Schilder vor Kita aufgestellt - Diskussion um Tempo 30

In Rußdorf muss jetzt langsamer gefahren werden, in Wolkenburg wird es bald so weit sein. Der Streit über die Regelung erhält so neue Nahrung.

Wolkenburg/Rußdorf.

Egal ob es zum Sport in die Turnhalle, zum Abenteuerspielplatz an der Mulde oder zum Bus nach Limbach geht - wenn die Kinder der Kita Kinderland Muldental in Wolkenburg einen Ausflug unternehmen, müssen sie zuerst fast immer die Herrnsdorfer Straße überqueren. "Auf unserer Straßenseite ist der Fußweg wegen eines Parkplatzes unterbrochen", erklärt Katja Rojé, die stellvertretende Leiterin. Sicher über die Straße zu kommen, sei immer eine Herausforderung. "Kinder sind impulsiv. Man kann sich nicht immer darauf verlassen, dass sie stehen bleiben", berichtet Rojé. Deshalb hatten die Erzieherinnen schon vor Jahren bei den Behörden angefragt, ob vor der Kita ein Fußgängerüberweg eingerichtet werden kann. Doch der Wunsch wurde abgelehnt, weil das für einen Zebrastreifen laut Gesetz nötige Verkehrsaufkommen an jener Stelle nicht erreicht wird.

Nun dürfte es aber nur eine Frage von Tagen sein, bis die Erzieherinnen aufatmen können. Die Limbacher Stadtverwaltung hat vor wenigen Wochen Tempo 30 vor der Kita angeordnet. Erfahrungsgemäß dauert es einige Wochen, bis die Schilder aufgestellt werden, da an dem Vorgang auch andere Behörden beteiligt sind. "Tempo 30 wird ganz viel ausmachen", ist sich Katja Rojé sicher. Wenn die Autos langsamer unterwegs sind, werde es deutlich einfacher sein als bisher, mit Kindern die Straße zu überqueren.

In einem Zuge mit der Herrnsdorfer Straße hat das Rathaus auch mit Blick auf die Waldenburger Straße in Rußdorf gehandelt. Vor der dortigen Kita sind die Schilder bereits in dieser Woche aufgestellt worden. Die kommunale Trägergesellschaft Bona Vita ließ eine Anfrage der "Freien Presse" zur Verkehrssituation unbeantwortet. Auf Facebook loben mehrere Bürger die Entscheidung. "Wird Zeit. Hat mich sowieso schon gewundert, warum dort bei der Kita keine 30 war", schreibt eine Nutzerin. Ein anderer Kommentator schlägt vor, an allen Schulen und Kitas grundsätzlich ein zeitlich begrenztes Tempo-30-Gebot zu erlassen. Entsprechende Forderungen gibt es auch von Eltern, deren Kinder die Grundschule Kändler und die Gerhart-Hauptmann-Schule besuchen.

Die Stadtverwaltung ist jedoch daran gehalten, jeden Einzelfall zu prüfen. Seit einer Änderung der Straßenverkehrsordnung, die Tempo 30 auch auf stark befahrenen Straßen ermöglicht, wurden vor mehreren Kindereinrichtungen Schilder aufgestellt - teils nach langen Diskussionen. Auf der Hohensteiner Straße auf Höhe der Grundschule Pleißa wird es nach Angaben aus dem Rathaus aber voraussichtlich keine Tempo-30-Schilder geben, weil das Gebäude etwas zurückversetzt liegt.

Was für unterschiedliche Ansichten es in der Bevölkerung zu dem Thema gibt, wurde vergangene Woche bei der Bürgerversammlung in Pleißa deutlich. Ein Anwesender sagte, er könne nicht nachvollziehen, dass vor dem Gymnasium und vor der Kita Spatzennest Tempo 30 gilt. Die Gymnasiasten seien alt genug, um im Straßenverkehr auf sich aufzupassen, die Kita-Kinder durch ein Geländer auf dem Fußweg ausreichend geschützt. Der Verkehr werde unnötig ausgebremst. Ein anderer Pleißaer widersprach: Beim Zeitverlust gehe es nur um Sekunden - die Sicherheit der Kinder sei wichtiger.


Kommentar: Vernunft statt Emotion

Der Vorwurf, dass Verkehrsteilnehmer auf der Hohensteiner Straße auf Höhe der Kita Spatzennest unnötig ausgebremst werden, ist nicht neu. Nach dem Aufstellen der Schilder erhielten die Erzieherinnen, die jahrelang für Tempo 30 gekämpft hatten, mehrere Beschwerdemails und -anrufe. Jene Autofahrer sollten sich vor Augen halten, dass sie auf dem etwa 250 Meter langen Abschnitt im Vergleich zu Tempo 50 nun zwölf bis 15Sekunden langsamer sind. In welcher Situation des Alltags kommt es schon auf 15 Sekunden an? Bei rationaler Betrachtung relativiert sich also das Gefühl, ausgebremst zu werden. Autofahrer verlieren praktisch keine Zeit - aber Erzieherinnen und Kinder gewinnen beim Überqueren der Straße an Sicherheit. Das sollte es doch allen Beteiligten wert sein.


Hier gilt Tempo 30

Vor folgenden Schulen und Kitas in Limbach-Oberfrohna sind seit einer Gesetzesänderung Tempo-30-Schilder aufgestellt worden:

August 2017: Thomas-Müntzer-Grundschule, Waldenburger Straße; Kita Spatzennest, Hohensteiner Straße. November 2017: Grundschule Bräunsdorf, Untere Dorfstraße; Kita Krümelkiste, Pleißenbachstraße. Januar 2019: Kita Waldenburger Straße.

Vor einigen Bildungsstätten wie dem Albert-Schweitzer-Gymnasium und der Kita Am Hohen Hain durften Verkehrsteilnehmer schon vor der Gesetzesänderung maximal mit Tempo 30 fahren. (jop)

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