Neue Rathauspläne lassen Gablenzer um ihr Haus fürchten

Die Stadtverwaltung will Vorgaben für Neubauten in einem Karree machen. Diese passen aber nicht zu Gebäuden, die dort bereits stehen.

Gablenz.

Bebauungspläne sind vor allem für Investoren und für Besitzer von Grundstücken in den betreffenden Gebieten von Interesse. Denn sie schreiben vor, auf welchen Flächen dort welche Arten von Gebäuden errichtet werden dürfen. Werden solche Pläne für bereits bebaute Flurstücke aufgestellt, kann das für deren Eigentümer mitunter zu bösen Überraschungen führen.

So geschehen ist das jetzt im Karree zwischen Adelsbergstraße, Reineckerstraße, Bernhardstraße und Kantstraße in Gablenz. Für dieses Gebiet lässt das Rathaus schon seit dem Jahr 2015 einen Bebauungsplan erarbeiten. Doch Hausbesitzer in dem Quartier müssen ihren Augen nicht getraut haben, als der Entwurf dieses Planes im Internet veröffentlicht und im Technischen Rathaus ausgelegt war. Denn die darin eingezeichneten neuen Baugrenzen verlaufen durch mindestens ein Gebäude, das dort erst vor wenigen Jahren errichtet wurde. Darüber hinaus schreibt der Planentwurf für alle Häuser, die am Rand des Karrees gebaut werden dürfen, "zwingend" mindestens drei, zum Teil sogar vier Obergeschosse vor -der vorhandene Neubau direkt an der Straße besitzt aber nur eine Etage.

"Wie konnte der Bau dieses Hauses 2012 überhaupt genehmigt werden?", fragte Stadtrat Detlef Müller (SPD) am Dienstagabend, als sich der Ausschuss für Stadtentwicklung und Mobilität erneut mit dem Bebauungsplanentwurf befasste. "Besteht dafür Bestandsschutz oder muss der Eigentümer Enteignung und Abriss fürchten?", wollten auch andere Stadträte wissen, nach deren Ansicht der Flachbau überhaupt nicht ins Bild der angestrebten Karreebebauung und nicht einmal zu seinem 1912 errichteten mehrgeschossigen Nachbarhaus passt. Im Text zum Bebauungsplan wird das 2012 auf einer Abrissfläche entstandene einstöckige Gebäude sogar als "Fremdkörper" bezeichnet.

Mehrere Ausschussmitglieder wussten, dass der Hauseigentümer deswegen einen Rechtsanwalt eingeschaltet und dieser an die Stadtverwaltung und verschiedene Stadtratsfraktionen geschrieben hat. In dem Schreiben, das "Freie Presse" vorliegt, fordert der Anwalt für seinen Mandanten, dessen Grundstück aus der vorgesehenen dreigeschossigen Bebauung herauszunehmen und dafür Bestandsschutz zu gewährleisten.

Der Leiter des Stadtplanungsamtes, Börries Butenop, erklärte in der Ausschusssitzung am Dienstag, dass die Baugenehmigung für das eingeschossige Haus 2012 so erteilt werden durfte, weil es damals noch keinen Bebauungsplan für das Karree gab und dessen Erarbeitung noch nicht einmal begonnen hatte. Diese Baugenehmigung sei jetzt bestandskräftig und werde auch durch den Beschluss des Bebauungsplanes nicht aufgehoben. Für den Grundstückseigentümer ändere sich dadurch nichts, er erhalte nur die Möglichkeit, später ein höheres Wohngebäude zu bauen, müsse sein Haus aber nicht zwingend aufstocken, so Butenop. Er kündigte an, dass das Stadtplanungsamt den Grundstücksbesitzer zu einem Gespräch einladen werde, um ihm die Rechtslage zu erläutern.

Stadtrat Bernhard Herrmann (Grüne) forderte, Gespräche zu solchen sensiblen Themen mit betroffenen Bürgern schon vor Beschlussfassungen zu führen. Auf Antrag von Detlef Müller wurde die Bezeichnung "Fremdkörper" für das Eigenheim im Bebauungsplan in "atypisch" geändert. Dietmar Berger (Linke) verlangte zudem, den Bestandsschutz für das Gebäude im Protokoll der Sitzung festzuschreiben.

Für ein in dem Karree stehendes Auktionshaus, das ebenfalls nicht zum neuen Bebauungsplan passe, strebt die Stadtverwaltung eine Standortverlagerung an, sagte Baubürgermeister Michael Stötzer.

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 3
    4
    Interessierte
    10.10.2019

    Das man das Haus dort bauen durfte , wunder mich schon immer , wer immer das genehmigt hat …

    "Für den Grundstückseigentümer ändere sich dadurch nichts, er erhalte nur die Möglichkeit, später ein höheres Wohngebäude zu bauen, müsse sein Haus aber nicht zwingend aufstocken
    ( was soll denn diese Quatsch ?



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