Seiner Zeit weit voraus

Vom verschwenderischen Umgang mit natürlichen Ressourcen schrieb als erster Mahner ein Kameralist aus Sachsen: Hans Carl von Carlowitz, dessen Geburt in Rabenstein sich heute zum 375. Mal jährt.

Carlowitz bekleidete hohe Ämter: Er war königlich-polnischer und kurfürstlich-sächsischer Kammer- und Bergrat sowie Oberberghauptmann des Erzgebirges. Der gelehrte Sachse kritisierte den Raubbau in der Forstwirtschaft, forderte in seinem Werk "Sylvicultura Oeconomica" eine "continuierliche beständige und nachhaltige Nutzung" und prägte so den Begriff von der Nachhaltigkeit. Das machte ihn einst zu einem staatstragenden Ökonomen und sicherte ihm auf Dauer einen Platz in den Geschichtsbüchern.

Carlowitz wurde am 24. Dezember 1645 als zweiter Sohn von 16 Kindern seiner Eltern in Oberrabenstein geboren. Der Ort mit Höhenburg aus dem 12. Jahrhundert hatte nach der deutschen Ostbesiedlung wechselnde Besitzer und war 1619 in den Besitz der Adelsfamilie von Carlowitz gelangt, die dem sächsischen Uradel angehörte und über Jahrhunderte herausragende Persönlichkeiten in unterschiedlichen Ämtern hervorbrachte.

Vater Carlowitz fungierte als kursächsischer Oberforstmeister, weckte bei seinem Sohn früh Interesse für die Forstwirtschaft und die damit verbundene Ökonomie und schickte ihn auf das lutherische Stadtgymnasium in Halle, das damals wegen seiner humanistischen Ausprägung bekannt war. Anschließend studierte der Adelssprössling in Jena Rechts- und Staatswissenschaften, Naturwissenschaften, Bergbaukunde und Fremdsprachen. Danach wurde Carlowitz vom Vater auf eine umfassende Kavalierstour durch halb Europa geschickt. Als Kenner der Waldwirtschaft erlebte er, dass überall Holzknappheit herrschte. In Frankreich war er Zeuge der Einführung des neuen Waldgesetzes des französischen Königs angesichts der Holznöte. Er besuchte zudem Bergwerke und studierte die Bergbautechnik.

Nach seiner Heimkehr nach Sachsen wurde der kundige Gelehrte 1677 zum Vize-Berghauptmann für das Freiberger Revier ernannt. Er heiratete Ursula Margaretha von Bose, bezog das Haus am Freiberger Obermarkt 10, das bis heute existiert, und setzte mit seinen umfassenden Kenntnissen praxisbezogene Akzente im Wald-, Berg- und Hüttenwesen. Das Erzgebirge galt damals als eines der größten europäischen Montanreviere, das mit seinen Erzgruben, Schmelzhütten und dem Bevölkerungswachstum einen enormen Holzverbrauch hatte. Als Oberberghauptmann und Chef des Freiberger Oberbergamtes zog er alle Register bis hin zu Aufklärungsschriften. Das Staunen über sein Buch "Sylvicultura Oeconomica" war groß. Die Anerkennung folgte. Doch die Realisierung seiner Schlussfolgerungen gediehen zu einem eher zähen Prozess.

Darüber starb der Vordenker der Nachhaltigkeit am 3. März 1714 in Freiberg. Er wurde 68 Jahre alt. Neben seinem administrativen und kameralistischen Lebenswerk hinterließ Carlowitz aus seiner Ehe drei Töchter. In Sachsen pflegt unter anderem die "Hans-Carl-von-Carlowitz-Gesellschaft" sein Erbe.

30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Testen Sie die digitale Freie Presse unverbindlich.
Erhalten Sie Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de
(inkl. FP+ und E-Paper). (endet automatisch)
 
30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de und E-Paper. (endet automatisch)
Jetzt 0€ statt 20,99 €
11 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 6
    2
    cn3boj00
    25.12.2020

    Und bis heute hat man nichts von Carlowitz gelernt. Obwohl sich Sachsen gern mit dem "Erfinder" der Nachhaltigkeit schmückt. Doch wenn man sieht, wie die Großagrarier den Boden ausbluten lassen fehlt mir der Glaube an einen Erkenntnisgewinn. Hans Carl würde sich im Grabe umdrehen, wenn er unsere Land- und Forstwirtschaft heute begutachten könnte.