Rechte Szene - Weniger Anhänger, aber mehr Straftaten

Der sächsische Verfassungsschutz schätzt, dass in Mittelsachsen 150 bis 200 Rechtsextremisten leben. Mehrfach kam es 2018 zu gewaltsamen Überfällen, die der Szene zugeordnet werden.

Freiberg/Burgstädt.

Sachsenweit steigt die Anzahl der Anhänger der rechtsextremistischen Szene - nicht so in Mittelsachsen. Erstmals seit mehreren Jahren registrierten die sächsischen Verfassungsschützer 2018, dass im Landkreis weniger Personen dem rechtsextremistischen Milieu zuzuordnen sind. Eine ähnliche Entwicklung wurde in Dresden und Leipzig verzeichnet. In allen anderen Landkreisen stieg die Anzahl der Rechtsextremisten, heißt es im Verfassungsschutzbericht für 2018.

In Mittelsachsen gehören zur rechtsextremistischen Szene demnach 150 bis 200Personen. 2017 seien es noch bis zu 250 gewesen. Zum Vergleich: In Dresden, wo die Anzahl der Anhänger auch abgenommen habe, geht man von 300 bis 350 Personen aus. Betrachtet man den gesamten Freistaat, ist die Szene 2018 gewachsen, habe rund 2800 Anhänger. 2017 seien es 200 weniger gewesen. Es gelinge den Anhängern, breitere Schichten der Gesellschaft zu erreichen, heißt es. Die Szene habe erkannt, welche Propaganda- und Aktionsmöglichkeiten allgemeinpolitische Fragen bieten.


Die Frage, warum die Anzahl der Anhänger in Mittelsachsen sinkt, wird im Bericht nicht beantwortet. Stattdessen wird darauf verwiesen, dass vor allem die Jungen Nationalisten (JN), die Jugendorganisation der rechtsextremen Partei NPD, 2018 Anschluss an überregional agierende muslim- und fremdenfeindliche Rechtsextremisten gesucht haben. "Auffallend ist die Zusammenarbeit mit der von ,Thügida & Wir lieben Sachsen' initiierten Kampagne ,Ein Volk hilft sich selbst'", so die Verfassungsschützer. Mitglieder der JN Mittelsachsen hätten sich auch an Aktionen außerhalb Sachsens beteiligt, so am Gedenken anlässlich des Todestages von Hitler-Stellvertreter Rudolf Hess am 18. August 2018 in Berlin.

Obwohl die Anzahl der Anhänger der Szene rückläufig ist, stieg laut den Verfassungsschützern die Anzahl der Straftaten mit rechtsextremistischem Hintergrund im Landkreis. 2017 wurden 151 Fälle aktenkundig, vergangenes Jahr waren es 159. Die Anzahl an Gewalttaten, etwa Körperverletzung, Brandstiftung, Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion oder Landfriedensbruch, blieb fast konstant: 2017 zählte man sechs Vorfälle, vergangenes Jahr fünf. Die Behörde nennt als Beispiele einen Überfall auf einen Mann am 10. April 2018 in Freiberg. Die Täter hätten versucht, einen Deutschen marokkanischer Herkunft zu schlagen, dabei sei gerufen worden: "Du Kanake, geh nach Hause". Ein weiterer Überfall geschah am 2. Oktober am Bahnhof in Burgstädt. Dort wurden ein Afghane und sein Begleiter mit Pfefferspray besprüht. "Was macht ihr hier, schert euch nach Hause", soll der Angreifer nach Angaben des Opfers zuvor gerufen haben.

Gewalttaten von Linksextremisten wurden 2018 nicht aktenkundig. Die Anzahl der Straftaten generell, die der Szene zugeordnet werden, sank von 40 Fällen 2017 auf 14 vergangenes Jahr. "Im Landkreis waren vereinzelt Sachbeschädigungen an AfD-Büros in Freiberg und Mittweida festgestellt worden, die auf einen linksextremistischen Hintergrund schließen ließen", heißt es im Verfassungsschutzbericht. Der seit 2016 feststellbare Rückgang linksextremistischer Aktivitäten setze sich fort. "Das Aktionsniveau der autonomen Szene ist sehr gering."

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