Pläne für Müllkraftwerk stoßen auf Zuspruch

Anders als bei einem ähnlichen Projekt vor zwei Jahren scheint sich die Kommunalpolitik mit dem Vorhaben durchaus anfreunden zu können. Und das hat nicht nur mit dem Standort zu tun.

Der neu gewählte Stadtrat ist noch nicht konstituiert, viele Kommunalpolitiker sind im Urlaub oder aber im Landtagswahlkampf unterwegs - da überrascht der Chemnitzer Versorger Eins mit recht konkreten Überlegungen, einen Block seines Heizkraftwerkes in Furth zum Müllkraftwerk umzubauen. Das Unternehmen, das in Chemnitz und Südwestsachsen rund 400.000 Haushalte und Gewerbekunden mit Erdgas, Strom, Wasser, Fernwärme und -kälte versorgt, will bis 2029 komplett aus der bislang noch üblichen Verfeuerung klimaschädlicher Braunkohle aussteigen. Wie am Dienstag bekannt wurde, gibt es neben Plänen zur Errichtung mehrerer mit Gas betriebener Fernwärme-Anlagen in Furth und Altchemnitz sowie eines Holzhackschnitzelkraftwerkes an der A72 in Siegmar nun auch die Absicht, künftig sogenannte Ersatzbrennstoffe zu verfeuern. Dabei handelt es sich üblicherweise um aus zerkleinertem und getrocknetem Hausmüll hergestellte Pellets. Eine Machbarkeitsstudie habe bereits die Realisierbarkeit eines solchen Vorhabens nachgewiesen, heißt es von Eins.

Während ein ähnliches Projekt am Zeisigwald vor zwei Jahren noch im Stadtrat gescheitert war, stoßen die jüngsten Eins-Überlegungen durchaus auf Zuspruch. SPD-Stadtrat Jörg Vieweg etwa spricht von einer Chance zur Wertschöpfung vor Ort im Zuge der Energiewende. "Aktuell ist die Situation die, dass wir unsere aufbereiteten Abfälle über Hunderte Kilometer in andere Bundesländer fahren, um sie dort im Braunkohlekraftwerk mit verbrennen zu lassen", sagte er.


René Mann, Geschäftsführer der CDU-Fraktion im Stadtrat, erinnert daran, dass eine mögliche Verwertung von Reststoffen im Heizkraftwerk schon während dessen abgastechnischer Modernisierung in den 1990er-Jahren Thema gewesen sei. "Insofern ist das nichts völlig Neues", sagte er. Rechtliche Probleme seien aus seiner Sicht kaum zu erwarten, da das Eins-Areal am Dammweg seit Jahrzehnten als Kraftwerksstandort genutzt wird.

"Restabfall, der ohnehin immer anfällt, zur Fernwärmeerzeugung zu nutzen, wäre aus meiner Sicht die vernünftigste Lösung", sagt Linken-Stadtrat Thomas Scherzberg, von Berufs wegen selbst immer wieder mit Umwelt- und Abfallfragen befasst. Da die Anlage nach neuesten Richtwerten konzipiert und genehmigt werden müsste, sei seiner Ansicht nach im Vergleich zur jetzigen Braunkohleverfeuerung künftig sogar ein insgesamt deutlich geringerer Schadstoffausstoß zu erwarten.

Für Bernhard Herrmann von Bündnis 90/Grüne sind vor allem zwei Punkte wichtig. Zum einen müsse bei der Verarbeitung des Restmülls aus der Region zu Ersatzbrennstoffen sichergestellt werden, dass dort zuvor Wertstoffanteile bestmöglich aussortiert und für eine Wiederverwertung gesichert werden. Oft seien derlei Prozesse stattdessen auf die Erzielung hoher Brennwerte ausgerichtet, sagte er. Zum anderen, so Herrmann, sollte das Müllkraftwerk statt auf Dauerbetrieb auf einen möglichst flexiblen Einsatz hin ausgerichtet werden. "Solchen Anlagen gehört die Zukunft, und das wäre für Eins eine Riesenchance auf dem Markt."

Volker Dringenberg, Chef der AfD-Fraktion im Stadtrat, wollte sich zu den Überlegungen noch nicht äußern. "Wir werden uns mit dem Thema erst einmal näher beschäftigen", sagte er.

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