Pflege-Kur für den Marmor im Opernhaus

Während die meisten Mitarbeiter der städtischen Theater im Urlaub sind, sorgt ein Gebäudereiniger für Glanz auf dem Fußboden. Nur die Treppen durfte er nicht putzen.

Nein, es sind nicht die grazilen Stilettos der Damen, die dem Marmorboden im Opernhaus schaden. Sie wären vielleicht eher Feinde eines Parkettbodens. Doch schädlich für den weichen Marmor sind Steine, die sich im Profil von Schuhen festsetzen und Rillen oder Kratzer hinterlassen, erklärt Roman Richter. Der Gebäudereiniger war zwei Wochen lang damit beschäftigt, die zwei Hauptebenen im Opernhaus zu pflegen.

"Das musste jetzt sein. Sonst wäre es womöglich zu spät gewesen", sagt Raj Ullrich, Technischer Direktor der Theater Chemnitz. Seit der Neueröffnung der Oper 1992 wird auf dem Marmor herumgelaufen. Er ist von einem grauen Schmutz-Schleier überzogen. Richter qualifizierte sich für dieses Tätigkeit dadurch, dass er es seit langem schafft, den hellgrauen Teppich im Opernhaus, der ebenfalls seit 1992 liegt, sauber zu halten. "Wir dachten, der liegt nur ein Jahr", sagt Ullrich. Zeitweise habe es sogar in den Vorstellungspausen ein Rotweinverbot gegeben. Doch Richter wurde allen Flecken Herr, von verschüttetem Rotwein keine Spur mehr. Dem Marmor hat Richter zunächst einen Reparaturschliff verpasst, mit Diamanten. Danach wurde der Boden aufpoliert, ebenfalls mit Diamanten. Zum Schluss brachte er ein sogenanntes Kristallisationsmittel auf. Das ist ein säurehaltiges Produkt, das einpoliert wird. Es verdichte den Stein und mache ihn schmutz-resistent, erklärt der Gebäudereiniger. Das machte er nicht etwa auf Knien rutschend per Hand, sondern mit einer sogenannten Einscheibenmaschine, die ein wenig an einen Rasenmäher erinnert, aber leiser ist. Der 52-Jährige ist neben der Oper vor allem in Hotels, Institutionen und Banken tätig.

"Marmor ist ein sehr weicher Stein und damit sehr anfällig", sagt Richter und fügt hinzu: "Es war höchste Zeit." Gepflegt hat er aber nur die zwei Hauptebenen im Foyer und im ersten Rang. Für die Treppen und den Marmorboden rings um die Bar im ersten Rangfoyer hatte er keinen Auftrag. "Das machen wir, falls wir mal im Lotto gewinnen", sagt Ullrich und versucht ein Lächeln. 6000 Euro kostet die Pflege-Aktion. Übers Jahr verteilt wurden auch die Holzfenster des Opernhauses zum ersten Mal seit 1992 zumindest von außen gestrichen. Das kostete 26.000 Euro. "Wir haben aber nur 25.000 Euro für das Opernhaus pro Jahr", erklärt Ullrich sein Dilemma. Für alle Spielstätten und Gebäude stehen ihm insgesamt 64.000 Euro zur Verfügung. Doch das reiche hinten und vorne nicht. Vor allem am Opernhaus sei nun so einiges zu reparieren und zu pflegen, "das reicht vom Keller bis zum Dach", so Ullrich. Er hoffe, dass die Reinigung der Treppen und der restlichen Marmorbereiche im nächsten Jahr ins Budget passen. Allerdings sei auch das Parkett im Zuschauerraum, das gar kein echtes Parkett ist, "durch". Und neue Stühle bräuchte man ebenfalls im Zuschauersaal. "Auf jeden Fall können wir nur dort was machen, wo Gäste sind", schildert der Technische Direktor.

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