheenstraße ebenfalls als Strumpfwirkersiedlungen angelegt worden. An der Gasse in Köthensdorf entstanden knapp 40 Anwesen. Zwei der Häuser wurden in den 1990er-Jahren abgerissen.

Die übrigen Gebäude standen als Gesamtheit unter Schutz. Zusätzlich wurden Bauten, die weitgehend original erhalten geblieben waren, als Einzeldenkmale ausgewiesen. Wie Kaiser erklärte, trifft das aktuell "einzig auf das Haus Gasse 60 und ein in Prüfung befindliches weiteres Gebäude" zu. Mit dem Wegfall der Denkmaleigenschaft entfällt nach Angaben des Sprechers jegliche Fördermöglichkeit durch die Denkmalbehörden. Zuvor habe es für Einzeldenkmale "eine Förderoption für das gesamte Haus", also für Außen- und Innenarbeiten, gegeben. Besitzer der restlichen Häuser konnten mit Zuschüssen für den Erhalt der Gebäudehülle rechnen. Zudem waren die Instandsetzungskosten steuerlich absetzbar, so Kaiser. Wer von den Vorteilen profitieren wollte, brauchte allerdings für das Bauvorhaben eine denkmalschutzrechtliche Genehmigung. Diese ist nun nicht mehr möglich - aber es gibt eben auch keine Förderung mehr.

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