Schadstoff-Belastung in der Luft entwickelt sich unterschiedlich

Die Diskussion um ein Fahrverbot für Dieselautos geht an Chemnitz vorbei, weil der Ausstoß von Stickoxiden weiterhin sinkt. Ein anderer Schadstoff wurde 2018 hingegen häufiger gemessen.

Hamburg war Vorreiter, mittlerweile sind Stuttgart, Frankfurt/M., Berlin, Aachen, Köln und Bonn gefolgt: All diese Städte haben ein Fahrverbot für Autos mit älteren Dieselmotoren für bestimmte Straßen beschlossen oder müssen es beschließen, sollte sich die Luftqualität in diesem Jahr nicht deutlich verbessern. Vor allem Fahrzeuge, die von einem Dieselmotor angetrieben werden, gelten als Hauptverursacher der Schadstoffbelastung, und hier insbesondere der Stickoxide. Und wiederum Stickoxide gelten als schädlich für den menschlichen Organismus, weil sie das Herz schädigen und die Lungenfunktion beeinträchtigen können.

Auch in Chemnitz wird die Belastung der Luft mit Stickoxiden gemessen, an den Messstationen Leipziger Straße sowie Hans-Link-Straße. Bis Ende 2016 befand sich die zweite Station, Chemnitz-Mitte genannt, an der Lohstraße am Getreidemarkt. Weil dieses Areal neu bebaut werden soll, wurde als Ersatz Anfang 2017 eine neue Station auf dem Gelände des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr an der Hans-Link-Straße in Betrieb genommen.

An beiden Messstationen gehen die dort ermittelten Stickoxid-Werte seit Jahren kontinuierlich zurück; seit 2017 sogar deutlich. Den Jahresmittelwert für Stickstoffdioxid an der Leipziger Straße gibt das städtische Umweltamt im vergangenen Jahr mit 35 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft an, das sind noch einmal knapp 8 Prozent weniger als im Jahr 2017. Der von der EU-Kommission festgelegte und derzeit gültige Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresmittel. An der Hans-Link-Straße lag der Stickstoffdioxid-Jahresmittelwert 2018 mit 13 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft noch wesentlich deutlicher unter dem europäischen Grenzwert.

Für Chemnitz ergeben sich damit laut Umweltamt keine Konsequenzen: Da keine Grenzwertüberschreitungen vorliegen und die Tendenz der Luftbelastung insgesamt rückläufig sei, bedürfe es keiner zusätzlichen Maßnahmen, teilt die Behörde schriftlich auf "Freie Presse"-Anfrage mit. Ein Fahrverbot für Dieselautos ist in Chemnitz damit derzeit eher unwahrscheinlich.

Dass die Stickoxid-Belastung in der drittgrößten Stadt Sachsens trotz des großen Anteils des Autos an der Gesamtmobilität rückläufig ist, führt das Umweltamt auf die schrittweise Modernisierung der Fahrzeugflotte sowie mehrere durch die Stadtverwaltung umgesetzte Maßnahmen im Straßenverkehr zurück. So steigt in Chemnitz sowohl die Anzahl als auch die Ausdehnung von Tempo-30-Zonen seit Jahren an, und eine reduzierte Geschwindigkeit führe zu weniger Schadstoff-Emissionen, "wenn keine zusätzlichen Stauereignisse auftreten", wie es aus dem Umweltamt heißt.

Allerdings hängt die Bewertung der Luftqualität nicht nur von Stickoxiden ab, sondern auch von der Belastung mit Feinstaub. Der entsteht im Straßenverkehr, zum Beispiel beim Abrieb von kleinsten Gummipartikeln am Reifen, aber auch durch Ruß bei der Verbrennung von fossilen Brennstoffen. Feinstaub ist laut Bundesumweltamt besonders gesundheitsschädlich, weil die Partikel über den Kehlkopf hinaus bis tief in die Lunge gelangen können.

Was die Konzentration von Feinstaub in der Chemnitzer Luft betrifft, haben beide Messstationen in der Stadt 2018 höhere Jahresmittelwerte ausgewiesen als 2017, obwohl auch hierbei die von der EU festgelegten Grenzwerte deutlich unterschritten worden sind. An der Messstation Leipziger Straße lag der Wert um 15 Prozent höher als im Vorjahr, an der Hans-Link-Straße um 23 Prozent. Eindeutige Gründe für den Anstieg nennt das Umweltamt der Stadt nicht. Bei Luftschadstoffen gibt es nach Angaben der Behörde mehrere Einflussfaktoren, wozu die Höhe der Emissionen einerseits als auch die Ausbreitungsbedingungen andererseits gehören. Die wiederum hängen vom Wetter ab. Da das Jahr 2018 sehr trocken war, könnte damit eine höhere Feinstaubbelastung im Vergleich zu 2017 einhergehen, heißt es aus dem Umweltamt.

Bewertung des Artikels: Ø 3 Sterne bei 2 Bewertungen
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...