Lärm am Südring: Kritik an Überlegungen zu Tempo 50 wächst

Nicht nur Autofahrer, auch Anlieger bezweifeln, dass sich die Probleme mithilfe von Tempolimits in den Griff bekommen lassen. Lokalpolitiker bringen Alternativen ins Spiel - bis hin zu neuen Auf- und Abfahrten.

Helbersdorf.

Seit der Meldung der "Freien Presse" vom Dienstag reißen die Diskussionen nicht ab: Wegen anhaltender Lärmprobleme entlang des Südrings will das Rathaus nun ernsthaft prüfen, die Höchstgeschwindigkeit abschnittsweise auf Tempo 50 zu reduzieren. Anlass sind neue Lärm-Messungen an der Paul-Bertz-Straße in Helbersdorf, die im Auftrag einer Wohnungsgenossenschaft vorgenommen wurden. Sie ergaben, dass der Verkehrslärm in den vergangenen Jahren eher weiter zugenommen hat - trotz des Einbaus von sogenanntem Flüsterasphalt.

Anwohner führen den Anstieg auf die Zunahme insbesondere des Lkw-Verkehrs zurück. Verschärft werde das Problem durch den Umstand, dass der Abschnitt zwischen Helbersdorfer und Stollberger Straße bergauf führt, heißt es. Das bedeutet: immer wieder hohe Drehzahlen, aufheulende Motoren, Schaltgeräusche.

Viele Autofahrer, aber auch Anlieger bezweifeln daher, dass ein Tempo-Limit an den Problemen etwas ändern würde. Auf Raser gehe nur ein vergleichsweise geringer Teil der Lärm-Emissionen zurück, heißt es. Stattdessen seien zusätzliche Probleme zu befürchten, wenn der Verkehr künftig noch weniger flüssig fließe als dies jetzt schon häufig zu beobachten sei. "Und wenn man schon ein Tempolimit einführt, dann muss man auch die Einhaltung kontrollieren", ergänzt ein Anlieger.

Auch in der Lokalpolitik gehen die Meinungen auseinander. "Nicht überall macht eine Geschwindigkeitsbegrenzung Sinn, gleich gar nicht, wenn es sich um eine der wichtigsten Entlastungsstrecken für die Innenstadt handelt", meint Tino Fritzsche, der Chef der Ratsfraktion von CDU/FDP. "Laut der Wohnungsgenossenschaft tragen die Fahrgeräusche am Berg am stärksten zum Lärmpegel bei und werden auch durch eine Geschwindigkeitsbegrenzung nicht abgeschafft." Lärmschutzwände oder bepflanzte Lärmschutzwälle halte er daher für sinnvoller als Tempolimits. "Die kommen beiden Interessengruppen entgegen, den Anwohnern und den Verkehrsteilnehmern", so Fritzsche.

Frank Sänger vom Vorstand der Chemnitzer AfD sieht ein wesentliches Problem in den Ampelkreuzungen. "Sinnvoller, jedenfalls perspektivisch, wäre es, den Südring so umzugestalten, dass Ampelschaltungen komplett abgeschafft werden - durch Brücken und Auf- und Abfahrten wie bei der Autobahn", äußerte er bei "Freie Presse online". Für die Klagen der Anwohner findet er nur bedingt Verständnis. "Die Mehrheit jener, die in diesen Blöcken am Südring wohnen, hat sich sicher entschieden, dort zu wohnen, nachdem dieser gebaut wurde", so Sänger. "Da kann ich nur sagen: Augen auf bei der Wohnungswahl."

Jörg Vieweg, Stadtrat und Landtagsabgeordneter der SPD und zugleich Kreisvorsitzender des Verkehrsclubs ACE, hatte sich in der vergangenen Woche als Erster für Tempo 50 auf dem Südring ausgesprochen. "Der Vorschlag eines Tempolimits muss dabei nicht das letzte Wort sein", äußerte er nun bei Facebook. "Mir geht es um eine möglichst schnelle Lösung im Sinne der Anwohnerinnen und Anwohner." Auch Autofahrer sollten dafür Verständnis zeigen, dass der Südring leiser werden müsse.


Kommentar: Ersatzautobahn

Nirgendwo sonst in Chemnitz hat der Stadtverkehr in den zurückliegenden Jahren derart zugenommen wie auf dem Südring und, daran anschließend, auf der Neefestraße. Bereits 2015 wurde ein Plus von 40 Prozent innerhalb von zehn Jahren ermittelt. Für das Teilstück an der Stollberger Straße bedeutet dies bis zu 50.000 Fahrzeuge pro Tag. Anfangs der besseren Erschließung des Heckertgebietes und der Verbindung von Industriegebieten dienend, hat sich der Südring bis zur B 174 längst zum Autobahnersatz im Transitverkehr von und nach Tschechien entwickelt. Die Leidtragenden sind die Anwohner in der Umgebung und die Autofahrer, die dort immer häufiger im Stau stehen. Vor diesem Hintergrund scheint es in der Tat fraglich, ob Tempo 50 die richtige Antwort ist.

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2Kommentare
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  • 1
    3
    Nixnuzz
    03.08.2018

    Wären räumlich Kreisverkehre möglich? Welche Kreuzungen sind hochbelastet - welche schwächer? Wo kann das regulierte Abbremsen und dann massenweise Anfahren in einen relativen Gleichstrom umgewandelt werden? Bremsgeräusche sind wohl schwächer als hochgejubelte Motoren - speziell ab 7,5 to aufwärts?

  • 8
    6
    881924
    03.08.2018

    Ich gebe dem AFD Mann Frank Sänger in sofern recht das es mittel bis langfristig nur eine richtige Lösung geben kann nämlich das der Südring von Ampeln befreit wird. Das geht nur mit richtigen auf und Abfahrten. Dazu noch Lärmschutzwände
    wobei man auch hier nicht übertreiben darf wer an den Südring zieht oder gezogen ist weiß ja was er tut.
    Ich denke die AFD weiß auch wo man das dafür notwendige Geld einsparen kann. ;-)



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