Helden erleben emotionale Achterbahnfahrt

Noch nie erklang die Oper "Werther" in Chemnitz - bis jetzt. Regisseur Anthony Pilavachi hat ganz besondere Erinnerungen an seine erste Begegnung mit dem Stück.

Chemnitz.

Der Briefroman "Die Leiden des jungen Werther" begründete 1774 den Ruhm des jungen Goethe. Die unglückliche Liebe zur verlobten Charlotte, an deren Ende sich Werther tötet, berührte eine große Leserschaft. Eine emotionale Achterbahnfahrt erwartet auch Anthony Pilavachi, der in Chemnitz die rund 110 Jahre nach Erscheinen des Romans komponierte Oper im Stil französischer Spätomantik von Jules Massenet inszeniert. Premiere ist morgen.

Der international erfahrene, preisgekrönte Regisseur - Ire, geboren auf Zypern - arbeitet erstmals in Chemnitz, es ist seine 84. Inszenierung, gesungen wird in französischer Sprache mit deutschen Übertiteln. Seinen ersten "Werther" erlebte er 13-jährig als Statist auf der Bühne in Nizza. Damals sei er so berauscht gewesen von der Musik, dass er sein ganzes Geld für eine Schallplatte ausgegeben hätte. Die Faszination für Werther, Charlotte, Sophie und Albert ist geblieben. Die Musik wird zum Psychogramm einer unmöglichen Liebe, an deren Ende unausweichlich Werthers berühmter Selbstmord steht. Werthers Tenor-Arie "Pourquoi me réveiller" gehört heute zum Bewegendsten, was man auf der Opernbühne hören kann.


In Pilavachis Inszenierung dürfen die Besucher eine fesselnde Geschichte erwarten. Mit Bühnenbildner Markus Meyer siedelt er das Geschehen in den 1950er-Jahren an, um eine glaubwürdige Charlotte zu zeigen: Einerseits sei sie eine moderne, tatkräftige Frau, andererseits habe sie ihrer Mutter auf dem Totenbett versprochen, Albert zu heiraten. Ein solches Versprechen in die heutige Zeit zu holen, wäre, so Pilavachi, wahrscheinlich absurd.

Von der Professionalität des Hauses vor und hinter der Bühne ist er fasziniert: "Ein Traum. Chemnitz hat ein gut organisiertes Theater, die Technik ist fantastisch, die Werkstätten arbeiten erstklassig, das Ensemble könnte nicht besser sein." Und Dirigent Felix Bender leiste eine minutiöse Arbeit, feile an jedem Detail, an Rhythmus und Farben.


Die Oper "Werther" von Jules Massenet

Werther verliebt sich in Charlotte, die älteste Tochter des Amtmannes zu Wetzlar, die ihre Geschwister an Stelle der verstorbenen Mutter großzieht. Ihr hat Charlotte am Totenbett versprochen, Albert zu heiraten. Damit ist die klassische Ausgangssituation in "Die Leiden des jungen Werther" geschaffen, Goethes emotionalem Sturm-und-Drang-Roman. Der große französische Opernkomponist Jules Massenet schrieb mit "Werther", uraufgeführt 1892, ein Meisterwerk. Seine in Hoffnung schwelgende Musik ist das Psychogramm einer Liebe, an dessen Ende Werthers Selbstmord steht. Gesungen wird in französischer Sprache mit deutschen Übertiteln.

Premiere ist am Sonnabend um 19.30 Uhr im Opernhaus. Tickets gibt es ab 18 Euro. (mes)

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