Nächste Runde im Streit um Gablenzplatz-Umbau

Bei einem Diskussionsabend hat die Stadt erneut die drei Varianten vorgestellt. Bei den Besuchern war das Votum eindeutig.

Gablenz.

Es ist eines der umstrittensten Bauprojekte in Chemnitz: der Umbau des Gablenzplatzes. Schon im Frühjahr 2018 sollten die Arbeiten beginnen und zwei Kreisverkehre die jetzige Doppelkreuzung ablösen. Nachdem die Pläne bekannt geworden waren, machten Gegner erfolgreich dagegen mobil. Jetzt soll der Stadtrat entscheiden. Zur Auswahl stehen nunmehr drei Varianten. Der Doppelkreisel ist nur noch eine davon. Für Mittwochabend hatte die Bürgerplattform Mitte-Ost zum Gespräch eingeladen- es ist bereits die fünfte Diskussionsrunde zum Thema gewesen.

Das von der Verwaltung favorisierte Modell kam am schlechtesten weg. Es sieht zwei Kreisel vor, einen an der Einmündung der Yorckstraße in die Augustusburger und einen wenige Meter weiter an der Kreuzung Augustusburger/Geibelstraße. Zwei Kreisverkehre unmittelbar nebeneinander - das gibt es in Chemnitz bislang nirgends. Die Kritik entzündete sich an verschiedenen Fronten. Ein Anwohner der Gablenzer Straße fürchtet, künftig noch schlechter als bislang aus seiner Nebenstraße nach links in die Augustusburger Straße abbiegen zu können. Andere machten Sicherheitsbedenken geltend. Wegen der nahegelegenen Schule und der Schwimmhalle seien viele Kinder in dem Bereich unterwegs. Für sie werde es wegen der dann fehlenden Ampeln gefährlicher, die Straße zu queren. Dem widersprach Verkehrsplaner Thomas Kaden. Bei Zebrastreifen sei die Gefahr keineswegs höher, besonders dann nicht, wenn sich diese nah am Kreisverkehr befinden und Autofahrer ohnehin langsamer fahren müssen. Zu den wenigen Befürworten des Doppelkreisels zählte Kai Rösler. Nicht nur, dass dieser die eleganteste Lösung im Hinblick auf die künftige Gestaltung sei. "Es ist auch erwiesen, dass der Verkehr deutlich besser fließt als bei einer Ampelkreuzung."

Die Stadt bevorzugt das Modell auch deshalb, weil es mit relativ wenigen Einschränkungen umzusetzen sei. Laut Baubürgermeister Michael Stötzer sind während des Baus voraussichtlich keine Vollsperrungen notwendig. Bei nur einem, deutlich größeren Kreisverkehr - der zweiten Variante - müsste nacheinander jede der vier Zufahrten für längere Zeit gesperrt werden. Das sorgte für Unruhe bei den anwesenden Gewerbetreibenden. "Das hätte massive Umsatzeinbußen zur Folge. Dann kann ich meinen Laden eigentlich dicht machen", sagte ein Betroffener. Die Bauzeit beträgt bei beiden Kreisellösungen etwa anderthalb Jahre.

Größten Zuspruch erhielt die dritte Variante. Sie sieht im Grunde den Jetzt-Zustand vor, verbunden mit dem Austausch der Ampelanlage an der Doppelkreuzung. Die stammt aus DDR-Zeiten. Ihr maroder Zustand ist der Grund, warum die Stadt den Gablenzplatz überhaupt in Angriff nehmen will. Tiefbauamtsleiter Bernd Gregorzyk zufolge sei die Erneuerung der Anlage zwar möglich. Autofahrer stünden dann aber länger an der roten Ampel. Derzeit sei deren Grünphase sehr ausgedehnt. Wird die Anlage gebaut, würde sich das zugunsten von Fußgängern und Radfahrern ändern, so Gregorzyk. Dass die Stadt den Ampelneubau, der wegen zu verlegender Leitungen ebenfalls Verkehrsbehinderungen zur Folge hätte, nicht favorisiert, hat auch finanzielle Gründe. Diesen Bau müsste die Stadt selbst zahlen, während bei den anderen Varianten 75 Prozent Fördermittel möglich seien.

Bleibt noch der südliche Gablenzplatz, der in jedem Fall umgestaltet werden soll. Kern ist dort der barrierefreie Umbau der Endhaltestelle der Buslinie 85. Radfahrern, die auf der Adelsbergstraße unterwegs sind und die Geibelstraße überqueren müssen, soll zudem künftig eine Ampel mehr Sicherheit bieten.

Wann der Stadtrat entscheidet, ist bislang ebenso unklar wie der Termin des Baustarts. Stötzer zufolge könnte der Doppelkreisel schneller umgesetzt werden als die Alternativen. "Dort ist die Planung abgeschlossen, bei den anderen Varianten sind wir noch nicht so weit."

Bewertung des Artikels: Ø 3 Sterne bei 2 Bewertungen
3Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    2
    MuellerF
    04.10.2019

    Zebrastreifen gibt es ja nicht mehr so häufig & manche Autofahrer scheinen dessen Bedeutung leider nicht zu kennen. Ich erlebe das am Kreisel vorm Südbahnhof recht häufig.

  • 5
    2
    jeverfanchemnitz
    04.10.2019

    Ich kann nur mal empfehlen, die generelle Funktion von Kreisverkehren, auch von kurz aufeinanderfolgenden, in Spanien zu studieren. Funktioniert top. Die Verantwortlichen wissen hier offensichtlich genau, was sie tun. Abgesehen von den noch dazu niedrigeren Kosten.

  • 4
    2
    cn3boj00
    04.10.2019

    Es gibt doch heutzutage Computersimulationen. Hat man ein Szenario mit 2 aufeinanderfolgenden Kreisverkehren, die noch zusätzlich mit Zebrastreifen versehen sind, jemals simuliert? Meine Vorstellung sagt mir, dass in diesem Fall bei stärkerem Verkehrsaufkommen an einen flüssigen Verkehr nicht mehr zu denken ist. Es wird zu einem Stopp-and-Go kommen, in dessen Folge die Verbindung zwischen Kreiseln ein Nadelöhr wird, was zur Blockierung führt. Deshalb würde ich allzu gern mal eine Simulation sehen wollen!



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