Kriminalität in der Innenstadt geht zurück

Erstmals seit mehreren Jahren sinkt die Anzahl der Straftaten im Stadtzentrum wieder. Für die neue Polizeichefin bleibt dennoch viel zu tun.

Spätabends ein Angriff auf ein Pärchen im Fußgängertunnel am Hauptbahnhof, in der Nacht zu Sonntag ein Raub an einem Mann an der Zentralhaltestelle: Auch am vergangenen Wochenende hatte die Polizei wieder über Straftaten in und am Rande der Innenstadt zu berichten. Die Bemühungen von Stadt und Polizei, das Stadtzentrum sicherer zu machen, kommen nicht so recht voran, scheint es.

Aktuelle Zahlen des Landeskriminalamtes (LKA) allerdings sprechen eine andere Sprache. Demnach wurde im Stadtzentrum erstmals wieder ein Rückgang der Straftaten registriert. Ihre Anzahl nahm im vergangenen Jahr um 13,5 Prozent auf reichlich 5600 ab. Damit lag das Aufkommen etwa auf dem Niveau des Jahres 2013.

Deutliche Rückgänge wurden im Vergleich zum Vorjahr bei Eigentumsdelikten wie Einbrüchen und Diebstählen verzeichnet. Letztere machen im Stadtzentrum noch immer etwa ein Viertel aller Straftaten aus, wobei vor allem Ladendiebstähle zu Buche schlagen. Anstiege verzeichnet die Polizei bei Vermögens- und Fälschungsdelikten sowie bei sogenannten Rohheitsdelikten wie Körperverletzung, Raub, Nötigung und Bedrohung. Sie erreichten mit 738Fällen sogar einen Höchststand. Sexualstraftaten spielen mit 0,7 Prozent eine untergeordnete Rolle. Trotz schärferer Paragrafen hat sich ihre Anzahl kaum verändert. 2017 gab es 39 Anzeigen - eine mehr als im Jahr zuvor. Wie viele dieser Taten sich in der Öffentlichkeit ereigneten, verraten die LKA-Zahlen nicht.

"Der Rückgang der Straftaten im Stadtzentrum freut uns natürlich", kommentiert Roger Rabenhold, Referent des Ordnungsbürgermeisters Miko Runkel, die Bilanz. Er führt die Entwicklung auf mehrere Faktoren zurück - unter anderem auf die regelmäßigen Großkontrollen der Polizei, die ausgeweiteten Streifen des Stadtordnungsdienstes, den verstärkten Einsatz von Wachschutzpersonal durch Gewerbetreibende. "Aber auch die zunehmende Belebung der Innenstadt dürfte dazu beigetragen haben", so Rabenhold.

Viele der Maßnahmen waren vorab im Kriminalpräventiven Rat diskutiert worden, in dem sich Sicherheitsbehörden, Kommunalpolitiker, Sozialarbeiter, Innenstadthändlern und -gastronomen regelmäßig zu Beratungen treffen. Nach Einschätzung von Sachsens Innenminister Roland Wöller genau der richtige Weg. "Sicherheit ist eine Gemeinschaftsaufgabe", betonte er vergangene Woche bei der feierlichen Amtseinführung der neuen Polizeipräsidentin Sonja Penzel. Ausdrücklich lobte der Minister die Aufstockung des städtischen Ordnungsdienstes. Chemnitz sei eine der wenigen Städte, die sich in diesem Bereich personell verstärkt hätten.

Doch auch der Minister und die neue Polizeichefin wissen: Die objektive Lage und das Sicherheitsgefühl der Bürger sind häufig zwei sehr verschiedene Dinge. "Das muss man natürlich ernst nehmen", sagte Sonja Penzel in einer ersten Erklärung zu den künftigen Schwerpunkten ihrer Arbeit. "Auch darum werde ich mich vordringlich kümmern", kündigte die 46-Jährige an.

Ersten Prognosen zufolge könnte sich der positive Trend im Stadtzentrum 2018 fortsetzen. "Die Tendenz ist leicht rückläufig", sagte eine Polizeisprecherin. Auf die Straßenkriminalität allerdings scheint sich das bislang nicht niederzuschlagen. Die Anzahl der Gewaltdelikte liegt den Angaben zufolge in etwa auf Vorjahresniveau, bei der Drogenkriminalität wird sogar ein leichter Anstieg verzeichnet. Der wiederum könnte nicht zuletzt aus verstärkten Kontrollen resultieren.

In den Fällen vom Wochenende dauern die Ermittlungen an. Nach dem Raub an der Zentralhaltestelle wurde gegen eine 20-jährige Deutsche und einen 23Jahre alten Marokkaner Haftbefehl erlassen. Beide seien bereits polizeibekannt gewesen, heißt es. Zum Vorfall am Hauptbahnhof liegt laut Polizei bislang nur die Aussage des Paares vor, das von vier Jugendlichen attackiert worden sein soll. Die jungen Männer aus Afghanistan seien bislang noch nicht vernommen worden. Einer von ihnen war vom Hund des Paares gebissen worden.

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2Kommentare
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  • 4
    2
    Pixelghost
    08.08.2018

    „Diese Sonja Penzel...“ Das ist abschätzig und unterste Schublade. Kenne Sie die Frau Penzel? Hat die Frau Polizeipräsidentin Ihnen irgendwas getan, außer dass sie aus dem Westen kommt?

    Wer jetzt deren alte Stelle besetzt geht Sie einen feuchten Kehricht an.

  • 1
    7
    Interessierte
    07.08.2018

    Also im vorletzten Absatz widerspricht sich das ja` nun wieder , was oben steht ...
    Und wenn man von immer noch 5600 Straftaten spricht , sind das immer noch genug ggü. ehemals ca. 6328 ...
    Und die übelsten Straftäte hat man ja` wohl nun gefaßt und eingesperrt ....

    Und unser Polizeichef mußte wohl gehen , damit diese Sonja Penzel einen neuen Job bekommt ; wer macht denn ihren vorherigen Job jetzt ??



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