Limbach-Oberfrohna: Künstler legt Geschichte vor die Füße

Stolpersteine sollen auf Menschen aufmerksam machen, die Opfer der Nazi-Herrschaft wurden. Nun gibt es in der Stadt weitere. Sie erinnern auch an eine Frau, die sterben musste, weil sie Lernschwierigkeiten hatte.

Limbach-Oberfrohna.

Dort, wo Rosa Margarete Kirsten einst wohnte, erinnert seit dem Wochenende in Limbach-Oberfrohna ein Stolperstein an die Frau, die am 24. Juni 1900 in Limbach das Licht der Welt erblickte. In der Schule hatte sie einige Lernprobleme und blieb deshalb mehr als ein Mal sitzen. Als "geistig schwach veranlagt" eingestuft, kam sie erst in das "Siechenheim" Grüna, ein Alters- und Pflegeheim, dann ins Bezirkskrankenhaus Rabenstein zum Sterilisieren. Anschließend wurde sie in die Landesanstalt Zschadraß gebracht und danach 1940 in die Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein deportiert.

Rosa Margarete Kirsten wurde 40 Jahre alt. Sie gehört zu den Euthanasieopfern, also körperlich oder geistig Beeinträchtigten, die von den Nationalsozialisten ab 1940 systematisch ermordet wurden. "Den sogenannten Euthanasieopfern geschah unvorstellbares Unrecht und Leid. Das oftmals bestehende Totschweigen ihrer Vernichtung ist Teil davon", sagt Albert Klepper. Der Limbach-Oberfrohnaer Grünen-Stadtrat und seine Partnerin Ina Grobe initiierten das Verlegen vier neuer Stolpersteine zum Gedenken im Stadtgebiet. Rosa Margarete Kirsten erhielt den ersten davon. Am Marktsteig 3, ihrem Geburtshaus, erinnert von nun an ein zehn mal zehn Zentimeter großer Messingstein, vom Kölner Künstler Gunter Demnig graviert und in den Boden eingelassen, an ihr Schicksal.

Die Angehörigen der Euthanasieopfer erhielten laut Klepper damals nach der Tötung lediglich einen sogenannten Trostbrief, in dem Todesursache und -zeitpunkt gefälscht wurden und von einer schweren unheilbaren Erkrankung als Todesursache gesprochen wurde. Ein Abschiednehmen sei nicht möglich gewesen. "Ein Leben war ganz einfach ausgelöscht. Kein Ort des Gedenkens existierte. Diesen wollen wir nun hier schaffen", erläuterte er.

Ein tragisches Schicksal hatte auch Fabrikbesitzer Georg Arthur Sallmann, an den nun ein Stolperstein auf der Chemnitzer Straße 13 erinnert. Der Limbacher wurde 1882 geboren, besuchte die höhere Knabenschule, später die höhere Maschinenbauschule in Chemnitz und führte ab 1909 eigenständig eine Eisengießereifabrik in Limbach. 1915 sei er "im Felde gewesen" - also im Krieg - und dort möglicherweise erkrankt. 1926 wurde Sallmann in die Nervenklinik Zschadraß eingewiesen und später nach Pirna-Sonnenstein verlegt, wo er starb. Wie Albert Klepper recherchiert hat, liegen ärztliche Berichte vor, nach denen Georg Arthur Sallmann ein humorvoller, sozial integrierter, an Weltgeschehen und Handwerk interessierter Mann gewesen ist. Um an solche Informationen zu kommen, waren Klepper und Partnerin Grobe auch in der Gendenkstätte Pirna-Sonnenstein und im Bundesarchiv Berlin unterwegs. Die zwei weiteren Gedenksteine wurden am Samstag für Georg Moritz Schlimper, einen Schlosser, der an Epilepsie litt und nach seiner Verlegung nach Pirna-Sonnenstein starb, auf der Albert-Einstein- Sraße 40 und für Hermann Richard Knorr, Schlosser, geistig erkrankt, 1940 nach Brandenburg gebracht und dort getötet, auf der Quer- straße 13 verlegt. Der Künstler Gunter Demnig hat nach eigenen Angaben über 60.000 Gedenksteine in 21 Ländern verlegt, drei davon 2015 in Limbach-Oberfrohna.

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