Problemstorch in Freiheit entlassen

Experten hatten das Tier eingefangen, nachdem es mehrmals auf einem Parkplatz in Rußdorf gesichtet worden war. Jetzt wurde es ausgewildert. Einen anderen Jungstorch hat hingegen ein tragisches Schicksal ereilt.

Limbach-O./Rochlitz.

Wenn es um Fachkenntnis zu Vögeln geht, macht Jens Hering und Dieter Kronbach so schnell niemand etwas vor. Die beiden Limbach-Oberfrohnaer Ornithologen beobachten Populationen, schreiben Berichte und schlagen Alarm, wenn Lebensräume bedroht sind. Doch aus aktuellem Anlass mussten selbst die beiden Fachleute Rat einholen: Was macht man mit einem Jungstorch, der sich in Limbach-Oberfrohna im städtischen Bereich aufhält, auf dem Parkplatz eines Einkaufsmarktes umherstolziert und sich so gefährdet?

Mitte Juli hatte das Tier in Rußdorf auf diese Weise für Aufsehen gesorgt. Es wurde an der Waldenburger Straße gesichtet sowie auf dem Gelände eines Unternehmens. Kronbach fing den Storch daraufhin ein und brachte ihn ins Limbacher Teichgebiet, wo viele Vogelarten heimisch sind. Doch bereits am nächsten Tag wurde der Storch erneut auf dem Parkplatz des Netto-Marktes gesichtet. Kronbach und sein Kollege Hering entschieden daraufhin, den Problemvogel vorerst im Tierpark Limbach-Oberfrohna unterzubringen.


Dann fragten sie Mitarbeiter des Storchenhofs Loburg bei Magdeburg, wie der Storch wieder ausgewildert werden kann. Deren Antwort, so schildert Hering: Das Tier müsse zu einer größeren Gruppe von Artgenossen gebracht werden, damit er sich dieser anschließen kann. Seitdem warteten die Ornithologen darauf, dass in der Region eine Ansammlung von Störchen beobachtet wird. In dieser Woche erhielt Hering nun einen Tipp: In Rochlitz haben Störche das Dach des Schlosses als vorübergehendes Quartier ausgewählt. "Sie sammeln sich, um dann gemeinsam nach Süden in die Winterquartiere zu fliegen", erklärt Kronbach. Er und Hering zählten gut 50 Störche in Rochlitz, was nach ihren Angaben eine ungewöhnliche Häufung darstellt.

Am Mittwochabend war es dann so weit: Die beiden Vogelexperten holten den Problemstorch aus dem Tierpark ab. Hering und Kronbach fuhren mit dem Tier, das die Fahrt in einem Umzugskarton verbrachte, nach Rochlitz. Dort, auf einem Feld unweit des Schlosses, trafen sie auf die Storchenkolonie, die sich gerade auf Nahrungssuche befand. Die Ornithologen öffneten den Karton und holten den Vogel heraus. "Er hat zunächst verdutzt geguckt. Dann ist er abgehoben und eine Runde über die Stadt geflogen", sagt Kronbach. Schließlich habe er sich zu seinen Artgenossen gesellt. "Es hat mustergültig geklappt", stellt Hering fest. Anders als noch in Limbach-Oberfrohna habe sich der Storch komplett unauffällig verhalten.

Dasselbe kann auch Uwe Dempewolf, Leiter des Tierparks, berichten. Dort hatte der Storch zunächst im Nasenbärenhaus Unterschlupf gefunden, war dann aber ins Flamingohaus gebracht worden. "Dort hatte er mehr Platz", sagt Dempewolf. Der Vogel sei mit Küken und Mäusen gefüttert worden und habe trotz seiner exzentrischen Vorgeschichte keine Probleme bereitet.

Wohin der Storch nun fliegt und wo er den Winter verbringen wird, wird niemand erfahren, weil der Vogel nicht beringt ist. "Das ist ein bisschen schade", sagt Kronbach. Aber das Beringen von Störchen sei teuer und in der Region nur zum Teil üblich. Klarheit gibt es hingegen über die Herkunft des Jungstorches: Kronbach und Hering sind sich sicher, dass er zum Nachwuchs gehört, der in diesem Jahr im Horst auf der Esse an der Waldenburger Straße in Rußdorf geschlüpft ist. Laut Hering ist das Tier etwa drei Monate alt. Das Elternpaar hatte insgesamt drei Eier ausgebrütet. Eines der Jungtiere zeigte keinerlei Auffälligkeiten und ist nach Herings Angaben wohl schon gemeinsam mit seinen Eltern in Richtung Süden geflogen. Den dritten Jungstorch im Bunde hat ein trauriges Schicksal ereilt: Er wurde unweit des Nestes tot am Erdboden aufgefunden. Dass er einfach aus dem Horst gefallen ist, schließt Hering aber aus. "Der Storch war zu diesem Zeitpunkt schon flügge", betont der Fachmann. Offensichtlich habe es einen Unfall gegeben. Nähere Einzelheiten zu den Todesumständen sind laut Jens Hering aber nicht bekannt.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...