Räte wollen an Stadionbeschluss festhalten

Nach den Ereignissen beim CFC fordern die Bündnisgrünen, die Entscheidung zur Pachthöhe für die Arena im Stadtrat noch einmal neu aufzurollen. Bislang findet dieser Vorschlag kaum Zustimmung. Unterdessen gibt es weitere Reaktionen zum Geschehen am Samstag.

Die Forderung der Bündnisgrünen nach einer neuen Beschlussfassung zur Stadionpacht stößt bei den großen Fraktionen auf Ablehnung. Sowohl CDU/FDP als auch SPD und Linke lehnen den Vorstoß des grünen Fraktions-Chefs Thomas Lehmann ab. Der Stadtrat hatte am Mittwoch vergangener Woche beschlossen, die Pachthöhe für die Nutzung der Arena auch im Falle eines Aufstieges des Chemnitzer FC in die Dritte Liga auf dem Niveau der Regionalliga zu belassen.

Die Linken lehnen eine Neu- befassung mit dem Thema generell ab, weil dann auch der Erhalt des Nachwuchsleistungszentrums gefährdet wäre, sagte der Vize-Fraktions-Chef Dietmar Berger. Er forderte zugleich, der Fußball-Nachwuchs dürfe aber nicht nur sportlich gefördert werden, auch Demokratiebildung müsse dort stattfinden. Berger fügte hinzu, in der Fraktion herrsche "blankes Entsetzen" darüber, was sich am Samstag beim CFC abgespielt hat. Aus seiner Sicht sei Rechtsextremismus "kein CFC-Thema, sondern ein Thema der Stadtgesellschaft".

Der Chef der Fraktionsgemeinschaft von CDU und FDP, Tino Fritzsche, nannte den Vorschlag der Bündnisgrünen "absurd". Es sei ein ungeeignetes Mittel, einen Ratsbeschluss wegen der Ereignisse vom Samstag infrage zu stellen. Stattdessen solle die Öffentlichkeit dem Verein Zeit geben, "die Dinge zu ordnen und aufzuarbeiten", so Fritzsche.

SPD-Fraktions-Chef Detlef Müller warnte ebenfalls vor Schnellschüssen. Ein Stadtrat könne nicht so agieren, eine bereits getroffene Entscheidung infrage zu stellen. Allerdings bleibe das Geschehen vom Samstag weiter Thema. "Man muss das aber jetzt erst einmal alles setzen lassen", so Müller.

Zustimmung für Thomas Lehmanns Vorschlag kam von einer der kleinsten Fraktionen im Rat, von Vosi/Piraten. Er wäre klar dafür, den Beschluss zur Stadionpacht noch einmal auf die Tagesordnung zu setzen, sagte Fraktions-Chef Andreas Wolf-Kather. Die Stadt müsse ihr finanzielles Entgegenkommen an Bedingungen knüpfen, forderte er - "zum Beispiel an die Aufarbeitung der Ereignisse und den generellen Umgang mit Rechtsextremisten beim CFC".

Unterdessen hat sich auch der amtierende Aufsichtsratsvorsitzende des Chemnitzer FC geäußert. Auf Anfrage sagte Uwe Bauch, die Ereignisse vom Samstag machten ihn sprachlos. Er sei an diesem Tag nicht im Stadion und auch nicht in die Entscheidung über die Trauerkundgebung für den verstorbenen Neonazi eingebunden gewesen. Der Aufsichtsrat wird Bauch zufolge am kommenden Montag zusammenkommen. "Dann werden wir auch ein Statement abgeben", kündigte er an. Ein anderes Thema bei dieser Sitzung werde die Arbeit des Vorstands sein: Das Gremium ist nach dem Rücktritt von Thomas Uhlig handlungsunfähig.

Indes reagierte der noch amtierende CFC-Vorstands-Chef Andreas Georgi bisher nicht auf Anfragen der "Freien Presse". Georgi ist auch Vorstandsmitglied des Fanszene-Vereins, einem Zusammenschluss von CFC-Anhängern. Die Vereinsspitze forderte Georgi daher am Dienstag öffentlich auf, seine Informationen zu den Geschehnissen in der Fankurve mitzuteilen. Außerdem bat der Verein die Anhänger, zur Aufklärung beizutragen und die Behörden zu informieren.

Zu Wort gemeldet hat sich zudem ein weiterer Sponsor der Himmelblauen. Der städtische Großvermieter GGG forderte den Verein zu Transparenz bei der Aufarbeitung der Geschehnisse und zu "sichtbaren Konsequenzen in Richtung Fanszene" auf. "Nach Vorlage von Ergebnissen werden wir über die Fortsetzung unseres langjährig bestehenden Sponsoringengagements entscheiden", teilte Sprecher Erik Escher auf Anfrage mit. Zuvor hatten sich mehrere Großsponsoren von den Ereignissen distanziert.

Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig hat sich bislang nicht zu den Vorfällen geäußert. Sie weilt derzeit im Urlaub. Auf "Freie Presse"-Anfrage teilte sie mit, sie werde sich erst zum Thema CFC äußern, wenn sie wieder im Dienst ist.


Daniel Frahn gesperrt

Der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) hat den Stürmer Daniel Frahn im Wege einer einstweiligen Verfügung mit sofortiger Wirkung bis zur Entscheidung des NOFV-Sportgerichts in der Hauptsache vorläufig gesperrt. Einen Termin dafür nannte der Verband noch nicht, teilte der CFC am Abend mit. Damit wird Frahn beim Auswärtsspiel der Himmelblauen gegen den BFC Dynamo am heutigen Mittwoch nicht zum Einsatz kommen.

Frahn hatte am Samstag beim Spiel gegen die VSG Altglienicke ein T-Shirt hochgehoben, das in der rechten Fan-Szene als Benefiz-Artikel für die Behandlung des krebskranken Thomas H. verkauft worden war. (gp)


Leserforum: "Frahns Aktion nach dem Tor war deplatziert"

Zu den Ereignissen am Samstag im Stadion an der Gellertstraße erreichten die Redaktion zahlreiche Leserbriefe. Eine erste Auswahl.

Immer wieder CFC! Und nun der Negativhöhepunkt: eine Trauerzeremonie für einen bekennenden Neonazi im Stadion. Das Ergebnis: Das Image ist hin, die Sponsoren verlassen den Club. Die Schutzbehauptung, unter Druck gehandelt zu haben, ist wirklich nur eine Schutzbehauptung. Dem Berliner AK ist nur zu empfehlen, seine Lizenzunterlagen für Liga 3 einzureichen.

Reiner Michalke, Borna-Heinersdorf

Was muss noch geschehen, dass die Verantwortlichen in Stadt und Verein aufwachen? Oder stimmt der Ruf, dass die rechte Szene toleriert oder gar unterstützt wird? Die Oberbürgermeisterin begründete die Senkung der Stadionpacht damit, dass die Fans des CFC arbeiten gehen und Steuern zahlen. Wie sich nun leider zeigt, sind diese Fans so loyal zu ihrer Stadt, dass selbst vor Erpressung nicht zurückgeschreckt wird mit der Androhung, in Chemnitz eine neue Eskalation rechter Gewalt zu inszenieren. Es ist leider so, dass man als Chemnitzer bei privaten wie geschäftlichen Begegnungen mit Menschen aus anderen Teilen Deutschlands kritisch hinterfragt wird. Es ist leider Fakt, schon Absagen für Weiterbildungsveranstaltungen mit dem Standort Chemnitz erhalten zu haben. Jeder Chemnitzer sollte sich überlegen, wem er seine Freizeit, seine Aufmerksamkeit und sein Geld gibt.

Uwe Thar, Altendorf

Ich bin seit einigen Jahren wieder treuer Fan des CFC, habe am Samstag auch im Block C gestanden. Ich kannte seine Vita als bekennender Neonazi und langjähriger Fan des CFC. Deshalb war ich verärgert über die Pyrotechnik, bei der verordneten Schweigeminute war ich auch überrascht und habe meinen Fanschal hochgehalten. Daniel Frahns Aktion nach dem Tor war deplatziert, er kannte die Bedeutung dieses Trikots. Andererseits habe ich vor Daniel Frahn Hochachtung, weil er nach dem Abstieg dem CFC die Treue hielt. Ich verurteile einen großen Teil der Aktion, finde es aber scheinheilig, wenn jetzt von allen Seiten auf unseren CFC Schmähungen und Verurteilungen einhageln. Meiner Ansicht nach sollten wir die Sache nicht verharmlosen, aber auch die Kirche im Dorf lassen.

Bernd Werner, Kapellenberg

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